Gest. 6. Mai 1842 in Mladá Boleslav (Jungbunzlau), Böhmen
Sohn des Toraschreibers Benjamin S. und der Sara, 1779 nach Prag zur Jeschiwa Ez. Landaus, Hauslehrer bei dem Prager Arzt Dr. Jonas Jeitteles und Schüler von dessen Sohn Benedikt, studiert für sich hebr. Sprache und Literatur sowie Mendelssohns und Lessings Schriften, 1785 nach Fürth zur Jeschiwa des M. S. Kohn, vom dortigen Bet-Din 1792 ordiniert, zurück nach Kolín als Schüler von Eleasar Kalir und Lehrer im Haus von Adam Friedländer, heiratete Rebekka Fleckeles, Tochter des Prager Rb. El. Fleckeles, lebt zwei Jahre im Haus des Schwiegervaters, nach Ablauf seiner Aufenthaltserlaubnis dann fünf Jahre als Talmudlehrer in Láznì Kynžvart (Königswart) bei Marienbad, 1804 Prachiner Kreisrb. in Březnice (Bresnitz), Westböhmen, hält allsabbatliche religiöse Vorträge. Nach dem frühen Tod seiner Frau (1808) heiratete er in zweiter Ehe eine Witwe. August 1824 Kreisrb. in Mladá Boleslav. Er bezog kein Gehalt, sondern lebte von Emolumenten der etwa 2.400 Juden des Kreises. Auch als Kenner der hebräischen Sprachkunde bekannt. Vater des Grammatikers Jonas Spitz (1797-1874), Großvater des Dichters Moritz Hartmann.
Dokumente
ÖStA/AVAWien, Alter Kultus, Israelitischer Kultus, Karton 4, vom 28. Nov. 1838: „Uebersicht der [...] in Böhmen angestellten Kreis-Rabiner“, über Ernennung vom 24. Juni 1824 in Mladá Boleslav
SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/34, Todesmeldung und Wiederbesetzung seiner Stelle. Lt. Bericht vom 15. Dez. 1842 habe er kein Fixgehalt bezogen, sondern allein von den Emolumenten der nunmehr 2.424 Juden des Kreises gelebt.
Manuskripte
Jonas Spitz, S. 30, nennt handschriftlichen Nachlaß von Kommentaren zu den Traktaten der Talmudordnung Neziqin, mit Homilien und Gelegenheitsreden, Betrachtungen über den Gesetzgeber Moses; halachischer Korrespondenz. Ebd. S. 32 Zitat von Markus Fischer, Archiv für Gegenstände den Mosaismus und seine Bekenner betreffend, Prag 1823, wo die Zurückhaltung bei der Verbreitung seiner Schriften gerügt wird
SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/4, Gutachten für die Instruktion der Kreis- und Ortsrb., 22. Juni 1841.
Publikationen
Mat. ‘amme Yis. h. aq, hrsg. als Anhang zur dt. Biographie Toledoth Yis. h. aq von Jonas Spitz, Prag 1843, 34 Bl. Enthält Naturlyrik, Moralistik, Epigramme, Tierfabeln, Weinlieder und verschiedene Nachdichtungen nach Schiller
Mehr als dreißig halachische Briefe in Tešuvah me’Ahavah seines Schwiegervaters, weitere Korrespondenzen mit Eleasar Kalir.
Literatur
Jonas Spitz, Toledoth Yis. h. aq. Biographische Skizze des verewigten ehrwürdigen Rabbiners R. Isak Spitz, letzt gewesenen Kreisrabbiners zu Jungbunzlau, von dessen Sohne, Prag 1843, S. 30: „nach dem allgemeinen Ausspruche war er in Böhmen in gegenwärtiger Zeit als Rabbi das non plus ultra“
Steinschneider, Bodleiana, col. 1717
Weiss, Zichronothai, S. 76
Grünwald, „Jungbunzlauer Rabbiner“, S. 20-22
JE XI 524, mit Geburtsdatum 1764
JGGJČSR 1 (1929), S. 326
Liste bei F. Roubík, „Revision“, JGGJČSR 5 (1933), S. 417
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 68f., 217f
Vladimír Sadek und Jiřina Šedinová, „The Jewish Cemetery at Mladá Boleslav“, Judaica Bohemiae 18 (1982), S. 51