BHR Biographisches Portal der Rabbiner

ROTHENHEIM, Wolf

  • Geb. 1801 in Wallerstein, Bayer.-Schwaben,
  • Gest. vermutlich in den USA
  • Sohn des Seligmann R., 1815 zur Fürther Jeschiwa, 12. April 1822 imm. Würzburg, um „sich auch wissenschaftlich zu bilden und den Gesetzen und Anforderungen des Staats und der Zeit Genüge zu leisten“. Hörte theologische Moral und orientalische Philologie
  • 1824 ordiniert von Pinkas Katzenellenbogen in Öttingen und Baruch Löb Steppacher in Kleinerdlingen. 20. Dez. 1827 wiederum imm. Würzburg
  • Nov. 1828 Staatsprüfung in Speyer mit der Note 3, er sei „ein denkender Kopf u. zeichnete sich besonders durch seinen natürlichen Vortrag aus“, die Subskribentenliste der Fürther Talmudausgabe nennt ihn 1832 wieder in Wallerstein, 11. Februar 1841 Rabbinatsverweser in Wallerstein mit 200 fl. Gehalt, bei der Wahl am 19. Jan. 1847 unterliegt er aber gegen den Orthodoxen David Weiskopf. Seine Anfechtung des Ergebnisses wird von der Münchner Regierung am 25. Sept. 1848 unterstützt, aber nach Majestätsrekurs der Gegenpartei 1849 abgewiesen. Auswanderung in die USA. Kam 1855 aus New York nach Cincinnati und unterrichtete dort am „Zion College“ Hebräisch und Deutsch, arbeitete an der dt.-jüd. Zeitschrift Die Deborah mit nahm und an der Reformversammlung von Cleveland teil.

Dokumente

  • ARS Würzburg Nr. 1645, über die in Würzburg belegten Kollegien
  • AHJP Jerusalem, „Wallerstein“, S 137 Nr. 23, vom 15. Sept. 1824, Anfechtung seines Morenu-Titels in seiner Heimatgemeinde
  • LA Speyer, Best. H3, Nr. 8133, Prüfungsakten
  • StA Augsburg, Reg. 11.868, Wahlstreit in Wallerstein. Die ihn stützende Partei um Samuel Wassermann in Wallerstein läuft am 29. Okt. 1847 zu seinem Gegner Weiskopf über.

Publikationen

  • Was ist der Hauptberuf und die Hauptbedingung eines isr. Priesters und Geistlichen jetziger Zeit? Antrittspredigt, Nördlingen 1841
  • „Einleitungsworte bei der Einweihung der Lodge Street Synagoge“, Deborah 1 (1855), S. 14f
  • Gebet-Buch für den öffentlichen Gottesdienst und die Privatandacht. Theil 1. Geordnet und übersetzt von der in der Cleveländer Konferenz ernannten liturgischen Kommission, den Rabbinern Kalisch, Rothenheim und Wise, hebr./dt., Cincinnati 1857, 144 S.; 2. Aufl. u. d. T. Minhag ’Ame‘riqa’. Tefilloth Bene Yešurun, hebr./dt., Cincinnati 1864 (cop. 1861)
  • Rabbi Bela. Eine legende der vorzeit, Gedicht, Cincinnati 1858, 46 S.

Literatur

  • Amtseinsetzung berichtet in IA 1841, S. 111f und AZJ 1841, S. 182: „ein Mann, der mit gründlich talmudischen Kenntnissen ächt wissenschaftliche Bildung vereint“
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 292
  • Wise, Reminiscences, S. 293, über die Versammlung von Cleveland: „Rothenheim was the poet, Lilienthal the prose writer, and Wise the general utility man“
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 496, 508.