BHR Biographisches Portal der Rabbiner

LORBEERBAUM, Jakob, gen. J. LISSA, der H. awwath Da‘ath

  • Geb. ca. 1740 in Zboriv (Zborów), Ostgalizien,
  • Gest. 25. Mai 1832 in Stryi (Stryj) bei Lemberg
  • Postumer Sohn des Rb. Jakob-Moses b. Nathan in Zboriv, eines Enkels des Zwi Aschkenasi „Chacham Zwi“. Schüler seines Neffen Joseph Teomim-Fränkel in Burshtyn (Bursztyn) bei Halych (Halicz), Ostgalizien, sowie des Meschullam Eger im benachbarten Tysmenitsa (Tyœmienica). Verheiratet in Ivano- Frankivs’k (Stanisławów) als Privatgelehrter, nach dem Scheitern seines Handelsgeschäfts Rb. und Jeschiwaleiter in Monastyryska (Monasterzysk)
  • um 1799 Rb. in Kalisz (Kalisch) in Russ.- Großpolen. Frühjahr 1809 Rb. in Leszno (Lissa), in der preußischen Prov. Posen. Antichassidisches Schulhaupt, bekannt als der „Lisser Raw“. Mitglied der jüd. Landesversammlung in Posen (22. Aug. 1815), vermittelt im Streit um die Berufung Akiba Egers auf das Posener Oberlandesrabbinat. 1819 trägt er zu den ’Eläh divre ha-berith bei. Nach Auseinandersetzungen mit den Aufklärern zieht er sich 1821 unter nicht ganz geklärten Umständen nach Kalisz zurück. Dort lebt er als Privatgelehrter, lehnt einen Ruf nach Lublin ab, nimmt aber 1830 einen solchen als Nachf. von Moses Münz in Altofen (Buda) an, bleibt indes auf dem Wege als Rb. in Stryi
  • er war auch Mitglied der Lemberger Rabbinerversammlung von 1830. Schwiegervater von Eleazar b. Seew Kohen gen. MaHaRaCh (st. 1883), Rb. in Maków, Pułtusk, Płock und Sochaczew, vier Gemeinden im Warschauer Umkreis.

Publikationen

  • H. awwath Da‘ath zu JD, anonym publiziert Lemberg 1799, 57 + 20 Bl.; Polna 1805; Ostrów 1806; Brzeg Dolny (Dyhernfurth) 1810; Polna 1820; Józefów 1827; Polna 1832; mit Superkommentaren Minh. ath Ya‘aqov und Torath ha-Šelemim Sudilkov 1834; Lemberg 1834; Lemberg 1838; 1855
  • Ma‘aœeh Nisim zur Pessach-Haggada, Zhovkva (¯ółkiew) 1801, 22 Bl.; zahlreiche Neuauflagen
  • Ta‘alumoth H. åchmah zu Eccl., Lemberg 1804
  • Meqor H. ayyim zu den Pessachgesetzen im OH, Zhovkva 1807; Frankfurt/Oder 1813; Warschau 1815, 52 + 28 Bl.; und spätere Nachdrucke
  • Nethivoth ha-Mišpat. doppelter Kommentar zu HM, 2 Bde. Zhovkva 1809- 1816; Sudilkov 1830; Lemberg 1835; mit der Verteidigung Mešovav Nethivoth von Löb Heller, Königsberg 1848; 1857, 187 Bl.; u. a
  • Yešu‘oth Ya‘aqov zu JD 1809, zu EE 1810, zu OH, 1828, zu HM 1863
  • Torath Git. t. in zu EE Git. t. in, Fft./O. 1813, 130 Bl., und Neuauflagen
  • ’Imre Yošär Kommentar zu den Megilloth, Bd. I S. eror ha-Mor zu Cant. und Palge Mayim zu Lam., Brzeg Dolny 1815; Bd. II Megillath Setharim zu Esther mit Neuausgabe des Ta‘alumoth H. åchmah, Brzeg Dolny 1819, Bd. III zu Ruth, o. J.; kompletter Nachdruck unter dem Titel H. amiššah Sefarim, 1907, 49 Bl.; Jerusalem 1982; auch in Bibelausgaben übernommen
  • Gutachten in David Caro, Neqam Berith, S. 76-80
  • Beth Ya‘aqov zu EE Qiddušin und Ketubboth, Hrubieszów 1823, 32 + 54 Bl.; Königsberg 1860, 106 Bl.; New York 1949; Jerusalem 1957; 1969; Jerusalem 1971
  • Däräch H. ayyim Ritualbestimmungen zur Liturgie, Erstdruck im sogen. „Lissaer Raws-Siddur“ Zhovkva 1828; nachgedruckt 1829; 1831; Altona 1831; Preßburg 1834, 336 Bl.; mit Ergänzungen von Sal. Ganzfried Wien 1839; mit Superkommentar ‘Iyyun Tefillah von Jakob Hirsch Meklenburg, Königsberg 1846; weitere Neuauflagen u. a. im Siddur ha-Kenäsäth ha-Gedolah Wilna 1892; Separatdruck des Däräch H. ayyim Berlin 1860, 62 + 32 Bl.; mit dem Nethiv H. ayyim des Schneor Salman von Ljady Wilna 1871; Przemyœl 1891; Warschau 1927; Brooklyn 1976; 1978; vielfach auch in Gebetbüchern und liturgischen Kompendien abgedruckt; auszugsweise unter dem Titel Še’erith Yosef, Amsterdam 1859, 1862, 162 S
  • Qehillath Ya‘aqov zu diversen Problemen aus EE und HM sowie zu den Festtagsgesetzen im OH, Lemberg 1831, 38 Bl.; Józefów 1837; Krakau 1894
  • Šošannath ha-‘Amaqim zu Esther, Warschau 1838
  • Nah. alath Ya‘aqov zum Pentateuch und zu den Aggadot, mit verschiedenen Anhängen, Breslau 1849, 46 + 58 Bl.; Lemberg 1887; aufgenommen in die Pentateuchausgabe Warschau 1875-77
  • Sedär Tašlich ‘al pe hasod, Amsterdam 1857
  • ’Ämäth leYa‘aqov zu den Aggadot, Warschau 1865, 17 Bl., und Nachdrucke
  • Sein ethisches Testament mit dem Akiba Egers in S. awwa’ath ha-Ge’onim, Warschau 1875; auch in Œefath ’Ämäth, Kolomea 1893
  • Tiqqun ‘Eruvin in Qunt. res R. H. ayyim Yonah, Piotrków 1897
  • Mile de’Agadta’ zur Aggada, Mukachevo (Munkács) 1904, 32 Bl
  • Liqqut. e Halachoth zur Pessach-Haggada in der Ausgabe Mukachevo 1906, 56 Bl
  • Josef Buchsbaum, „Nethivoth ha-Mišpat. ha-šalem leRabbenu Ya‘aqov mi-Lisa’; haggahoth wethiqqunim ‘al Sefär H. awwath Da‘ath“, Moriyyah VII,1, S. 16-19 (S. 18: seine Randbemerkungen aus dem persönlichen Exemplar der H. awwath Da‘ath)
  • Halachische Korrespondenz mit Akiba Eger, in dessen Responsen, I, Nr. 45, 89f, 109, 124f, 132, 141
  • Einundzwanzig Approbationen, datiert Kalisz 1804, Leszno 1810-1813, Warschau 5. Jan. 1815, Leszno 1815-1829, Stryi 1831; Löwenstein, Index, S. 88. Werkausgabe. Šulh. an ‘Aruch mit Auswahl von Kommentaren aus seinem Werk, hrsg. Piotrków 1926, 90 Bl.

Epigraphik

  • Grabinschrift bei Lewin, Lissa, S. 222. Schüler. Zieht buchstäblich Tausende Studenten nach Lissa, von denen 36 Rabbiner wurden, darunter Samuel Caro in Sêpólno Krajeñskie (Zempelburg), Hirsch Kalischer in Toruñ (Thorn), Löb Blaschke in KoŸmin (Koschmin) und Trzcianka (Schönlanke), Elias b. Salomo Guttmacher in Pleszew (Pleschen) und Grodzisk (Grätz), Moses Veilchenfeld in Zaniemyœl (Santomischel) und RogoŸno (Rogasen), Samuel Mendelssohn in Krotoszyn (Krotoschin), Naftali Caro in Œrem (Schrimm), Salomo Michael Struck in Obrzycko (Obersitzko), Naftali Hirsch Bleichrode 1820 in Wieleñ (Filehne) dann in Kórnik (Kurnik), Arje Löbusch Götz Rabbinatsverweser in Œroda (Schroda), Salomon Radt in KoŸmin, Dob Beer Philippsthal in Pniewy (Pinne), und ein Ungenannter, der in Frankfurt/Oder Rb. wurde [der spätere Reformrb. Samuel Holdheim?].

Literatur

  • Kämpf, Akiba Eger, S. 35f, über seine Abdankung: „Eine Familienangelegenheit rief ihn nach seiner Heimath in Klein-Polen zurück, wo er anfangs nur eine kurze Zeit zu verweilen und dann wieder nach Lissa zurückzukehren gedachte; aber unvorhergesehene Umstände verlängerten seinen Aufenthalt in der Heimath, und in Lissa, wo er während seiner Anwesenheit vergöttert wurde, hatte sich unterdessen eine Coalition gebildet, deren Tendenz war, ihm den Rückweg nach Lissa zu versperren“. Auch die Intervention Akiba Egers zu seinen Gunsten habe nichts mehr gefruchtet. „Doch lebt sein Andenken fort in den Herzen derer, die bei all ihrer Liebe für Deutschland und seine Cultur auch die Vorzüge und Verdienste der Nicht-Deutschen zu würdigen wissen“
  • Gedenkrede in Sefer Qohäläth, Prag 1850
  • Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, 1241
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 391
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, Yod Nr. 138
  • Baeck, Geschichte, S. 504
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 554f
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 728, 757
  • Duckesz, ’Iwah leMošav, S. 17
  • Lewin, Lissa, S. 204-224
  • Berstein, Pithgamim me- H. achamim, S. 77
  • JE VII 33
  • Wreschner, „Eger“, II, S. 11
  • Chones, Toledoth ha-poseqim, S. 100
  • Heppner und Herzberg, S. 599, 602
  • Z. Y. Michelsohn, Toledoth Ya‘aqov, 1913
  • Tschernowitz, Toledoth ha-poseqim, Bd. III, S. 252-258
  • JL III 143
  • Wininger III 256
  • EJ dt. VIII 826- 828
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 251
  • I. Lewin, in der hebr. Fschr. für A. Jung, 1962, S. 167- 185
  • EJ eng. XI 492f
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 149, Nr. 1531
  • Me’oran šäl Yiœra’el, Brooklyn 1990, S. 88-102
  • Maier, Jüdische Religion, S. 482
  • Kinstlicher, Hä- “H. atham Sofer“ uvene doro, S. 188f, mit hebr. Schriftprobe
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 114
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 85
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 119, 197, 207, 546.