Sohn des talmudgelehrten Löb ben Mordechai aus Rabbinerfamilie, kommt in seiner Jugend mit dem Vater nach Berlin, Jeschiwa in Halberstadt bei Hirsch Biale, 1750 nimmt ihn der reiche Breslauer Schutzjude Wolf Löbel Pick in sein Geschäft, ca. 1755 Heirat mit dessen Tochter Fromet (1736-1802)
seither nannte er sich mitunter nach seiner Schwiegerfamilie. 1787 Hausgenosse und Dajan des Breslauer Oberrb. Joseph Jonas Fränkel
nach dessen Tod ist er gezwungen, mit seiner Existenz als Privatgelehrter zu brechen. 17. Nov. 1793 wird er gegen den Widerstand der liberalen Minderheit zu Fränkels Nachfolger als Oberrb. in Breslau gewählt, erreicht jedoch einen Ausgleich mit dem Maskilim-Kreis um Joel Brill, Aron Wolfsohn-Halle und Juda Bensew. Hält am 17. Mai 1795 eine vielbeachtete Predigt zum Baseler Frieden. Unter seinen Zeitgenossen ragte er durch seine umfassende Kenntnis der Bibel und der älteren, auch nichtkanonischen rb. Literatur sowie insbesondere durch seine Ansätze zu einer historisch-philologischen Betrachtungsweise hervor.
Manuskripte
JNUL R4-58-A-355 [Ms 118] Randbemerkungen zur Pentateuchausgabe Amsterdam 1729
Amsterdam JNUL 8-5725 Erklärungen zu Šulh. an ‘Aruch OH, kopiert ca. 1889 in Wilna.
Publikationen
Halachische Korrespondenzen mit dem Fürther Oberrb. Josef Steinhardt, gedruckt in dessen Zichron Ya‘aqov, Fürth 1773 (B.s Schwester Kreindel war die zweite Frau Steinhardts, welcher sie ebd. I Nr 13 u. ö. wegen ihrer Gelehrsamkeit rühmt und eine Pijjuterklärung von ihr anführt)
Marginalia zum Pentateuch, Brzeg Dolny (Dyhernfurth) 1775
Ri’šon leS. iyyon [Jes 41,27], Marginalia zur Mischna, insbes. Nachweise von Zitaten und Paralleltexten, zuerst in der Ausg. Sulzbach 1783; in fast alle seitherigen Mischna-Ausgaben übernommen
Še’elath Šalom Komm. zu den Še’iltoth des Raw Achai (frühmittelalterliches Rechtskompendium), Brzeg Dolny 1786
Indizes und Zitatnachweise zu den Midraschim, Brzeg Dolny 1793
Yeš Sedär, Mischnakommentar nach dem Vorbild der Tosefoth Yomt. ov, zuerst in der Ausgabe Brzeg Dolny 1798
Mesoräth ha-ŠaS, postume Sammlung von Marginalia zum Babylonischen Talmud, zuerst in der Talmudausgabe Brzeg Dolny 1800-1804; in fast alle seitherigen Talmudausgaben übernommen
Tiqqun Šelomoh, Marginalia zum Gebetbuch, 1806
Marginalia zum Mišneh Torah des Maimonides, 1809
Marginalia zum Re’šith H. åchmah des Elia de Vidas, Brzeg Dolny 1811
Marginalia zur Methodologie Yad Male’achi des Maleachi ben Jakob, Berlin 1825
H. innuch la-Na‘ar zum Gebotskompendium Sefer ha-H. innuch, Wien 1826
Mine Targima’ zu Onqelos und dem Palästinischen Targum, hrsg. vom Schwiegerson David Sklower, Breslau 1827; Wilna 1836
Hafla’ah šä-ba-‘Arachin zum Talmudwörterbuch ‘Aruch des Nathan von Rom, Bd. I Alef bis Kaf, hrsg. Raphael Wolf Günsberg, Breslau 1830; Bd. II hrsg. L. Rosenkranz, mit Zusätzen von S. D. Luzzatto und S. Hurwitz sowie einem Vorwort von Ad. Jellinek, Wien 1859
Marginalia zur Ausg. des Alfasi, Preßburg 1839
Qašuth Meyuššav, über die im Talmud als qašya’ (Problem) qualifizierten Fragen, Königsberg 1860
H. idduše ha-ŠaS Glossen zum Talmud, hrsg. A. Sklower, Königsberg 1860
Tena’ Tosafoth zur Tosefta
’Omer ha-Šicheh. ah, talmudische Halachot, die in den Kodizes nicht erscheinen, Königsberg 1860
’Os. ar Balum Index zu den Aggadot des ‘En Ya‘aqov, Wilna 1899
Halachische Korrespondenz mit Ezechiel Landau in dessen Noda‘ bIhudah, I, YD 23 (Landau nennt B. einen eisernen Kopf, ’adam qašäh kabarzäl); II, OH 35, 68, 102, 105 (1782), 124 (1783); YD 11, 124, 151, 201; EE 81, 84
Zwei Approbationen aus Breslau (1794-97); Löwenstein, Index, S. 34.
Literatur
Schlesische Zeitung, 1795, Nr. 59, über seine Predigt
Gedenkrede von Moses Sofer, Derašoth, Nr. 306
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1385f
Auerbach, Halberstadt, S. 71
Abr. Berliner, „Rabbi Jesaja Berlin, eine biographische Skizze“, Magazin für die Wissenschaft des Judenthums VI, 2 (1879): S. 15-22 Liste seiner Werke; S. 14 textkritische Anmerkungen in seinen Exemplaren; das Geburtsjahr schätzt Berliner „um das Jahr 1719“
Baeck, Geschichte, S. 489
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 762f, 899f: „Der Erste, der sich wieder mit der talmudischen Lexikographie beschäftigte und auch auf diesem Gebiete Erspriessliches leistete, war R. Jesaia Berlin [...] der eine staunenswerthe Belesenheit und umfassende Kenntniss auf dem weiten Gebiete des jüdischen Schriftthums besass [...] Die Bedeutung der einzelnen Fremdwörter zu erforschen, dazu bedurfte es der Kenntnis verschiedener fremder Sprachen, welche Jesaia Berlin abging“
Brann, „Landrabbinat“, S. 262-265
JE II 79f: „The most eminent critic among the German Talmudists of the eighteenth century“
Freudenthal, „Breslau“, S. 469
JL I 896
EJ dt. IV 260-265
Wininger I 331f
Heppner, Breslau, S. 4
Maimon, Œare ha-me’ah, Bd. I, S. 42, unterlag gegen Hirschel Lewin bei der Wahl zum Berliner Oberlandesrt
Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 180
Schwab, Chachme Aschkenaz, Nr. 13
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. IX (1982), S. 116, Nr. 1157
Maier, Jüdische Religion, S. 474
Hildesheimer, Halberstadt, S. 11f
Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 219f, mit hebr. Schriftprobe
DBE I 458
Ziątkowski, Breslau, S. 44
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 128, 200, 208, 212, 227.