Sohn des rb. Gelehrten Lemmel b. Aron Welsberg, welcher aus Zeckendorf in Oberfranken stammte, an der Jeschiwa des Ez. Landau in Prag studiert hatte und sich als erster Jude in Verden niederlassen durfte. Tritt 1844 in die Quinta des Domgymnasiums in Verden und erhält Talmudunterricht beim Vater
1848 nach Halberstadt zum Studium des Talmud bei Gerson Josaphat und Esr. Hildesheimer, Herbst 1850 kehrt er nach Verden zurück, um das Gymnasium zu beenden. Nach weiterem Aufenthalt in Halberstadt 1851 an die Universität Prag, auch Unterricht bei Samuel Freund. 20. Okt. 1852 imm. Berlin, zweijähriges Studium mit parallelem Unterricht bei Michael Landsberger. 8. Aug. 1854 prom. Halle, 7. Okt. 1854 Rb. der orthodoxen IRG in Mainz
Konflikte mit dem Rabbiner der Mehrheitsgemeinde Joseph Aub. Ca. 1856 Verehelichung mit einer Tochter des IRG-Gründers Rb. Samuel Bondi, mit diesem Neugründung der Mainzer Jeschiwa
24. Sept. 1856 Einweihung der eig. Synagoge und Herbst 1859 der höheren jüd. Schule. Bewerber in Darmstadt (1859). Mai 1860 gründet er den „Israeliten“ als „ein Centralorgan für das orthodoxe Judenthum“. Im Kompert-Prozeß 1864 unterzeichnet er auf Seiten der ungarischen Trennungsorthodoxie.
Dissertation
Lockii doctrina de intellectu humano, ejus principia et quae contra ea a Leibnitzio prolata sunt, exponuntur et dijudicantur, Diss. Halle 1854.
Dokumente
AHU Berlin, Abgangszeugnisse, Bd. 339, fol. 101r
UA Halle, Phil. Fak. II, Nr. 81, Bl. 90- 94, mit den Promotionsakten (Bl. 93 Vita)
HStA Wiesbaden, 365/562, Friedhofsbuch Mainz, nennt ihn „Rabiner der isr. Religionsgesellschaft Mainz u. Redakteur“.
Manuskripte
Mainz, Jüd. Gemeinde, cod. 10: Peschatim zu den Psalmen, 1848.
Publikationen
Hrsg. Der Israelit, seit 1860. Ludwig Philippson ist zugleich Vorbild und Erzfeind. Israelit 1860, S. 11 „’Der Israelit’ wird sich die Aufgabe stellen, dem orthodoxen Juden die unjüdischjüdischen Blätter vollkommen entbehrlich zu machen, er wird durch kurze und leicht faßliche, aber doch gründlich und wissenschaftlich gehaltene Leitartikel, durch eine Fülle von Correspondenzen, durch Anzeigen aller Art [...] das Interesse rege zu erhalten wissen“. Der Hrsg. nimmt sich insbesondere Polemik vor, d. h. „allen Regungen, die sich der schriftlichen und mündlichen Lehre des Judenthums zuwider irgendwie und irgendwo bemerkbar machen, mit Ernst und Würde entgegenzutreten“ (Z. Frankel bezeichnete den Israeliten und die Jüdische Presse wegen ihrer persönlichen Kampagnen als „Schmutzblätter“; Brämer, Frankel, S. 407)
Mithrsg. der orthodoxen dt. Bibelübs
Edition des Kommentars von Joseph Syrileio zum Paläst. Talmud, Traktat Berachoth, mit eigenen Kommentarbemerkungen Me’ir Nathiv
Kommentar zur Pessach-Haggada
Gottesfurcht und Vaterlandsliebe. Eine Festrede zur Feier des Geburtstages Sr. Kön. Hoheit unseres allergnädigsten Landesfürsten Ludwig III. Großherzog von Hessen und bei Rhein, Mainz 1855
„Die in der Nähe des Ludwigsbahnhofes in Mainz aufgefundenen jüdischen Grabsteine“, Zeitschrift des Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer in Mainz 2 (1859-1864), S. 226-232
Das Gotteshaus. Festpredigt gehalten zur Einweihung der Synagoge Beth Tefillath Yiœra’el zu Mainz, 1856
Die Orgel in der Synagoge. Eine Zeitfrage, 1862
Die Abschaffung des Kol Nidre und Herr Dr. Aub in Mainz, 1863 (Gegenschrift von Aub, Die Eingangsfeier des Versöhnungstages; ein abgedrungenes Wort der Belehrung und Beruhigung an seine Gemeinde, Mainz 1863)
Das ächte und das falsche Feuer. Predigt gehalten zur Einweihung der neuerbauten Synagoge der IRG zu Darmstadt, Darmstadt 1864
Gedächtnisrede, gehalten am Grabe der Frau Rosa Cahn geb. Kannstadt, 1886
Zahlreiche historische Romane und Novellen jüdischer Thematik, darunter Akiba, Aus der Zeit der Reaction, Bostanai, Elvire, Esther Chiera, Die Familie y Aguilar, Der Fürst von Coucy, Gegenströmungen, Graf oder Jude?, Der königliche Resident, Des Königs Eidam, Die Lebensgeschichte des russischen Kriegshelden Rabinowitsch, Lessings Nathan der Weise, Das Licht der Diaspora, Nur standhaft, Parthenope, Rabbi Elchanan, Rabbi Joselmann von Rosheim, Säen und Ernten, Eine Sedernacht in Madrid, Der Sohn der Witwe, Spurlos verschwunden, Süss Oppenheimer, Die Verlassene, Verirrt, Verschollen und vergessen, Vor hundert Jahren (Ein Bild aus der alten Berliner Israelit. Gemeinde), Zwei Schwestern etc. die auch in Fremdsprachen übersetzt wurden, z. T. gesammelt in Aus Vergangenheit und Gegenwart. Jüdische Erzählungen, 6 Bde. Fft./M. 1871-1888; Erzählungen aus dem jüdischen Leben, Berlin o. J.; dazu JP 1879, S. 447: „durch die wahrhaft schönen Erzählungen welche er veröffentlicht, hat er sich das überaus große Verdienst erworben, die Wahrheit unserer Religion in anmuthiger Form auch in solche Kreise zu tragen, welche denselben [Gedanken], als wissenschaftliche Erörterungen vorgetragen, nicht zugänglich sind, und insbesondere die Frauen und Jungfrauen Israels für das echte, unverfälschte Judenthum [...] zu begeistern“
Haggadah šäl Päsah. mit Erläuterungen, aus dem Nachlaß, Mainz 1906, 185 S.; erweiterte Ausg. Frankfurt/M. 1914, 210 S.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
Der Vater erscheint im Subskribentenverzeichnis der Fürther Talmudausgabe von 1832
AZJ 1856, S. 572; Jeschurun, 13. Okt. 1856, S. 45, Eröffnung der orthodoxen Synagoge in Mainz
Isidor Rosenthal, Worte des Glaubens aus dem Munde eines Ungläubigen, Herrn Doctor Lehmann und allen Buchstabenheiligen als Neujahrsgabe gewidmet, Mainz 1860, 12 S
Lippe 1879/81, S. 273
Nachrufe Israelit 1890, S. 509-512, 517f, 537-539, 559f, 564, 572-580; Gemeindebote vom 18. Apr. 1890, S. 1
Gedenkblätter an Rabbiner Dr. M. L., Mainz 1890, 114 pp.; mit Biographie S. 10-15
UI 45 (1889/90), S. 521. „On sait que feu Lehmann a été le représentant attitré de ce qu’on appelle en Allemagne l’hyperorthodoxie“
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 868, 890
JE VII 667
John Lehmann, Dr. Markus Lehmann, Fft./M. 1910, 93 S., auch in M. L., Gesammelte Erzählungen, Fft./M. o. J
Kohler, „Personal Reminiscences“, S. 473: „his own Rabbinic knowledge, however, was markedly deficient“
Lebermann, „Landesrabbinat“, S. 106
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 37
JL III 1016, mit Bildnis
Wininger IV 18
EJ dt. 737
Schwab, The History of Orthodox Jewry in Germany, 1950, index
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 302
Schwab, Chachme Ashkenaz, S. 88-89
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 93, 117; Bd. II, S. 22
Scholem, „Letzte Kabbalisten“, S. 227
EJ eng. X 1582f, mit Bildnis
Mochč Catane, La vie et l’œuvre du rabbin M. L., Jerusalem 1971
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 128, Nr. 2201
Vest, Mainz, S. 59
Rolf Dörrlamm, Magenza. Die Geschichte des jüdischen Mainz, Mainz 1995, S. 37 (Bildnis)
DBE VI 295
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 116, 526, 529, 532, 597.