BHR Biographisches Portal der Rabbiner

REIS, Abraham, englisch A. RICE

  • Geb. 1802 in Gochsheim b. Schweinfurt,
  • Gest. 29. Okt. 1862 in Baltimore, USA
  • Jeschiwastudium an der Fürther Jeschiwa des Wolf Hamburger, 27. Okt. 1826 imm. Würzburg, dort zwei Jahre Studium und zugleich Schüler von Oberrb. Bing
  • sodann Leiter des Bet-Midrasch in Zell bei Würzburg. Auswanderung nach Amerika
  • 25. Juli 1840 Ankunft in New York als erster ordinierter Rabbiner der USA. Sucht zuerst in Newport, Rh. I., nach einer Anstellung und wird zu Neujahr 1840 Rb. der Gem. „Nidche Israel“ in Baltimore. Hält seit 1847 monatlich eine Predigt in englischer Sprache und versucht moderate Reformen wie Streichung von Piyutim. Seine dennoch strenge orthodoxe Haltung und insbes. seine Weigerung, Sabbatübertreter zur Tora zu rufen, führt zu Streit mit der Gemeinde und 1849 zu seiner Amtsniederlegung. Fortan führt R. einen Kaufladen
  • 1851 gründet er eine private Synagoge, an der er auch Predigten hält. Erst in den letzten sechs Monaten seines Lebens nimmt er wieder ein Rabbineramt an.

Dokumente

  • CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 34: Reis ist der Primus unter zwölf jüdischen Theologiestudenten, die Abraham Bing am 24. Aug. 1827 für das Stipendium des Salomon Hirsch nominiert
  • Ebd., Bd. II, S. 78, Attestat seines Lehrers Abr. Bing aus Würzburg: „Daß sichtbare körperliche Gebrechen von der Bestellung zum Rabbiner vermöge des jüdischen Cultus nicht ausschließen, jedoch der Schuhausziehungsakt, der selten vorkommt und nebst dem Rabbiner noch vier Assistenten erfordert, eine Ausnahme hiervon macht; solches attestirt auf Verlangen des Theologie-Candidaten A. Reis aus Gochsheim - Würzb. d. 30ten April 1829.“- StA Würzburg, RA 7145, vom 8. Sept. 1832, abgewiesenes Gesuch um Dispens vom Gymnasialbesuch.

Bildmaterialien

  • Bildnis in JE X 405; EJ eng. XIV 156.

Literatur

  • Occident 5 (1847), S. 258
  • AZJ 1863, S. 124, aus der Erklärung der Gemeinde in Baltimore, „sogar diejenigen, deren Glaubensansichten weit mit den seinigen differirten, konnten ihm die Achtung und Verwunderung [!] nicht versagen, die sein festes, im Vertrauen sowie im Glauben, unerschütterliches Leben in so reichlichem Maße verdiente“
  • JE X 405, hier Geburtsjahr 1800, von Wininger und EJ dt. übernommen
  • JL IV1 1448
  • Wininger V 192
  • Israel Tabak, „Rabbi Abraham Rice of Baltimore“, Tradition 7 (Sommer 1965), S. 101
  • EJ eng. XIV 156
  • Fein, Baltimore, 1971, S. 54-61; dort S. 56 Brief an seinen Lehrer Wolf Hamburger bei seiner Amtsniederlegung
  • Stern, „Rabbi in the South“, S. 22
  • Bleich, Ettlinger, S. 14
  • Hertzberg, America, S. 70f
  • Meyer, Response to Modernity, S. 236
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 322.