BHR Biographisches Portal der Rabbiner

OBERDORFER, Jakob

  • Geb. 14. Sept. 1807 in Wallerstein, Bayer. Schwaben,
  • Gest. 19. Aug. 1884 in Oberdorf, Württ
  • Sohn des Kaufmanns Joseph O. und der Hendel Koch, studiert drei Jahre lang am Lehrhaus in Hechingen, Hohenzollern, sodann vom 1. Mai 1826 bis 1. März 1827 bei Wolf Hamburger an der Fürther Jeschiwa, mit Privatunterricht in den allgemeinen Wissenschaften. WS 1827/28 imm. München, zwei Jahre Studium, 1.-7. März 1830 Staatsprüfung in Augsburg mit Note „gut“ (als Primus von fünf Kandidaten und einziger mit altsprachl. Bildung), 1834 Verweser des Distriktsrts. Ansbach, ordiniert von Gabriel Adler in Oberdorf. Er hat 514 Familien in 22 Gemeinden zu betreuen, manche zehn Wegstunden entfernt, so daß er 3-4 Monate des Jahres auf Reisen ist. Verliert bei der der definitiven Besetzung seines Rts. die Wahl gegen den fortschrittlicheren A. B. Grünbaum, am 28. Jan. 1840 verliert er auch in Welbhausen gegen David Einhorn, nach dessen Rücktritt wird die Wahl wegen Bestechungsverdachts annulliert. 1842 Prediger in Wandsbek bei Hamburg, Holstein, 15. Juni 1847 Verheiratung mit Jette Sallomon (geb. 1820) aus Wandsbek. 1857 Rb. in Pniewy (Pinne), Prov. Posen. 1861 Bezirksrb. in Oberdorf, Württ.

Dokumente

  • StA Augsburg, Regierung 11828 enthält Prüfungsgesuch vom 25. Feb. 1830, Prüfungsprotokoll und Bescheinigung über seine Bewerbung in Bremervörde, Kgr. Hannover, im Mai 1845
  • StA Nürnberg, RA 1932 Judensachen 164 über die Bestechungssache in Welbhausen
  • CJA Berlin, 1, 75 A Sta 2 Nr. 56, mit Bewerbung in Stargard Szecziñski (Stargard in Pommern) vom 26. Okt. 1857. Er wolle Pniewy verlassen, verabscheue den „altpolnischen Geist der Gemeinde, ein Geist, mit dem sich überhaupt kein deutscher, wissenschaftlich gebildeter Mann befreunden könnte“
  • StA Ludwigsburg, E 212/129, Bewerbung vom 27. Dez. 1860 mit Zeugnissen und Rabbinatsdiplom
  • HStA Stuttgart, E 201c, Büschel 41, Oberdorf, Bericht der württ. Oberkirchenbehörde vom 21. März 1861 über Berufungsverfahren. O., den eigener Aussage zufolge „die geordneten Einrichtungen in Württemberg (wo er übrigens nahe Verwandte hat) anziehen“, sei ein „recht ansprechender“ Vortrag gelungen, auch sein „sehr anständiges Aeußeres“ wird erwähnt, ferner sei zu bedenken, daß er, ein schon älterer Mann, „vermöge seines gründlichen und reicheren rabbinischen Wissens, als Nachfolger des alterfahrenen Rabbinen Adler, für die Gemeinde Oberdorf offenbar besser paßt“.

Literatur

  • WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
  • Gemeindestatistik Mittelfranken in IA 1840, S. 103
  • AZJ, 1842, S. 220f
  • Lippe 1879/81, S. 353, „Oberdörfer, Oberdorf im Ries“
  • Heppner und Herzberg, S. 656, 686
  • Tänzer, Württemberg, S. 74
  • Biernoth, Ansbach, S. 46f
  • Louven, Wandsbek, S. 80
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 102
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 182.