Sohn des Rb. Jakob Bär und der Gidel Mink, bis zum zwanzigsten Lebensjahr zu Hause erzogen, dann vier Jahre lang Schüler Wolf Hamburgers in Fürth, muß wegen Krankheit des Vaters zurückkehren, wird Schüler des Rb. Moses Lazarus im benachbarten Bad Mergentheim. 28. Juli 1823 von diesem ordiniert, 7. Okt. 1823 Heirat mit dessen Tochter Kölche Lazarus (1801-1879), die bis 1848 siebzehn Kinder gebar. Erhält weitere Diplome von Hirsch Kunreuther in Gelnhausen (12. Juli 1824) und von Gedalia Metz in Bödigheim (9. Juli 1827). Als Nachfolger seines Vaters 1824 Rb. in Berlichingen. Nach dem württ. Gesetz von 1828 hatte er innerhalb von fünf Jahren eine Prüfung zu bestehen. Seine Gemeinde petitioniert 1833 für seine Beibehaltung, er nimmt an der Prüfung im Frühjahr 1834 angeblich aus Gesundheitsgründen nicht teil und wird von der Oberkirchenbehörde zur Jahreswende 1835 abgesetzt. Er scheint noch inoffiziell gewirkt zu haben. Im Kompert-Prozeß 1864 unterzeichnet er auf Seiten der ungar. Trennungsorthodoxie.
Dokumente
HStA Stuttgart Best. E 201c Büschel 47 Stück 15, Bericht der Württ. Oberkirchenbehörde über seine Person, 7. Apr. 1834. Er sei jung genug gewesen, um sich rechtzeitig wissenschaftlich auszubilden
Ebd., Büschel 56 vom 27. Dez. 1838, 10. Mz 1840, 11. Nov. 1841, 20. Jan. 1842, 30. Sept. 1844, Auseinandersetzungen mit dem neuen Rb. Wälder über seine Pension. Die Oberkirchenbehörde macht geltend, „der Verdienst des Berlinger durch Gebete für Verstorbene und sogenannte Schiurim sey ganz unerheblich und nehme täglich ab“, er sei invalid und könne seine zehnköpfige Familie nicht mehr unterhalten. Er erhält nach seiner Absetzung jährlich 130 fl. Unterstützung
CAHJP Jerusalem, Laupheim D/La1/222, Entwurf Rb. Wälders für ein württ. „Rabbinat- Institut“ (1847): „Ob nicht, besonders für den thalmudischen Theil und die Poskim, der abgekommene Rabbine Hirsch Berlinger, versteht sich nach diesfalls erstandener Prüfung, zu gewinnen sein sollte, was auch in vielen andern Beziehungen sogar räthlich und zweckmäßig erscheint?“- Familienregister der Ortschaft Berlichingen, über Mitteilung des Standesamts in Schöntal/Jagst (Hohenlohekreis) vom 9. April 1998.
Publikationen
Korrespondenz mit Wolf Hamburger in dessen Ša‘ar ha-Zeqenim, Bd. II, Bl. 152r.
Literatur
Lippe 1879/81, S. 37
Löwenstein, „Mergentheim“ in BJGL 3 (1902), S. 98: „dessen frommes und segensreiches Wirken im Gedächtnis der Mit- und Nachwelt fortlebt“
Berlinger, Berlichingen, S. 89-91: „Ein Opfer der Reformen: H. B.“- Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 116, 486, 649.