Sohn des Michael N. und der Carolina, als Kind vom Vater verwaist. Mit 11 J. zur Jeschiwa von Ortsrb. Isr. Goldschmidt, betreibt zugleich private weltliche Studien. Er soll das Buchbindergewerbe erlernen, reißt aber aus und tritt in die Jeschiwa von E. Guttmacher in Pleszew (Pleschen) ein, sodann ins Lehrerseminar in Posen, wo er ca. 1840 das Examen ablegt. Tätigkeit als Lehrer, Schächter und Prediger in Borek und im benachbarten Pogorzela, 1841 an versch. mecklenb. Orten, wo er sich mit Hilfe christl. Pfarrer auf das mecklenb. Predigerexamen vorbereitet und dieses 1844 unter Landesrb. Holdheim ablegt. 1845 Prediger in Stavenhagen, Mecklenburg, treibt dort humanistische Studien bei dem Chemiker Grischok. Macht die Rabbinatsprüfung bei Isr. Goldschmidt in Krotoszyn (Krotoschin)
Verweser des mecklenb. Landesrts. in Schwerin nach dem Weggang von D. Einhorn. Heiratet in Pommern Johanna Sulzbacher (st. 1877)
mit einer Empfehlung von Ludwig Philippson wird er 1854 Rb. und Prediger in Choszczno (Arnswalde), Ostbrandenburg, 1858 Rb. in Kołobrzeg (Kolberg), Pommern. 1860 Stiftsrb. in Breslau
zugleich jüdisch-wissenschaftliche Vortragstätigkeit am Fränkelschen Lehrhaus und am 23. Nov. 1860 imm. Breslau als Hörer ohne Reifezeugnis. 1864 prom. Jena. Leiter einer jüd.-orthod. Privatschule, seit 1867 öffentlich anerkannt unter dem Namen „Hebräischen Unterrichtsanstalt“. 1889 Gründer und Rb. der Breslauer „Synagoge für Jugend-Gottesdienst“ oder „Pinchas-Synagoge“, die mit Unterstützung der beiden Gemeinderb. Joël und Rosenthal in der ul. Pawłowa (Sonnenstr. 25) gegründet wurde. 1901 ausgezeichnet mit dem Orden der Kgl. Krone. Vater des Schriftstellers und Redakteurs Louis Neustadt (1857-1918).
Dissertation
Die talmudische Gottes- und Unsterblichkeitslehre. Erster Theil: Ueberblick über die Gottes- und Unsterblichkeitsbegriffe der vorzüglichsten orientalischen Völker, mit einem Hinblick auf diese Lehren des Judenthums, Diss. Jena 1864 (gedruckt Leipzig 1872, 47 S.).
Dokumente
AU Wrocław, F 437, S. 32
CJA Berlin, 1, 75 A Sta 2 Nr. 56, vom 28. Okt. 1857 Bewerbung in Stargard Szecziñski (Stargard in Pommern)
Ebd., 75 A A1 Nr. 49, enthält seine Berichte über die Religionsschule in Choszczno, 1856/57
Ebd., Nr. 54, Wahl durch den Vorstand am 28. Okt. 1855; Zeugnis von L. Philippson (1852).
Publikationen
Jahresbericht der hebr. Unterrichtsanstalt ‘Es. H. ayyim, Breslau 1869ff
Des Israeliten vorzüglichste Pflicht zur Zeit der Gefahr des Vaterlandes, Breslau, 1870
Wie erziehen wir unsere Kinder? Eine pädagogisch-exegetische Studie, Fft./M. 1872
Abschiedspredigt, gehalten in der Lissaer-Synagoge zu Breslau, 1874
Die zwei ersten Pessach-Predigten in der Synagoge „Zum Tempel“, Breslau 1874
Gedächtnissrede für den Vorsitzenden des Vorstandes der Synagoge „Zum Tempel“, Dr. med. Julius Lobethal, 1874
Worte der Trauer an der Bahre seiner Gattin Johanna Neustadt, geb. Sulzbacher, Breslau 1877
Der Patriotismus des Judenthums. Eine Ansprache nebst Gebet bei dem Dank- und Bittgottesdienste anläßlich des zweiten Attentats auf Se. Majestät den Kaiser, Breslau 1878
„Zur jüdischen Feindesliebe“, Jahresbericht ... 1879, S. 1- 16
Ein Vortrag über die hebräische Unterrichts-Anstalt, [1881?]
„Mein Lebenslauf“, Lehrerheim, Breslau 1902.
Epigraphik
Grabstätte Vb 66 auf dem Friedhof ul. Œlê¿na (Lohestr.) in Breslau; £agiewski, Wrocław, S. 28; Pantheon, S. 130.
Bildmaterialien
Photographie; JNUL Jerusalem, Schwadron Collection, reprod. in Ziątkowski, Breslau, S. 83.
Literatur
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 19, nennt ihn als „Prediger, Cantor und Lehrer“ in Choszczno, für 210 Juden
AZJ 1862, S. 272, über seine Vorträge in Breslau
Lippe 1879/81, S. 351f, über seine Schule: „Diese Anstalt ist im wahren Sinne des Wortes eine Musterschule zur Heranbildung glaubenstreuer Israeliten und werden daselbst vorwiegend H. umaš, RaŠY, uMišnayoth uGemara’ cultivirt und gepflegt“
Zur Erinnerung an die 40jährige Lehrthätigkeit des Dirigenten der hebr. Unterrichts-Anstalt zu Breslau, Bromberg 1882
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 844
Louis Neustadt, Qena’utheh dePinh. as. Rabbiner Dr. Pinkus Neustadt: Erinnerungsblätter seinem Andenken gewidmet, Breslau 1902
JE IX 239, Geburtstag danach 23. Sept. 1823
Kisch, Alexander Kisch, S. 28
Bibliographie/Schlesien, Nr. 1111-1112, 1158, 1406-1407, 2546-2551