Sohn des Rb. Baruch Ascher P. und der Ethelka Fischer
besucht am Heimatort die Volksschule und das Gymnasium, dort 1855 Abitur
1855-1862 am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau als enger Studienfreund von Benjamin Szold, mit dem er sich am 31 Okt. 1855 an der Universität einschreibt. Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1859, S. 548, Nr. 540). 30. März 1859 prom. Breslau, 3. April 1862 Rabbinerdiplom als einer der drei ersten Absolventen des Seminars. 1862 Rb. der Brüdergemeinde Posen, 2. Juni 1862 Heirat mit Rosalie Scheftel (1839-1932), der Tochter des Posener Privatgelehrten Simon Baruch Sch.
26. Mai 1871 Rb. in München, 16. Sept. 1887 Einweihung der Hauptsynagoge. Lehnte Berufungen auf das Berliner Rt. und an die Landesrabbinerschule in Budapest ab. Die Gemeinde gründet zu seinem Andenken eine Stiftung (1898). Vater des Königsberger Rb. Prof. Dr. Felix P. (1874- 1933) und des Augenarztes Dr. Max P. (st. 1894).
Dissertation
Meletemata Peschittoniana, Breslau 1859; dt. Fassung „Die Peschittho des alten Testamentes“, BCh II, S. 371-378.
Dokumente
ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 31. Aug. 1854 Erlaubnis zum Besuch des Jüdisch-theologischen Seminars, obwohl erst Schüler der 7. Klasse
AU Wrocław, F 434, S. 107, Matrikeleintrag: „Josephus Perlesz, Austriacus, 31 Okt.; Benjamin Szold, Hungaricus eodem“. Ebd., F 127, Bl. 63-70, Promotionsakten. Prof. Bernstein erteilt ihm am 8. und 18. Feb. 1859 ein summa cum laude im Arabischen und magna cum laude im Syrischen sowie für die Diss.
Manuskripte
Nachlaß teils im LBI New York, AR-B 414/4884 (enthält empfangene Korrespondenz), teils in privater Aufbewahrung, lt. Mitteilung von Christian Wiese, Erfurt.
Publikationen
„Über den Geist des Kommentars des R. Moses ben Nachman zum Pentateuch“, gekrönte Preisschrift, MGWJ 7 (1858), S. 81-97, 113-136, 145-159; 9 (1860), S. 175-195
„H. NSNS“, MGWJ 8 (1859), S. 319f
Zwei gottesdienstliche Vorträge, gehalten im israel. Cultustempel zu Baja, 1859, 27 S
„Beiträge zur talmudischen Sprachforschung und Alterthumskunde“, BCh II, S. 467f, III, S. 81
„Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit“, MGWJ 9 (1860), S. 339-360
„Chrysostomus über die Juden“, BCh 1860, S. 569ff
„Die Leichenfeierlichkeiten im nachbiblischen Judenthume. Eine archäologische Studie“, MGWJ 10 (1861), S. 345-355, 376-394
R. Salomo ben Abraham ben Adereth. Sein Leben und seine Schriften, Breslau 1862
Gottesdienstliche Vorträge, gehalten im Tempel der israel. Gemeinde zu Posen, Posen 1864, 23 S
„Geschichte der Juden in Posen“ [bis Ende 18. Jh.], MGWJ 13 (1864), S. 281-295, 321-334, 361-373, 409-420, 449-461; 14 (1865), S. 81-93, 121-136, 165-178, 205-216, 256-263 (auch Separatdruck)
„Die Judenverjagung aus Prag“, MGWJ 15 (1866), S. 231f
„Urkunden zur Geschichte der jüdischen Provinzial-Synoden in Polen“, MGWJ 16 (1867), S. 108-111, 152-154, 189-191, 222-226, 304- 308, 343-348
„Bemerkungen zu J. Levys chaldäischen Wörterbuche über die Targumim“, MGWJ 15 (1866), 148-153; 16 (1867), S. 297-303
„David Cohen de Lara’s rabbin. Lexikon Kheter-Khehunnah. Ein Beitrag zur Geschichte der rabbin. Lexikographie“, MGWJ 17 (1868), S. 224-232, 255-264 (auch Separatabdruck)
„Die Leichenverbrennung in den alten Bibelversionen. Exegetische Notiz“, MGWJ 18 (1869), S. 76-81
„Etymologische Studien zur Kunde der rabbinischen Sprache und Altertümer“, MGWJ 19 (1870), S. 210-227, 253-267, 310-326, 375-384, 415- 431, 457-478, 493-524, 558-567 (Separatausg. Breslau 1871)
Antrittspredigt, gehalten bei der Uebernahme seines Amtes als Rabbiner der isr. Cultusgemeinde München, München 1871
(anonym) „Der jerusalemische Talmud im Lichte Geiger’scher Hypothesen“, MGWJ 20 (1871), S. 120-137
„Thron und Circus des Königs Salomo. Aus einer Hs. der K. Hof- und Staatsbibliothek zu München mitgetheilt“, MGWJ 21 (1872), S. 122-139 (auch Separatabdruck)
„Miszellen zur rabbinischen Sprach- und Altertumskunde“, MGWJ 21 (1872), S. 251-273, 358-375
„Rabbinische Aggadas in 1001 Nacht, ein Beitrag zur Geschichte der Wanderung orientalischer Märchen“, MGWJ 22 (1873), S. 14-34, 61-85, 116-125
Zur rabbinischen Spruch- und Sagenkunde, Sammlung der gen. MGWJ-Artikel, Breslau 1873
„Das Memorbuch der Gemeinde Pfersee“, MGWJ 22 (1873), S. 508-515, 572
Worte der Erinnerung an den verewigten Ober-Rabbiner und Seminar- Direktor Dr. Z. Frankel, München 1875
„Die in einer Münchener Handschrift aufgefundene erste lateinische Übersetzung des Maimonidischen ’Führers’„, MGWJ 24 (1875), S. 9-24, 67-86, 99-110, 149-159, 209-218, 261-268 (auch Separatabdruck)
Predigt zur 500jährigen Jubelfeier der Synagoge zu München, 1876
„Ein Brief von Zacutus Lusitanus an Caspar Barlaeus“, MGWJ 25 (1876), S. 43f
„Bibliographische Mitteilungen aus München“, MGWJ 25 (1876), S. 350- 376
„Eine neuerschlossene Quelle über Uriel Acosta“, MGWJ 26 (1877), S. 193-213 (auch Separatabdruck)
„Das Buch Arûgath Habbosem des Abraham b. Asriel“, MGWJ 26 (1877), S. 360-377
„Eine hebräische Handschrift der Fürstlich Oettingen-Wallersteinschen Bibliothek“, MGWJ 27 (1878), S. 317-324
„Kalonymos ben Kalonymos’ Sendschreiben an Joseph Kaspi. Aus der Münchener Hs. zum ersten Male hrsg.“, Festschrift zur Feier des 25jährigen Jubiläums des Jüd.-theol. Seminars zu Breslau, 1879; hebr. Tešuvah šä-hešiv hä-H. [acham] Ma’eœ[tre] Qal [onimos] ’äl ’Abu Foš ’ibn Kaspi, München 1879, 28 + 16 S
„Zur Geschichte der Juden in Frankfurt a. M.“. MGWJ 28 (1879), S. 286-288
„Über Herders Verhältniß zum Judenthum“, Lbl IX, S. 55ff
„Études talmudiques“, REJ III, S. 109ff
Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien, München 1884
Rede, gehalten bei der Trauerfeier für weiland Seine Majestät König Ludwig II. am 22. Juni 1886 in der Synagoge zu München, 1886
„Les savants juifs à Florence à l’époque de Laurent de Médicis“, REJ XII, S. 244-257
„Die Berner Hs. des kleinen Aruch“, Jubelschrift zum siebzigsten Geburtstage des Prof. Dr. H. Graetz, 1887, Bd. I, S. 1-38
Reden zum Abschiede von der alten und zur Einweihung der neuen Synagoge in München, 1887
„Ahron ben Gerson Aboulrabi“, REJ XII, S. 246-269
„La légende d’Asnath“, REJ XXII, S. 87-92
„Észrevételek a maszhórához“, MZS VIII, S. 358f
„Asnáth Dina leányának és Joszef feleségének mondája“, MZS VIII, S. 249-253
„Beiträge zur rabbinischen Sprach- und Altertumskunde“ MGWJ 37 (1893), S. 6-14, 64-68, 111-116, 174-179, 356-378 (auch Separatabdruck)
„Jüdisch-byzantinische Beziehungen“, Byzantinische Zeitschrift II, S. 569-584
Von seiner Frau siehe die Vorträge Ein moderner Erlöser des Judentums, Königsberg 1905; Zwischen Ost und West, Königsberg 1905; „Unsere Großmütter“, JJGL 8 (1905), S. 159-175; und „Unsere Großväter“, JJGL 22 (1919), S. 111-131, sowie Übersetzungen aus dem Englischen. Werkausgabe. Predigten. Aus dem Nachlaß, hrsg. Felix Perles, 1896.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnisse von Joseph und Rosalie P.).
Literatur
AZJ 1858, S. 80, Unterstützung durch die Gemeinde nach Tod des Vaters
Ben-Chananja 1859, S. 290f, Promotion
AZJ 1862, S. 228, Ordination am Seminar
AZJ 1863, S. 664; 1865, S. 55, erfolgreiche Reorganisation der Religionsschule
Abendland 1865, S. 198, Bewerber um die Nachfolge des Predigers Mannheimer in Wien
Lippe 1879/81, S. 360f
W. Bacher, „Jos. Perles“, JQR 7 (1894/95), S. 1-23, mit Bibliographie
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 753, 765, 822, 850, 860: „Mit einer seltenen Vergleichungsgabe und einem in sicherer Sprachkunde geübten Sinne hat er [...] eine grosse Anzahl von Wörtern des Talmuds und Targums lichtvoll verglichen und so die wissenschaftliche Ergründung des noch vielfach wirren rabbinischen Sprachmaterial wesentlich gefördert‘„ (S. 765)
Israelit vom 8. Mai 1893, S. 705
Israelit vom 25. Juli 1898, S. 1065f
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 185
JE IX 642f
Rosalie Perles, „Briefe aus dem Breslauer Seminar von 1856 bis 1861 von Joseph Perles“, Ost und West 1904, Sp. 763- 775 (mit Bildnis)
Heppner und Herzberg, S. 860
AZJ 1919, S. 90-92 (mit Abb.), 105-107, mit Urteil seines Sohnes Felix über ihn: „Sein Judentum war reicher, tiefer und vielseitiger als das Programm irgendeiner Partei. Er lavierte aber auch nicht etwa zwischen den verschiedenen Richtungen, sondern stand hoch über der Zinne der Parteien“
JL IV1 858f
Kastan, „Breslauer Erinnerungen“, S. 66
Ujvári, Magyar zsidó lexikon, S. 695f
Wininger V 7f
EJ eng. XIII 293f, mit Bildnis
PK Bavaria, S. 109f
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 141, Nr. 2379
Wolfram Selig, Hrsg., Synagogen und jüdische Friedhöfe in München, München 1988, S. 74-80, über die Einweihung der Hauptsyn