Jeschiwastudium an der Fürther Jeschiwa des Wolf Hamburger, 27. Okt. 1826 imm. Würzburg, dort zwei Jahre Studium und zugleich Schüler von Oberrb. Bing
sodann Leiter des Bet-Midrasch in Zell bei Würzburg. Auswanderung nach Amerika
25. Juli 1840 Ankunft in New York als erster ordinierter Rabbiner der USA. Sucht zuerst in Newport, Rh. I., nach einer Anstellung und wird zu Neujahr 1840 Rb. der Gem. „Nidche Israel“ in Baltimore. Hält seit 1847 monatlich eine Predigt in englischer Sprache und versucht moderate Reformen wie Streichung von Piyutim. Seine dennoch strenge orthodoxe Haltung und insbes. seine Weigerung, Sabbatübertreter zur Tora zu rufen, führt zu Streit mit der Gemeinde und 1849 zu seiner Amtsniederlegung. Fortan führt R. einen Kaufladen
1851 gründet er eine private Synagoge, an der er auch Predigten hält. Erst in den letzten sechs Monaten seines Lebens nimmt er wieder ein Rabbineramt an.
Dokumente
CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 34: Reis ist der Primus unter zwölf jüdischen Theologiestudenten, die Abraham Bing am 24. Aug. 1827 für das Stipendium des Salomon Hirsch nominiert
Ebd., Bd. II, S. 78, Attestat seines Lehrers Abr. Bing aus Würzburg: „Daß sichtbare körperliche Gebrechen von der Bestellung zum Rabbiner vermöge des jüdischen Cultus nicht ausschließen, jedoch der Schuhausziehungsakt, der selten vorkommt und nebst dem Rabbiner noch vier Assistenten erfordert, eine Ausnahme hiervon macht; solches attestirt auf Verlangen des Theologie-Candidaten A. Reis aus Gochsheim - Würzb. d. 30ten April 1829.“- StA Würzburg, RA 7145, vom 8. Sept. 1832, abgewiesenes Gesuch um Dispens vom Gymnasialbesuch.
Bildmaterialien
Bildnis in JE X 405; EJ eng. XIV 156.
Literatur
Occident 5 (1847), S. 258
AZJ 1863, S. 124, aus der Erklärung der Gemeinde in Baltimore, „sogar diejenigen, deren Glaubensansichten weit mit den seinigen differirten, konnten ihm die Achtung und Verwunderung [!] nicht versagen, die sein festes, im Vertrauen sowie im Glauben, unerschütterliches Leben in so reichlichem Maße verdiente“
JE X 405, hier Geburtsjahr 1800, von Wininger und EJ dt. übernommen
JL IV1 1448
Wininger V 192
Israel Tabak, „Rabbi Abraham Rice of Baltimore“, Tradition 7 (Sommer 1965), S. 101
EJ eng. XIV 156
Fein, Baltimore, 1971, S. 54-61; dort S. 56 Brief an seinen Lehrer Wolf Hamburger bei seiner Amtsniederlegung