BHR Biographisches Portal der Rabbiner

BERGMANN, Lazarus Wolf

  • Geb. 1. Aug 1799 in Heidenheim im Hahnenkamm bei Gunzenhausen,
  • Gest. 8. Apr. 1852 in Berlin
  • Früh von seinem Vater, einem Lehrer, verwaist, lernt mit David Weiskopf auf Böheims Talmud-Tora in Gunzenhausen, dann bei Wolf Hamburger in Fürth und seit 1816 bei Abr. Bing in Würzburg. Von Mendel Rosenbaum in Zell, Unterfranken, als Hauslehrer bestellt, heiratet Aug. 1823 dessen Tochter Ricke und leitet seit 1825 eine Nägelfabrik. Mit seinem Freund Lazarus Ottensoser plant er die Niederlassung in Jerusalem
  • macht sich im Jahr 1834 mit Familie allein auf den Weg. Als Händler in Jerusalem nimmt er Kleidung und Lebensweise der orientalischen Juden an, gründet mit Jehosef Schwarz und Moses Sachs ein Gelehrtenstift für deutsche und niederländische Juden, den Kolel HOD (Abkürzung für „Holland und Deutschland“). Auf der Suche nach Unterstützung sendet ihn die Gemeinschaft am 31. März 1849 nach Deutschland
  • kommt über Triest im Sommer 1850 nach München. Durchreist Bayer.- Schwaben und Franken zum Spendensammeln
  • wird von Simon Krämer in der AZJ angegriffen und von Rb. Feuchtwang verteidigt. Eine Versammlung orthod. Rb. tritt seinetwegen in Kleinerdlingen zusammen. 26. Okt. 1851 Empfehlung von S. B. Bamberger. Zieht weiter nach Hamburg/ Altona und schließlich nach Berlin. Eine Straße in Jerusalemer Stadtteil Bayyith Wagan wurde nach ihm benannt.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 39, Bing attestiert, daß B. die „Ordination als Rabbiner“ erhalten habe, 8. Nov. 1827
  • Stadtarchiv Würzburg, Judenakten 37, 5. Juli 1850.

Manuskripte

  • Lazarus und Ricke Bergmanns Briefe von ihrer Orientreise (1834-1836) wurden von den Rosenbaums in Zell aufbewahrt; ihr späterer Besitzer Abraham Bartura in Jerusalem hat sie ediert unter dem Titel Yiœe’u harim šalom [Ps 72,3]. Michteve massa‘ wa‘Aliyyah 1834-1836, Jerusalem o. J. Mikrofilm der Originale im CAHJP Jerusalem HM 4732.

Literatur

  • Orient 1840, S. 49
  • TZW 1845, S. 200
  • AZJ 1850, S. 427-428 [29. Juli 1850, Krämer], 455 [12. Aug. 1850, Dr. Feuchtwang], 514 [9. Sept., Krämer]; 1851, S. 512f. [20. Okt., Meklenburg], 560 [17. Nov., Richtigstellung], 606
  • Nachruf TZW 1852, S. 39, 60, 68: Er sei ein „ächter lamdan“ gewesen, habe nach der Ansiedlung in Jerusalem „Hiob gleich“ Weib, Kind und Vermögen verloren; in Berlin habe man ihn geschmäht, dort „in der Sandwüste war kein ergiebiger Boden für seine Thätigkeit“
  • Polemik zwischen B. Z. Auerbach und Rosenbaum jun. über seine Person im Israelit 18, Nr. 24
  • Eliav, ’Ahavath S. iyyon, S. 228-232
  • Avraham Bartura, „Die Heimkehr des Jerusalemiten Rabbi Elieser Bergmann“, Nachrichtenblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Stuttgart, 16. Apr. 1975
  • Ders., Belev qašuv. Toledoth ’Äli‘äzär Bärgman ’iš Yerušalayim 5559-5612 (1799-1852), Jerusalem 1983
  • Flade, Würzburg, 21996, S. 116f
  • Gehring-Münzel, Vom Schutzjuden zum Staatsbürger, S. 346
  • Bleich, Ettlinger, S. 14: „Bing’s chief disciple“
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 305.