BHR Biographisches Portal der Rabbiner

SALOMON, Gotthold, eigentlich Salman Liepmann

  • Geb. 1. Nov. 1784 in Sandersleben, Anhalt,
  • Gest. 17. Nov. 1862 in Hamburg
  • Sohn des Liepmann-Joachim-Salomon Halevi, vom 10. Jahr an (1794) Talmudunterricht in Sandersleben, mit 12 J. zum dortigen Ortsrabbiner Joachim Heinemann Meister, mit 16 J. Privatunterricht bei Schulleiter Kaplan Bobbe, kurz darauf Privatlehrer am Lehrhaus („jüd. Gymnasium“) in Dessau. Mit 18 J. (1802) als Lehrer der hebr. u. dt. Sprache an der Franzschule angestellt
  • 1806 erste öffentliche Rede bei einer Schulprüfung. Bekanntschaft mit christl. Predigern und Pädagogen
  • studiert autodidaktisch Klassiker und pädagog. Lit. 1810 Verehelichung. Erlangt 1818 die rb. Ordination von dem reformfreundlichen Menachem- Mendel Steinhardt in Paderborn. 1818 zweiter Prediger am Hamburger Tempel neben Eduard Kley (1789-1867), einem Pädagogen ohne rb. Ordination. 1835 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“. Nach dem Ausscheiden Kleys 1840 erster Prediger
  • 5. Sept. 1844 Einweihung des neuen Tempelgebäudes in der Poolstraße. Teilnehmer der 1.-3. Rb.-Versammlung, 1857 in den Ruhestand.

Dokumente

  • StA Hamburg, Jüdische Gemeinden 571b, enthält ein Album Sr. Ehrwürden Herrn Dr. G. Salomon zu seinem 25jährigen Jubiläum am 18. October 1843. Als Zeichen dankbarer Gesinnung von Henriette Schwab, Rosette Gobert, Betty Gumprecht, Johanna Goldschmidt und Bertha Hinrichsen. Siehe über dieses Album Orient 1843, S. 363. An der Huldigung beteiligen sich die Rabbiner Samuel Adler, Eliakim Carmoly, Zacharias Frankel, Naftali Frankfurter, Abraham Geiger, Salomon Herxheimer, Mendel Heß, Samuel Holdheim, Bernhard Illowy, Abraham Kohn, Joseph Maier, Ludwig Philippson, S. J. Rapoport, Michael Sachs, Leopold Stein und Bernhard Wechsler, ferner J. L. Auerbach aus Berlin, Bernhard Beer, Ad. Crémieux, Eduard Kley, A. Löwy aus London, I. N. Mannheimer, J. Salvador, Weil aus Frankfurt, Im. Wohlwill, die christlichen Professoren Paulus, Wegscheider u. a
  • StA Hamburg, Jüdische Gemeinde 741c enthält Nachlaß von empfangenen Schreiben, Manuskripten für Gelegenheitsreden u. a. m.

Publikationen

  • Aufsätze in Sulamith seit 1809
  • Licht und Wahrheit. Die Umbildung des isr. Kultus betr., 1814
  • Lebensgeschichte Moses Philippsons, 1814
  • Selima’s Stunden der Weihe, 1816
  • Der Charakter des Judenthums, 1817
  • Predigten gehalten beim isr. Gottesdienst in dem dazu geweihten Tempel zu Hamburg, 1818
  • Predigten in dem neuen isr. Tempel zu Hamburg gehalten, 3 Bde. Hamburg 1820-25
  • „Religiöser Vortrag vor Ne‘ilah“, Bikkure ha-‘Ittim 1823, S. 90ff
  • Nichts hinzu und nichts davon, oder die drei Grundlehren des Judenthums, Predigt, 1828
  • Festpredigten für alle Feiertage des Herrn, 1829
  • Israels Klage und Trost. Zwei Kanzelvorträge, 1832
  • Die neue Erde und der neue Himmel, oder der Achtzehnte des Octobermonats ein dreifaches heiliges Denkmal der Zeit, Predigt, 1832
  • Briefe an den Herrn Anton Theodor Hartmann, 1835
  • Was fesselt Israel an seine Religion? Predigt, 1836
  • Die deutsche Volks- und Schulbibel für Israeliten, 1837
  • Die Einsegnung der Jugend als eine gottesdienstliche Feier, Predigt, 1841
  • Die Erlösung Israels aus der Aegyptischen Knechtschaft, das lehrreichste Capitel in der Weltgeschichte, Predigt, 1841
  • Sedär ha-‘Avodah. Gebetbuch für die öffentliche und häusliche Andacht der Israeliten [...] nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg, 1841; zur Verteidigung edierte der Tempelverein Theologische Gutachten über das Gebetbuch nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempelvereins in Hamburg, 1842
  • Das neue Gebetbuch und seine Verketzerung. Auszug aus einem größern Manuscript, als eine Schrift für das Volk, 1841
  • Es ist gefährlich, einer Gesammtheit die Religiosität abzusprechen. Eine als Wort zu seiner Zeit im neuen isr. Tempel zu Hamburg am 7. Febr. 1842 gehaltene Predigt, 1842
  • Sendschreiben an den Herrn Dr. Z. Frankel, in Betreff seines im „Orient“ mitgetheilten Gutachtens über das neue Gebetbuch der Tempelgemeinde zu Hamburg, 1842
  • Gottes Stimmen aus dem Feuer. Eine nach dem verheerenden Brande am 5. bis 8. Mai 1842 am Feste der Gesetzgebung (am 1. Pfingstfeiertage) gehaltene Predigt, im neuen isr. Tempel und zum Besten der durch die Feuersbrunst verunglückten Schullehrer und Lehrerinnen, 1842
  • Isr. Predigten und Casualreden, mit Joseph Maier, Stuttgart 1842
  • Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843-50)
  • Bruno Bauer und seine gehaltlose Kritik über die Judenfrage, 1844
  • Die letzte und die erste Predigt, beim Scheiden aus dem alten Tempel, und bei der Einweihung des neuerbauten Gotteshauses, mit Naphtali Frankfurter, 1844
  • Die Herrlichkeit des zweiten Tempels (Haggai 2, v. 9), eine bei der Einweihung des neuerbauten Isr. Gotteshauses am 5. Sept. 1844 gehaltene Predigt, 1844
  • Kurzgefaßte Geschichte des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg während der ersten 25 Jahre seines Bestehens, Hamburg 1844
  • Die Rabbiner-Versammlung und ihre Tendenz. Eine Beleuchtung für ihre Freunde und Feinde, 1845
  • Der Berg des Herrn. Kanzel-Vorträge über den Dekalog, 1846
  • Die Entweihung des göttlichen Namens in Wort und That, ein ernstes Wort zur Beherzigung für Eltern und Erzieher, Predigt, 1846
  • Licht auf den dunkelsten Lebenswegen, eine Predigt nebst einem frühvollendeten Frauen gewidmeten Nachruf, 1846
  • Zwei Kanzel-Vorträge bei der Einweihungs-Feier der renovirten Synagoge in Strelitz, Neustrelitz 1847
  • Der neue Himmel und die neue Erde, oder die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Hamburg, 1849
  • Mo‘ade H[a-Šem] Miqra’e Qodäš. Festpredigten für alle Feiertage des Herrn, 1855
  • Midbar Na’wäh [Cant. 4,3], Predigt zum Versöhnungstag, hebr. Übs. von Nachum Peretz Krossik, Wilna 1858, 30 S
  • Moses Mendelssohn, Chicago 1858
  • Selbst-Biographie, 1863
  • Insgesamt erschienen über 270 seiner Reden und Predigten im Druck (Kayserling, „Jüd. Lit.“, S. 779), dazu Lehr- und Gesangbücher und eine Bibelübersetzung.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); auch in Philippson, Salomon; JE; u. a.

Literatur

  • „G. S.“, in Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte, ihre Porträts und Biographien, hrsg. von. N. Frankfurter und Berthold Auerbach, Stuttgart 1838, S. 36-43; S. 37: „Bis er zu seiner jetzigen Glaubensansicht hindurchgedrungen war, mußte er durch das Feuer der Schwärmerei und durch die kühle Fluth des Rationalismus wandern“
  • AZJ 1857, S. 626-629, zur Pensionierung
  • UI 18 (1862/63), S. 238. „Si ses erreurs du point de vue religieux étaient regrettables, il possédait des vertus privées, un caractère charmant, des manières affables, un esprit de paix, qui lui gagnaient tous les cœurs. Son talent de prédicateur était hors ligne; nul orateur israélite moderne, sauf M. Mannheimer, n’a su faire un usage plus habile et plus savant du Talmud et des Midraschim“
  • Phöbus Philippsohn, Biographische Skizzen, III: G. S., Leipzig 1866, S. 80: „Er war kein Rabbi, also frei von allen Vorurtheilen und Beschränkungen, die dem Stande eines solchen noch in jener Zeit anklebten, dennoch aber war er ein genauer Kenner der Bibel, bewandert zugleich in Midrasch, Talmud und in den meisten, besonders philosophischen Zweigen der rabbinischen Literatur; er kannte genau seine Religion und ihre Satzungen, er war zugleich von dem Charakter und den Vorzügen derselben durchdrungen und hatte ihre Lehren sich in ein rationalistisches System zurecht gelegt“
  • Graetz, Geschichte3, Bd. XI, S. 343, 389: „Mit Salomon begann in der deutschen Judenheit der Einfluß der Prediger; die Kanzel nahm die Stelle des Lehrhauses ein, und von ihr herab erklang nicht selten das hohltönende Wort, das die Gedanken oder die Gedankenleere verbarg“
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 142-287
  • Baeck, Geschichte, S. 502
  • Kayserling, Gedenkblätter, S. 71
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 746, 778-786, 841, 863, 897
  • JE X 652f
  • M. Rosenmann, „Briefe G. S.s an Isak Noa Mannheimer“, JJGL 22 (1919)
  • JL IV2 59f
  • Wininger V 327f
  • Eliav, Jüdische Erziehung, S. 119, 327, 369
  • EJ eng. XIV 695
  • 262f
  • Meyer, Response to Modernity, S. 55f, 133, 177: „he never attended a university, but he had sufficient self-confidence in his own scholarship ... Salomon’s sermons were popular, his delivery passionate ... He was the favorite preacher of the women, who managed to ignore his apparent vanity“ (S. 56)
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 140, 188, 197
  • Ders., Tempel, S. 36, vermutet einen Zusammenhang zwischen S.s Predigtstil und dem vormärzlichen Rückgang des Gottesdienstbesuchs: „Dort, wo Salomon seinem Auditorium lediglich sittlichen Wandel, das Üben von Gerechtigkeit und ähnliche Gemeinplätze als wahres Judentum anempfahl, vermittelte er einen ethischen Monotheismus, dem es an spezifischer Eigenart und Verpflichtung gebrach, so daß auch der Kultus ... an Bedeutung verlor“
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 93, 117, 133, 242, 291f, 321, 401, 436, 438, 464, 561, 566, 625.-