BHR Biographisches Portal der Rabbiner

LEWIN, Hirschel, auch H. LÖBEL, englisch Hart LYON

  • Geb. 1721 in Rzeszów, Westgalizien,
  • Gest. 25. Aug. 1800 in Berlin
  • Sohn des Rb. Arje-Löbel b. Saul [Löwenstamm]
  • seine Mutter Miriam war Tochter des Amsterdamer Oberrb. Zwi Aschkenasi gen. H. acham S. evi. Der Vater wurde vor 1734 nach Glogau und im Jahr 1740 nach Amsterdam berufen
  • H. L. bleibt bei seinem Glogauer Schwiegervater, dem Grammatiker Avigdor b. Simcha Levi. Gehört zur vermittelnden Partei in der Kontroverse zwischen Eibeschütz und seinem Onkel Jakob Emden
  • auf die Empfehlung des Letzteren wird er 1757 Rb. in London. 1764 Rb. in Halberstadt, 1770 Rb. in Mannheim, 1772 letzter Oberlandesrb. der kurmärkischen und pommerischen Judenschaften in Berlin
  • sein Bonmot: „In London hatte ich Geld und keine Juden, in Mannheim Juden und kein Geld, in Berlin weder Geld noch Juden“. Seine Pointen seien auch sonst „sehr witzig“ gewesen (Tendlau, Sprichwörter, S. 355). Unterstützt als erste rb. Autorität Mendelssohn, etwa durch seine Approbation vom 4. Sept. 1778 zu dessen Bibel, doch bekämpft er dessen Mitarbeiter N.-H. Wessely, den er 1782 aus Berlin vertreiben lassen will. Seine zweite Frau Golda, Tochter des David-Tewle Hakohen, starb 1794
  • seine Söhne Saul Berlin und Salomon Herschell wurden Rb. in Frankfurt/Oder und London.

Dokumente

  • Anstellungsvertrag bei Landshuth, ’Anše Šem, S. 78-80, und bei Josef Meisl (Hrsg.), Protokollbuch der jüdischen Gemeinde Berlin 1723-1854 (Pinkas Kehilat Berlin), Jerusalem 1962, Nr. 268
  • LHA Potsdam, Rep. 3 Nr. 7127, Angelegenheiten der Oberlandesältesten und der Oberrabbiner, 1768-1801, darin: Konfirmation der Wahl des Rb. Herschel Levin aus Glogau zum Oberrb. in der Kurmark, Neumark und Pommern; Gesuch der Kuratoren des Nachlasses des verstorbenen Oberlandesrb. Herschel Löbel aus Berlin zur Gehaltsnachzahlung für denselben (siehe Inventar III 147)
  • GStA Berlin, Rep. 21, Nr. 207 b 2a, Fasz. 38, darin Oberaufsicht des Oberlandesrabbiners Hirschel Lewin in Berlin über die Provinzial- und Landesrabbiner, April/Mai 1796
  • Ebd., Fasz. 40 darin Stellungnahme des Oberlandesrb. Hirschel Löbel wegen der Judeneide, Mai 1792
  • Ebd., Kurmark, Materien Tit. 232, Generalia Nr. 17, Bestätigung des Rabbiners Hirschel Lewin aus Glogau als Oberrabbiner der jüdischen Gemeinden in den Städten der Kurmark und der Neumark, 2. März 1773; den Gemeindevorstehern Veitel Ephraim, Daniel Itzig und Hirsch David zufolge sei er „ein Mann von großer Geschicklichkeit und Probité“ (Bl. 43, vom 21. Feb. 1773). Dabei auch Gesuch des alten L. um Enthebung von den Vormundschaftspflichten und Responsen: „In diesem ehrenvollen aber müheseligen Amte habe ich mich stets eifrigst bestrebt, den Pflichten eines redlichen und treuen Statsdieners auf das gewissenhafteste Genüge zu leisten“. Nun aber sei die Zeit gekommen, in der „bei meinem hohen Alter und meiner ohnehin nicht starken Gesundheit jetzt physische Uebel aller Art auf mich einstürmen. Die Natur behauptet endlich ihre Rechte und verlangt ein Opfer“ (Bl. 57, vom 29. Mai 1798; auch bei Stern, „Meyer Simon Weyl“, S. 290f).

Publikationen

  • Sefär Mis. woth la-RaMBaM, 1756
  • Ritualgesetze der Juden betreffend Erbschaften, Vormundschaftssachen, Testamente und Ehesachen, verfaßt 1776, hrsg. (und vermutlich auch verfaßt) von Moses Mendelssohn, Berlin 1778, 5. Aufl. 1826
  • Tešuvoth, Verteidigung des Mis. peh Yåqthe’el seines Sohnes Saul Berlin, Berlin, 1789
  • Pesaq ha-Din über den gegen den Mis. peh Yåqthe’el verhängten Bann, Berlin 1791, 2 Bl
  • ’Iš ‘anaw Verteidigung der Echtheit der von seinem Sohn Saul unter dem Titel Beœamim Ro’š hrsg., angeblich mittelalterlichen Responsen, Berlin ca. 1794, 2 Bl
  • Široth uTešuvoth, Festgedicht zur Einweihung der polnischen Synagoge in Berlin, 1794
  • Haggahoth leSefär Läh. äm Šamayyim, Superkommentar über die Abot nach Jac. Emden, Berlin, 1834
  • Nah. alath S. evi, Gelegenheitsgedichte; in Ha-Maggid 14, 1870
  • S. evi la- S. addiq, Pentateuchauslegungen, Talmudproblemata, Responsen, Homilien, Piotrków 1903, 96 Bl.; 2. Aufl. 1919
  • Haggahoth le-Sefär H. acham S. evi Superkommentar zu Zwi-Hirsch Aschkenasi, in den Ausgaben
  • S. ava’ Rav zur Mischna
  • Superkommentar zum Yad ’Avšalom des Isaak Arama, in: Sefär Mišle, Leipzig 1859; Jerusalem 1969, 112 Bl
  • Vierunddreißig Approbationen, datiert Den Haag 1757, London 1762, Amsterdam 1764, Berlin 1772-1796; Löwenstein, Index, S. 204f.

Epigraphik

  • Sein Grab befindet sich auf dem 1943 zerstörten Friedhof Große Hamburger Straße; Inschrift bei Landshuth, ’Anše Šem, S. 109, sowie in der hschr. Abschriftensammlung von Landshuth, Nr. 272, mit der Inschrift für seine Frau Golda Nr. 273.

Bildmaterialien

  • Bildnisgemälde im Besitz der United Synagogue of Woburn House, London, als Dauerleihgabe im Londoner Jewish Museum, Inv. 1983-8-8,5; siehe Nechama/Sievernich (Hrsg.), Lebenswelten, S. 178
  • Porträtstich JNUL Jerusalem, Schwadron Collection; Abb. EJ eng. XI 112.

Literatur

  • Moses Aron von Zlut. s. ov, Sefär Tif’äräth S. evi, Ausg. Warschau 1931
  • Steinschneider, Bodleiana, Sp. 2749
  • Carmoly, Revue Orientale IV, S. 219
  • Leser Landshuth, ‘Ammude ha-‘Avodah, Berlin 1857-62, S. 307
  • M. Kayserling, Moses Mendelssohn, sein Leben und Wirken, 1862, S. 282, 291, 311
  • Auerbach, Halberstadt, S. 86-96
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 28, 92
  • L. Geiger, Berlin
  • Landshuth, ’Anše Šem, S. 69-121; auch separat erschienen u. d. T. ‘At. äräth S. evi, kolel toledoth ha-rav ha-ga’on [...]S. evi Hirš, Berlin 1884
  • Adler in Papers Read at the Anglo- Jewish Historical Exhibition, 1888, S. 280-284
  • Dembitzer, Kelillath Yofi, Bd. I, S. 152; Bd. II, S. 78
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 284f
  • Löwenstein, Kurpfalz, S. 255
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 766
  • Eisenstadt und Wiener, Da‘ath Qedošim, S. 113f
  • JE VIII 39, mit Bildnis
  • Duschinsky in JQR 9 (1918/19), S. 104-137, 371-408; und Jahrg. 11, S. 369-387; dgl. in seinem The Rabbinate of the Great Synagogue, 1921, S. 2-73, 274-295
  • A. M. Hyamson, History of the Jews in England, S. 244f
  • JL II 1624f, mit Bildnis
  • Moritz Stern, „Die Anfänge von Hirschel Löbels Berliner Rabbinat“, Jeschurun 17 (1930), und Separatdruck
  • EJ dt. VIII 97-99
  • Abraham Frank, De Amsterdamsche opperrabbijn R. Arjeih Leib ben R. Saul (1740-1755) en zijn tijd, Amsterdam 1935; über seinen Vater
  • Roth, Great Synagogue, S. 108-123
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 183f
  • Eliav, Jüdische Erziehung, S. 39, 42, 56-58, 95, 185, 192, 200
  • Schischa in Ha- Darom 12 (1960), S. 58-67
  • M. S. Samet in Qiryath Sefär 13 (1967/68), S. 430f
  • Samet in der Gedenkschrift für Zwi Avneri, 1970, S. 249-253
  • EJ eng. XI 112f, mit Bildnis
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 117, Nr. 1170
  • Maier, Jüdische Religion, S. 541
  • Hildesheimer, Halberstadt, S. 12
  • Oliel-Grausz, „Circulation du personnel rabbinique“, S. 332
  • DBE VI 359
  • Feiner, Mahpechath ha-Ne’oruth, S. 59, 126, 156, 168, 174f, 181-188, 279, 309, 311, 373, 377
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 29, 46, 86, 117, 206, 221, 248.