Sohn des Liepmann-Joachim-Salomon Halevi, vom 10. Jahr an (1794) Talmudunterricht in Sandersleben, mit 12 J. zum dortigen Ortsrabbiner Joachim Heinemann Meister, mit 16 J. Privatunterricht bei Schulleiter Kaplan Bobbe, kurz darauf Privatlehrer am Lehrhaus („jüd. Gymnasium“) in Dessau. Mit 18 J. (1802) als Lehrer der hebr. u. dt. Sprache an der Franzschule angestellt
1806 erste öffentliche Rede bei einer Schulprüfung. Bekanntschaft mit christl. Predigern und Pädagogen
studiert autodidaktisch Klassiker und pädagog. Lit. 1810 Verehelichung. Erlangt 1818 die rb. Ordination von dem reformfreundlichen Menachem- Mendel Steinhardt in Paderborn. 1818 zweiter Prediger am Hamburger Tempel neben Eduard Kley (1789-1867), einem Pädagogen ohne rb. Ordination. 1835 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“. Nach dem Ausscheiden Kleys 1840 erster Prediger
5. Sept. 1844 Einweihung des neuen Tempelgebäudes in der Poolstraße. Teilnehmer der 1.-3. Rb.-Versammlung, 1857 in den Ruhestand.
Dokumente
StA Hamburg, Jüdische Gemeinden 571b, enthält ein Album Sr. Ehrwürden Herrn Dr. G. Salomon zu seinem 25jährigen Jubiläum am 18. October 1843. Als Zeichen dankbarer Gesinnung von Henriette Schwab, Rosette Gobert, Betty Gumprecht, Johanna Goldschmidt und Bertha Hinrichsen. Siehe über dieses Album Orient 1843, S. 363. An der Huldigung beteiligen sich die Rabbiner Samuel Adler, Eliakim Carmoly, Zacharias Frankel, Naftali Frankfurter, Abraham Geiger, Salomon Herxheimer, Mendel Heß, Samuel Holdheim, Bernhard Illowy, Abraham Kohn, Joseph Maier, Ludwig Philippson, S. J. Rapoport, Michael Sachs, Leopold Stein und Bernhard Wechsler, ferner J. L. Auerbach aus Berlin, Bernhard Beer, Ad. Crémieux, Eduard Kley, A. Löwy aus London, I. N. Mannheimer, J. Salvador, Weil aus Frankfurt, Im. Wohlwill, die christlichen Professoren Paulus, Wegscheider u. a
StA Hamburg, Jüdische Gemeinde 741c enthält Nachlaß von empfangenen Schreiben, Manuskripten für Gelegenheitsreden u. a. m.
Publikationen
Aufsätze in Sulamith seit 1809
Licht und Wahrheit. Die Umbildung des isr. Kultus betr., 1814
Lebensgeschichte Moses Philippsons, 1814
Selima’s Stunden der Weihe, 1816
Der Charakter des Judenthums, 1817
Predigten gehalten beim isr. Gottesdienst in dem dazu geweihten Tempel zu Hamburg, 1818
Predigten in dem neuen isr. Tempel zu Hamburg gehalten, 3 Bde. Hamburg 1820-25
„Religiöser Vortrag vor Ne‘ilah“, Bikkure ha-‘Ittim 1823, S. 90ff
Nichts hinzu und nichts davon, oder die drei Grundlehren des Judenthums, Predigt, 1828
Festpredigten für alle Feiertage des Herrn, 1829
Israels Klage und Trost. Zwei Kanzelvorträge, 1832
Die neue Erde und der neue Himmel, oder der Achtzehnte des Octobermonats ein dreifaches heiliges Denkmal der Zeit, Predigt, 1832
Briefe an den Herrn Anton Theodor Hartmann, 1835
Was fesselt Israel an seine Religion? Predigt, 1836
Die deutsche Volks- und Schulbibel für Israeliten, 1837
Die Einsegnung der Jugend als eine gottesdienstliche Feier, Predigt, 1841
Die Erlösung Israels aus der Aegyptischen Knechtschaft, das lehrreichste Capitel in der Weltgeschichte, Predigt, 1841
Sedär ha-‘Avodah. Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten [...] nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg, 1841; zur Verteidigung edierte der Tempelverein Theologische Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempelvereins in Hamburg, 1842
Das neue Gebetbuch und seine Verketzerung. Auszug aus einem größern Manuscript, als eine Schrift für das Volk, 1841
Es ist gefährlich, einer Gesammtheit die Religiosität abzusprechen. Eine als Wort zu seiner Zeit im neuen isr. Tempel zu Hamburg am 7. Febr. 1842 gehaltene Predigt, 1842
Sendschreiben an den Herrn Dr. Z. Frankel, in Betreff seines im „Orient“ mitgetheilten Gutachtens über das neue Gebetbuch der Tempelgemeinde zu Hamburg, 1842
Gottes Stimmen aus dem Feuer. Eine nach dem verheerenden Brande am 5. bis 8. Mai 1842 am Feste der Gesetzgebung (am 1. Pfingstfeiertage) gehaltene Predigt, im neuen isr. Tempel und zum Besten der durch die Feuersbrunst verunglückten Schullehrer und Lehrerinnen, 1842
Isr. Predigten und Casualreden, mit Joseph Maier, Stuttgart 1842
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843-50)
Bruno Bauer und seine gehaltlose Kritik über die Judenfrage, 1844
Die letzte und die erste Predigt, beim Scheiden aus dem alten Tempel, und bei der Einweihung des neuerbauten Gotteshauses, mit Naphtali Frankfurter, 1844
Die Herrlichkeit des zweiten Tempels (Haggai 2, v. 9), eine bei der Einweihung des neuerbauten Isr. Gotteshauses am 5. Sept. 1844 gehaltene Predigt, 1844
Kurzgefaßte Geschichte des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg während der ersten 25 Jahre seines Bestehens, Hamburg 1844
Die Rabbiner-Versammlung und ihre Tendenz. Eine Beleuchtung für ihre Freunde und Feinde, 1845
Der Berg des Herrn. Kanzel-Vorträge über den Dekalog, 1846
Die Entweihung des göttlichen Namens in Wort und That, ein ernstes Wort zur Beherzigung für Eltern und Erzieher, Predigt, 1846
Licht auf den dunkelsten Lebenswegen, eine Predigt nebst einem frühvollendeten Frauen gewidmeten Nachruf, 1846
Zwei Kanzel-Vorträge bei der Einweihungs-Feier der renovirten Synagoge in Strelitz, Neustrelitz 1847
Der neue Himmel und die neue Erde, oder die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Hamburg, 1849
Mo‘ade H[a-Šem] Miqra’e Qodäš. Festpredigten für alle Feiertage des Herrn, 1855
Midbar Na’wäh [Cant. 4,3], Predigt zum Versöhnungstag, hebr. Übs. von Nachum Peretz Krossik, Wilna 1858, 30 S
Moses Mendelssohn, Chicago 1858
Selbst-Biographie, 1863
Insgesamt erschienen über 270 seiner Reden und Predigten im Druck (Kayserling, „Jüd. Lit.“, S. 779), dazu Lehr- und Gesangbücher und eine Bibelübersetzung.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); auch in Philippson, Salomon; JE; u. a.
Literatur
„G. S.“, in Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte, ihre Porträts und Biographien, hrsg. von. N. Frankfurter und Berthold Auerbach, Stuttgart 1838, S. 36-43; S. 37: „Bis er zu seiner jetzigen Glaubensansicht hindurchgedrungen war, mußte er durch das Feuer der Schwärmerei und durch die kühle Fluth des Rationalismus wandern“
AZJ 1857, S. 626-629, zur Pensionierung
UI 18 (1862/63), S. 238. „Si ses erreurs du point de vue religieux étaient regrettables, il possédait des vertus privées, un caractère charmant, des manières affables, un esprit de paix, qui lui gagnaient tous les cœurs. Son talent de prédicateur était hors ligne; nul orateur israélite moderne, sauf M. Mannheimer, n’a su faire un usage plus habile et plus savant du Talmud et des Midraschim“
Phöbus Philippsohn, Biographische Skizzen, III: G. S., Leipzig 1866, S. 80: „Er war kein Rabbi, also frei von allen Vorurtheilen und Beschränkungen, die dem Stande eines solchen noch in jener Zeit anklebten, dennoch aber war er ein genauer Kenner der Bibel, bewandert zugleich in Midrasch, Talmud und in den meisten, besonders philosophischen Zweigen der rabbinischen Literatur; er kannte genau seine Religion und ihre Satzungen, er war zugleich von dem Charakter und den Vorzügen derselben durchdrungen und hatte ihre Lehren sich in ein rationalistisches System zurecht gelegt“
Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 343, 389: „Mit Salomon begann in der deutschen Judenheit der Einfluß der Prediger; die Kanzel nahm die Stelle des Lehrhauses ein, und von ihr herab erklang nicht selten das hohltönende Wort, das die Gedanken oder die Gedankenleere verbarg“
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 142-287
Baeck, Geschichte, S. 502
Kayserling, Gedenkblätter, S. 71
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 746, 778-786, 841, 863, 897
JE X 652f
M. Rosenmann, „Briefe G. S.s an Isak Noa Mannheimer“, JJGL 22 (1919)
JL IV2 59f
Wininger V 327f
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 119, 327, 369
EJ eng. XIV 695
262f
Meyer, Response to Modernity, S. 55f, 133, 177: „he never attended a university, but he had sufficient self-confidence in his own scholarship ... Salomon’s sermons were popular, his delivery passionate ... He was the favorite preacher of the women, who managed to ignore his apparent vanity“ (S. 56)
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 140, 188, 197
Ders., Tempel, S. 36, vermutet einen Zusammenhang zwischen S.s Predigtstil und dem vormärzlichen Rückgang des Gottesdienstbesuchs: „Dort, wo Salomon seinem Auditorium lediglich sittlichen Wandel, das Üben von Gerechtigkeit und ähnliche Gemeinplätze als wahres Judentum anempfahl, vermittelte er einen ethischen Monotheismus, dem es an spezifischer Eigenart und Verpflichtung gebrach, so daß auch der Kultus ... an Bedeutung verlor“
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 93, 117, 133, 242, 291f, 321, 401, 436, 438, 464, 561, 566, 625.-