BHR Biographisches Portal der Rabbiner

ROTHSCHILD, David, Dr.

  • Geb. 16. Nov. 1816 in Hamm, Westf.,
  • Gest. 28. Jan. 1892 in Aachen
  • Sohn des Kaufmanns Isaac R. und der Helene Kamp, 28. Nov. 1837 bis WS 1838 stud. Bonn, Prediger in Hamm, von dort Bewerbungen in Krefeld (1844), Skwierzyna (Schwerin/W., 1845), Meiningen (1846), Hoppstädten im Fsm. Birkenfeld und Krotoszyn (Krotoschin, 1847), 1. April 1850 Rb. in Aachen, kämpft seit 1854 für die Zwangsteilnahme jüd. Kinder am Religionsunterricht. 15. Juni 1857 Vermählung mit der Aachener Kaufmannstochter Rosalie Amsberg (geb. 1838)
  • seit demselben Jahr Konflikt mit der Gemeinde um Schulaufsicht
  • Bewerbungen in Göteborg (1856), Darmstadt (1858) und Stettin (1859)
  • im März 1859 Kündigung durch den Vorstand mit Jahreswirkung
  • 1861 (nach Wininger: 1862) Rb. in Alzey, Rheinhessen. Teilnehmer der liberalen Kasseler Rb.-Versammlung, Juni 1891 in den Ruhestand.

Dokumente

  • LHA Koblenz, 403/936, Bl. 125-127 Bewerbung in Krefeld vom 20. Juni 1844, 393/298 ebensolche in Birkenfeld vom 26. Apr. 1847
  • CJA Berlin, 75 A Ste 3 Nr. 66, fol. 7 mit Bewerbung in Stettin, 28. Juni 1859
  • Museum Alzey, Familienregister 19. Jhd., Bl. 1201r, lt. frdl. Mitteilung von Dr. Eva Heller-Karneth.

Publikationen

  • „Ueber den geistlichen Charakter des Rabbiner-Amtes. Eine Beleuchtung des Gumpertz’- schen Gutachtens über die gegenwärtige Stellung der Rabbinen zu den Gemeinden“, ZJD 2 (1844), S. 199-210
  • Offenes Sendschreiben an das preuss. Staatsministerium zur praktischen Beleuchtung der Idee eines christlichen Staates, Hamm 1845
  • Der Eid der Juden. Eine kritische Beleuchtung vom jüdisch-theologischen Standpunkt, Brilon 1847 (AZJ 1848, S. 46)
  • Schreibt zur Revolutionszeit auch unter dem Pseudonym „D. R. Hammerschlag“
  • „Die Synode“, AZJ 1848, S. 538-540
  • Über Konflikte Rb.-Gemeinde und Überflüssigkeit des Lehrers neben dem Rb., AZJ 1848, S. 702-706; dagegen schreibt ein westfäl. Lehrer in AZJ 1849, S. 27f.; Replik R.s ebd. S. 62, 80f, 92-96, 108-110, konstatiert antiklerikale Vorurteile und Vertrauensverlust gegenüber den Rabbinern; seit der Revolution diskutiere man über deren Entbehrlichkeit
  • Für eine jüd.-theol. Fakultät, AZJ 1849, S. 130
  • Die Psalmen in Uebersetzung, Betrachtungen und Gebeten. Ein Buch zur häuslichen Andacht für Israeliten, Bonn 1850 (Rez. AZJ 1850, S. 561)
  • Mitarbeiter am Orient (1850)
  • Sedär ‘Avodath H[a-Šem]. Gebetbuch nach dem Ritus der israel. Gemeinde zu Aachen, Aachen 1853
  • „Die Frauen Israels“, Achawa-Jahrbuch, Leipzig 1865, S. 155ff
  • „Sollen Witwen zu den Gemeindesteuern herangezogen werden?“, AZJ 1865, S. 50f
  • Der synagogale Cultus in historisch-kritischer Entwicklung populär dargestellt, Alzey 1870
  • Haus und Kloster. Ein zeitgeschichtlicher Roman, unter dem Pseud. „D. Hammerschlag“, Fft./M. 1875
  • Spinoza: Zur Rechtfertigung seiner Philosophie und Zeit, Leipzig 1877
  • Gebote und Religionsbüchlein für die erste israelitische Jugend, Breslau, 1879
  • Das Gotteshaus. Predigt gehalten bei der Feier des 25jährigen Jubiläums zum Andenken an die Erbauung der Synagoge in Alzey, Alzey 1879.

Epigraphik

  • Der Grabstein in Aachen, ein Obelisk aus schwarzem schwedischen Granit, hat die Lebensdaten 29. Nov. 1816 / 27. Jan. 1892 und zitiert Maleachi 2,6.

Literatur

  • AZJ 1846, S. 23, Niederlage bei Wahl in Skwierzyna
  • AZJ 1850, S. 223, Anstellung in Aachen
  • AZJ 1851, S. 172, 255, 486f, sein erstes Jahr und seine Reformen in Aachen
  • AZJ 1852, S. 20, Synagogenweihe in Unna
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 84, „versieht auch den Vorbeterdienst“ für 406 Seelen
  • AZJ 1858, S. 359, verfaßt mit dem Gemeindevorstand Levy einen „Bericht über das Armenwesen in der Synagogengemeinde“
  • AZJ 1858, S. 575, Eingabe an den Leiter des Haindorfschen isr. Lehrerseminars in Münster
  • AZJ 1859, S. 738f, Gottesdienstreformen
  • AZJ 1860, S. 201, wirbt für sein Knaben-Pensionat
  • AZJ 1860, S. 713, sucht einen Lehrer für seine Elementar- und Religionsschule
  • AZJ 1861, S. 163f, 710, Wechsel nach Alzey
  • AZJ 1864, S. 322, Beispiel für „Humanität und Toleranz“: Das Realschuldirektorium in Alzey läßt R. die relig. Andacht bei der Schlußfeier halten; Proteste der Ultramontanen
  • AZJ 1864, S. 434f; 1865, Nr. 7 Beil.; 725f, Mitglied, dann Vorsitzender des „Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger isr. Lehrer, Lehrerwitwen und -waisen in Deutschland“
  • AZJ 1865, S. 87, Einführung der öffentlichen Leichenfeier in dt. Sprache
  • Lippe 1879/81, S. 406f
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 768, 826, 869
  • JE X 504
  • Wininger VII 412
  • Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 40
  • Böcher, „Alzeyer Juden“, S. 201, 205
  • Lepper, Aachen, Bd. I, S. 33-36; dort auch Herausgabe Aachener Archivdokumente
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 66, 211
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 516, 612.