Gest. 16. Mai 1872 in Břeclav (Lundenburg), Mähren
Besuch der Bürgerschule in Melsungen und des isr. Lehrerseminars in Kassel, 23. Okt. 1848 prom. Gießen, 21. Aug. 1849 in Kassel Staatsexamen für das Lehramt
leitet sodann in Fulda eine private „Lehr- und Erziehungs-Pensions-Anstalt zunächst für die israelitische männliche Jugend des In- und Auslandes“, scharfe Gegnerschaft des Stadtschulvorstands und des Rabbinats. Bewerber um das Landesrt. in Kassel, 1860 Prediger in Waren, Mecklenburg, 1862 Rb. in Břeclav, dort 1868 Einweihung der bis heute erhaltenen neuromanischen Synagoge.
Dokumente
StA Marburg, Abt. 100, Nr. 3719 Gründung einer Erziehungsanstalt für die isr. männliche Jugend für das In- und Ausland durch den Rabbinatskandidaten Nathan Aaron Müller aus Melsungen in Fulda, 1849-1852. Der Fuldaer Rabbiner J. Rosenberg scharf polemisch gegen ihn am 19. Apr. 1850: M. sei „ein unreifer, unerfahrener Jüngling“, zum Lehrberuf „keineswegs qualificirt“ und ohne rb. Qualifikation; „laut des von ihm in die Welt geschickten Programms will er auch Theologie studirt haben, und diese wahrscheinlich, da, wie sich mit Gewißheit behaupten läßt, er bei keinem Rabbinen Unterricht genossen, mirabile dictu entweder autodidactisch oder durch Inspiration!!!“ Einliegend auch die Doktorurkunde aus Gießen
LHA Schwerin, Kabinett III, 5768, Briefe vom 19. Aug. und 21. Sep. 1860, überreicht dem Großherzog sein Werk
Ebd., Meckl.-Schw. Landesrabbinat 74, Korrespondenz aus Waren mit dem vorgesetzten Landesrabbiner vom 14. Sept. 1860 zum 13. Jan. 1863
StadtA Waren, Stadtverwaltung Nr. 1115, über die jüd. Prediger
ZA Brünn, B14, M623. Da er „auswärtig“ ist, zieht das Bezirksamt bei der Statthalterei die Bewilligung seiner Anstellung in Břeclav ein, 1863.
Publikationen
Aganippe. Religiös-philosophische poetische Ergüsse über die Höhen und Niederungen des Lebens, 1860.
Literatur
Neuzeit 1863, S. 426, rühmt seine Verdienste um den Synagogenneubau in Břeclav
Neuzeit 1863, S. 437, über Konflikte mit dem Schullehrer
Neuzeit 1864, S. 43, „Ehrenerklärung“, mit der er den Streit beilegt
AZJ 1867, S. 919, erhält in Wien vom Kaiser die Medaille für Kunst und Wissenschaft
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 327, 329. „Seine Grabinschrift besagt, daß er Ritter des königl. ital. Mauritius- und Lazarus-Ordens, Inhaber der k. k. österr. gold. Medaille für Wissenschaft und Kunst und der Hohenzollerschen gold. Medaille bene meriti, Mitglied gelehrter Gesellschaften gewesen“
Kössler, Doktorpromotionen an der Universität Gießen, S. 71.