BHR Biographisches Portal der Rabbiner

SCHWAB, Löb

  • Geb. 11. März 1794 in Moravský Krumlov (Kromau),
  • Gest. 3. Apr. 1857 in Pest
  • Sohn des Hausierers Mordechai S., Trivialschule, Cheder und Privatunterricht bei einem Bachur, 1802 Talmudunterricht in Lomnice (Lomnitz) und 1803 in Moravský Krumlov
  • Frühj. 1805 mit 11 J. zur Jeschiwa von Landesrb. Mord. Benet in Mikulov (Nikolsburg), wo er zwei Jahre verbringt, 1807 zur Sofer-Jeschiwa nach Preßburg, die er nach kurzem Aufenthalt wieder verläßt. Studiert in Mikulov u. Třebíč (Trebitsch) autodidaktisch Maimonides und Profanes, seit dem Alter von 16 J. hält er auch Predigten. Ca. 1817 nach Jevíčko (Gewitsch) mit der Tochter des Elias Pfeifer verheiratet
  • Studien in der dortigen Jeschiwa von Joachim Deutschmann. Als dieser 1818 nach Třebíč wechselt, wird Schwab wegen seiner neuzeitlichen Lektüren verleumdet, 1821 Hauslehrer in Prostìjov (Proßnitz). 1824 Rb. in Jevíčko „unter der ausdrücklichen Bedingung jedoch, sich nachträglich vom Landrabbiner die unvermeidliche Hatarah zu verschaffen“, Mordechai Benet zögert lange angesichts des „teutschen“ Rabbiners und verhindert damit 1826 seine Berufung nach Ivančice (Eibenschütz)
  • erst 1828 erteilt er ihm die schriftl. Hatara. Trotz gegnerischer Agitation von Moses Sofer wird er am 27. Nov. 1831 mit großer Mehrheit als Nachfolger des Neh. Trebitsch in Prostìjov (Proßnitz) gewählt. Befreundet dort mit Holdheim. Erstmals in Mähren führt er 1832 eine Trauung in der Synagoge durch und hält 1835 eine dt. Predigt nach dem Vorbild I. N. Mannheimers und G. Salomons. Jan. 1836 Oberrb. in Pest, wo der abwechselnd Deraschot und dt. Predigten vorträgt. 1846 Religionsbuch
  • Orgel und dt. Gesang. 1848/49 mit seinem Schwiegersohn Leopold Löw auf Seiten der ungarischen Aufständischen engagiert
  • Aug. 1849 waren beide in polit. Haft. Mitbegründer der Gesellschaft zur Beförderung der Handwerke und des Ackerbaus unter den ungarischen Juden
  • Mitbegründer des Ungarisch-Israelitischen Wochenblattes.

Manuskripte

  • Nachlaß in der JNUL Jerusalem, Arch 4° 1619. Briefe an L. Löw in dessen Nachlaß ebd., Arch 4° 794.

Publikationen

  • Das Gedächtniß des Gerechten ist zum Segen. Trauerrede auf den Tod Seiner Majestät Franz I. Kaisers von Oesterreich glorreichen Angedenkens, gehalten in der Synagoge zu Proßnitz, Wien 1835
  • Worte des Dankes, gesprochen bey dem zur Feyer der Wiedergenesung Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Erzherzogs Joseph von der Isr. Gem. zu Pesth abgehaltenen Gottesdienste, 1837
  • Mitarbeiter am Orient (1841-45)
  • Anfrage an Moses Sofer in dessen Responsen EE II Nr. 11
  • Das Gotteshaus und die Himmelspforte. Predigt bei der Einweihung der neuerbauten Synagoge in der isr. Gem. zu Szegedin, Ofen 1843
  • Beitrag zu Zulässigkeit und Dringlichkeit der Synagogen-Reformen, Wien 1845
  • Lassen wir uns nicht wankend und irre machen. Ein Wort zur Zeit, gesprochen im isr. Tempel zu Pest am ersten Tag des Pessachfestes 5608 und gerichtet an alle seine Glaubensbrüder in Ungarn, Predigt, 1848
  • Gutachten an den Israelitischen Gemeinde-Vorstand zu Pesth, in Betreff der daselbst sich gebildeten sogenanten Central- Reform Genossenschaft, Pest 1848
  • Eine Approbation, datiert Pest 1841; Löwenstein, Index, S. 187.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • IA 1839, S. 117
  • M. Ehrentheil, Jüdische Charakterbilder, Pest 1867, Bd. I, S. 42-57: „In der That war Schwab der erste Rabbiner in Mähren, der eine zeitgemässe Bildung besass; ihm folgten bald: J. Pollak in Trebitsch, A. Lamberg in Pirnitz und J. Schmiedl in Lomnitz“ (S. 52)
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 813
  • JE XI 116f, mit Bildnis
  • Freimann in JJLG XV, S. 39
  • JL IV2 291
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 370, 501; gibt den Namen des Vaters abweichend mit „Löb H. ayyat. (Schneider)“ an. Ebd., S. 207, und Gedenkbuch Mähren, 1974, S. 54, nennt er einen Samuel Löw Schwab 1820-1835 als Rb. in Jevíčko
  • Ujvári, Magyar zsidó lexikon, S. 776f
  • Wininger V 470
  • M. N. Mered, „Michtavim ben Mar Šelomoh Rozent. hal weha-Rav Lev Šewab ‘al devar hithmanutho le-rav ’a[v] b[eth] d[in] be-Budapäœt. “, Ha-S. ofäh 15, 1930, S. 167-185
  • EJ eng. XIV 1015
  • Michael Silber, Roots of the Schism in Hungarian Jewry: Cultural and Social Change from the Reign of Joseph II until the Eve of the 1848 Revolution, hebr., Phil. Diss. Hebrew University Jerusalem, 1985
  • Meyer, Response to Modernity, S. 160- 162
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 150, mit hebr. Schriftprobe, und der Bemerkung: „Das Urteil der Weisen war ihm nicht gewogen“
  • Katz, Ha-qära‘ šä-lo’ nit’ah. ah, Register
  • Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 116, 142
  • HÖAAJH, Bd. III, Nr. 9481
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 186, 536.