Mit 13 J. zur Jeschiwa in Fürth, die er 2 1/2 Jahre lang besucht, liest privat Maimonides, Albo, Christian Wolf, Mendelssohn, Gellert. Mit 20 J. in Fürth (zum Chawer?) ordiniert, Hauslehrer. Am 6. Juni 1808 Morenu aus Baiersdorf, 1808 „Vertreter“ in Ühlfeld ohne festes Gehalt, predigt als erster Rabbiner Bayerns regelmäßig auf deutsch, 1815 als Rb. anerkannt, erhält 15. Dez. 1815 zusätzl. Morenu von Hillel Sontheimer (Rb. in Aschaffenburg). Liturg. Reformen. 1819 wegen Bekenntnis zum relig. Pluralismus durch den Fürther Oberrb. M. S. Kohn mit dem Bann belegt. Seit 1821 auch Distriktsrb. für den Kreis Neustadt a. d. Aisch. Feb. 1825 gewählt zum Distriktsrb. in Bamberg mit 600 fl. Gehalt, Okt. 1825 Staatsprüfung in Bayreuth
27. Okt. 1825 Bestät. durch die Regierung, 4. Nov. 1825 Amtsübertragung, aber erst am 5. April 1826 kann er tatsächlich in seine Funktionen treten, die er außer in Bamberg auch in den Landgemeinden Hirschaid, Buttenheim, Gunzendorf, Demmelsdorf und Altenstein ausübt. Gründet „Israelitischen Leseverein“, 1828 „Feiertagsschule“, führt Konfirmation ein, predigt regelmäßig in der Synagoge, verbessert die Hygiene der Tauchbäder durch Erfindung einer Regenwasserspeisung. Seit 1829 gibt er unentgeltlich Religionsunterricht am Gymnasium und an der Lehrerbildungsanstalt. 1830 orthodoxer Gegenkandidat zu dem Reformrb. Löwi bei der Wahl in Fürth, der größten bayerischen Gemeinde. „Rosenfeld galt, mit einigem reformistischen Anstrich (er konnte deutsch schreiben), im Allgemeinen für orthodox, und seine Wahl wäre sicher erfolgt“, hätte nicht M. S. Kohns Schwiegersohn Gewissensskrupel gehabt, für den Gebannten zu stimmen (Achawa 1865, S. 118 Anm.). Nach dem Tod seiner ersten Frau Sara (1839) heiratet R. 1842 Martha Fischer aus Buttenheim
die im Jahr 1848 vollzogene Scheidung wird von dem kgl. Gericht nicht genehmigt. 5. Nov. 1853 Einweihung der neuen Synagoge in der Generalsgasse. R. erblindete 1858.
Dokumente
StA Augsburg, Regierung 11860 vom 22. Okt. 1819, Bewerbung in Kriegshaber b. Augsburg
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/36, Bewerbungs- und Anstellungsprozedur in Bamberg. Im Brief vom 29. Mai 1825 klagt er über die Reg. des Obermainkreises, die nicht reagiere, obwohl sie ihn selbst einst empfohlen habe. Er sei dadurch verhindert, sich „um einige sehr bedeutende Rabbinerstellen, die mir höchstwahrscheinlich zu Theil werden dürften, anderweit zu bewerben“ (gemeint ist wohl München). Der Vorstand solle Nachdruck machen
StadtA Bamberg, Mag
Akten, Tit. XI, Fach 1306, Nr. 3, Antrittsrede in Bamberg, 1825 (nach Eckstein, „Kultusgemeinde Bamberg“, S. 60 Anm.)
Ebd., Tit. XI, Fach 1313, Nr. 1, Gemeindeverfassung Bamberg, 15. Aug. 1826 (gedr. Statuten 26. März 1837)
Ebd. Tit. XI, Fach 1305, Nr. 10 und 1306 Nr. 5, Synagogenordnung vom 14. Sept. 1827 (Eckstein, ebd., S. 74-76)
StA Bamberg, K3 C3, Nr. 36, Bl. 178v mit Bekenntnis von 1827: „Die Hauptabsicht des Rabbiners - vielleicht auch jedes anderen Geistlichen - muß dahin gehen, das Volk, nebst der Befestigung im Glauben, sittlich zu bessern [...] Das allernothwendigste Erfordernis zur Erreichung dieses Zweckes ist Seitens des Seelsorgers, daß er sich das volle Zutrauen des Volkes zu erwerben und zu erhalten verstehe [...] Die Schule, die deutsche Predigt und die Zeit müssen hiebei das Meiste thun. Der Rabbiner, der diese Regel aus den Augen verliert, und in Sachen des Kultus unvorsichtig und grell einschreitet, kann, bei dem besten aufrichtigsten Willen, nichts nützen“
Rechenschaftsbericht 30. Juni 1828, Eckstein S. 78-82.
Manuskripte
Nachlaßakte im CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/2 bis 4, enthält Bestätigung von Standesdokumenten, Trauungen, Beitragseinziehung, Berichte über Religionsschule insbes. Gutachten über das geeignete Alter für den Religionsunterricht (25. Sept. 1826), Regierungsgutachten über seine Tätigkeit (25. Feb. 1828), Korrespondenz mit dem Magistrat über Einrichtung des Ritualbades (17. März 1829), Rabbinerprüfungen, Erstellung von Listen der Militärdienstpflichtigen, Petition an den König „seine Wahl zum Rabbiner zu Fürth betr.“ (23. Jan 1831), Briefe seiner Kollegen Isaak Löwi (Fürth, 15. März 1843) und Hirsch Aub (München, 24. Feb. 1859), undatierte Notizen und Briefkonzepte, darunter eines an Heinrich Graetz mit Lob seiner Abfertigung von Abr. Geigers Schrift über die Mischna. Dabei auch der hebr. Brief eines Lehrers mit der überschwenglichen Anrede ha-Ga’on ha-gadol weha-mafursam, hä-H. acham ha-kolel ha-’amithi, Noda‘ bIhud [ah] uveYiœra’el, gadol Šemo, M[orenu] H[a-rav] weR[abbenu] R[abbi] Šimšon Wo’lf
Ebd., D/ Ba17a/5, vom 14. April 1829 mit weiteren Gutachten und Gesuch um Wohnungsrenovierung; das Gemeindehaus, „welches den Eingang zur Synagoge bildet und dem Rabbinate zur Wohnung angewiesen und bestimmt ist, zeichnet sich durch seinen ruinösen Prospekt vor allen Häusern der Straße - faßt möchte man sagen der Stadt - zu seinem Nachtheil auffallend aus“.
Publikationen
(Schriftenverzeichnis bei Eckstein, „Kultusgemeinde Bamberg“, S. 84) Die israelitische Tempelhalle, oder die neue Synagoge in Markt-Uhlefeld. Ihre Entstehung, Einrichtung und Einweihung; nebst den dabei gehaltenen Reden, Ühlfeld 1819
Denkschrift an die Hohe Stände-Versammlung des Königreichs Baiern, die Lage der Israeliten und ihre bürgerliche Verbesserung betreffend, München (15. April) 1819, 24 S., mit dem inkriminierten Bekenntnis auf S. 4, „daß, wie überall in dem großen Plane der Schöpfung, auch in Absicht auf Religiösität Manchfaltigkeit Zweck der Allmacht sey“. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für die Juden könne „mit Recht als der Anfang einer der wichtigsten Epochen in der Geschichte dieses Volkes betrachtet werden“ (S. 12). Nunmehr „wiedme man seiner Religion mehr Achtung und Aufmerksamkeit; denn immer bleibt diese, ächt gelehrt, die mächtigste Stütze selbst der geselligen und bürgerlichen Tugenden“ (S. 18)
Mémoire an die hohe Stände-Versammlung des Königreichs Baiern über verschied’ne gegen die Juden gemachte Anträge. Nebst einigen Wünschen und Bitten, München 1822, 43 S
Stunden der Andacht für Israëliten beiderlei Geschlechts, 3 Bde. Dinkelsbühl 1833- 34 („nach dem Muster der Zschokke’schen“, Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 415; „Verpflanzung der ’Stunden der Andacht’ auf jüdischen Boden“, WZJT 1, 1835, 447); 2. verbesserte Ausg. des 1. Bds. 1858, des 2.-3. Bds. 1861ff; 3. Ausg. 1867 (Bd. 1, mit Biogr. des Verfassers); hebr. Adaption von Menachem-Mannes Benditson u. d. T. Hägyon la-‘Ittim, Wilna 1858, 90 + 80 S.; neue dt. Ausg. bei Alej Schalechet-Kölner Blätter, 1993
1835-36 zwei Jahrgänge einer lit. Wochenschr. Das Füllhorn. Ein Zeitblatt zunächst von und über Israeliten (darüber WZJT 1, 1835, S. 251: „Es hat ungefähr dieselbe Tendenz, wie die Sulamith, nur mit stärkerem Ringen nach Popularität. Das Beste darin sind einige Aufsätze über das jüdische Kirchen- und Schulwesen im bairischen Rheinkreise, welche scharfe Rügen und gute praktische Rathschläge enthalten“); darin z. B. „Ist für die Israeliten in Bayern eine oberste Kichenbehörde nothwendig, und welche Form wäre für sie die beste?“, Füllhorn 1836, Sp. 65-70, 74-79
Gegen die Ritualmordlegende, IA 1840, S. 207-209
An die hohe Stände-Versammlung des Königreichs Bayern. Gehorsamste Beschwerde des Distrikts-Rabbiners Rosenfeld zu Bamberg. Ueber Verletzung eines verfassungsmäßigen Rechtes, Bamberg 1846, 16 S
Eine Approbation, datiert Bamberg 1833; Löwenstein, Index, S. 169.
Literatur
Subskribent der Fürther Talmudausgabe 1832; der Titel ha-rav hä-h. acham MHW. spielt auf seine rabbinische und weltliche Bildung an
WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
AZJ 1837, S. 224, rühmliche Notiz
IA 1839, S. 157, predigt im Sommerhalbjahr alle 14 Tage
AZJ 1851, S. 544, das Bamberger Lehrerseminar hat seine Schüler an das Würzburger verloren
AZJ 1853, S. 255f, Kritik aus der Gemeinde, weil er die Arbeit an der Synagoge am Sabbat erlaubt
AZJ 1854, S. 310
AZJ 1858, S. 674, sein Anfragebericht an die Regierung „das Verhalten der israelitischen Schuljugend in Beziehung auf den Gottesdienst betreffend“
Fürst, Bibliotheca III 169
Nachrufe von Josef Klein in MGWJ 12, S. 201-214; und von Krämer in AZJ 1862, S. 316, mit der Bemerkung, „daß er, der Autodidakt, selbst hochstudirte Männer durch die Schärfe seines Verstandes und durch sein ausgebreitetes Wissen in Erstaunen setzte“
UI 17 (1861/62), S. 526. „Théologien distingué, il était un des premiers rabbins d’Allemagne qui aient publié des journaux et des livres religieux de piété et de recueillement en langue vulgaire“
Leopold Stein in Achawa 1865, S. 117f, über die Bannaffäre und S. 128 über die Kreissynode von 1836; „er stimmte orthodox, doch bei der Cultusreform im liberalsten Sinne“
Simon Krämer, „R. S. W. R., weiland Rabbiner zu Bamberg“, Achawa 1866, S. 15-33
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 414-418
Neh. Brüll in ADB XXIX 207
Kayserling, Gedenkblätter, S. 69, mit Geburtsdatum 4. Jan. 1780 (ebenso die JE; die ADB und Wininger geben Januar 1782, die DBE den 4. Jan. 1782)
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805, 827, 863
JE X 476
Eckstein, „Kultusgemeinde Bamberg“, S. 57-59, 81f, mit Bewerbungsschreiben Rosenfelds vom 3. Jan. 1825
EJ dt. III 1012
Wininger V 242
Hilmar Bruce Ehrmann, The Struggle for Civil and Religious Emancipation in Bavaria in the first Half of the 19th Century as Reflected in the Writings of Rabbi Samson Wolf Rosenfeld, Cincinnati 1948
PK Bavaria, S. 210, 264
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 50, Nr. 1123
Meyer, Response to Modernity, S. 102: „He was fully committed to Jewish law but also to modernizing reforms which would not violate it ... While in the twenties he was regarded as an innovator, in the more radical forties he was deemed conservative“
Falk Wiesemann, „S. W. R. (1780-1862), Rabbiner in der Emanzipationszeit“, in: Manfred Treml und Wolf Weigand (Hrsg.), Geschichte und Kultur der Juden in Bayern: Lebensläufe, München 1988, S. 77-83, mit Geburtsdatum 1783
Wiesemann, „Rabbiner“, S. 280f
Prestel, Bayern, S. 32, 51, 100, 197, 279
DBE VIII 396
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 39, 178, 184
Hans K. Hirsch, „Der Rabbiner Aaron Guggenheimer“, in: Fassl (Hrsg.), Schwaben, Bd. II, S. 55f., über Bewerbung in Kriegshaber 1819
Eva Groiss-Lau, „Jüdische Öffentlichkeit auf dem Lande: zur Publikationstätigkeit fränkischer Rabbiner in der Emanzipationszeit“, Menora 12 (2001), S. 189-208
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 41, 173, 176, 183, 190, 236f, 377, 379f, 388f, 409-414, 416, 485, 515, 627.