Sohn des rb. Gelehrten Meyer (nach anderen Jakob) S., mit 11 Jahren nach Fulda zu Rb. Seckel Wormser, der ihn durch den gelehrten Löb Heilbronn im Talmud unterrichten läßt. Weitere Studien bei S. B. Bamberger in Wiesenbronn, Unterfranken, dem er 1840 nach Würzburg folgt, 25. April 1844 imm. als Orientalist an der Univ. Würzburg, ist als Hauslehrer bei Baron Joel Jakob von Hirsch angestellt. Während mehrerer Aufenthalte in Fürth wird er durch den ehem. Jeschiwaleiter Wolf Hamburger gefördert. 1848 Religionslehrer und „Hilfsrb.“ in Bad Homburg, ordiniert von Abr. Wechsler in Schwabach, S. B. Bamberger in Würzburg und Jakob-Koppel Bamberger in Worms. Sept. 1851 Rb. in Hamburg. Um in Erbschaftssachen Urteile abgeben zu können, unterwirft er sich bei Bamberger in Worms einer Zusatzprüfung im rb. Finanzrecht. 19. April 1855 Heirat mit Jente Adler, Tochter des britischen Chief Rabbi Nathan A. 12. Sept. 1859 Einweihung der neuen Hauptsynagoge Hamburg-Kohlhöfen. St. war ehrenamtlicher „Ephorus“ der Talmud- Tora-Schule, die er 1860 zu einer Realschule erhob und 1868 zu einer dreijährigen Elementarund sechsjährigen höheren Schule ausbaute. Gründet 1862 den Lernverein „Mekor Chajim“ und unterrichtet privat Talmudschüler. Nach der Neuordnung der Hamburger jüdischen Gemeindeverhältnisse vom 7. Nov. 1867 (eine Gemeinde mit zwei Verbänden) erhielt er im Folgejahr den Titel eines Oberrb. des orth. Deutsch-Israelitischen Synagogenverbandes, darf sich nach Protesten des Tempelvereins aber nicht Oberrb. der Gemeinde, sondern nur „Oberrabbiner zu Hamburg“ nennen. Sein Schwiegersohn war der orthod. Rb. Michael Cahn in Fulda.
Dokumente
CAHJP Jerusalem, AHW 543b, Hamburgische „Verordnung über Wahl eines Oberrabbiners“ vom 1. August 1851 und Wahlakten
Ebd., AHW 543c Personalakten Stern
StA Hamburg, Cl. VII, Lit. Lb, Nr. 18, Vol. 7b, Fasc. 1, Invol. 9 Acta wegen Anstellung des bisherigen Predigers der isr. Gem. zu Bad Homburg, Anschel Stern, als Oberrb. der hiesigen Deutsch-Isr. Gemeinde, 1851
CAHJP Jerusalem, AHW 344 Prozeß der Liquidationskommission gegen Oberrb. Stern, 1870-1872
StA Hamburg, Jüdische Gemeinde, Nr. 662 und 666 Erwerb eines jüdischen Begräbnisplatzes auf dem Friedhof in Ohlsdorf, 1877-1886, darin Konflikt des Gemeindevorstandes mit dem Oberrb. Stern
StA Hamburg, Cl. VII, Lit. Lb, Nr. 18, Vol. 7b, Fasc. 1, Invol. 25 Mittheilung des Deutsch-Israel. Gemeindevorstandes von dem Ableben des Oberrb. Stern, 1888.
Manuskripte
Mitschriftenheft aus Würzburg, 1840, in New York, JTS, Rab. 1528, 66 Bl
Halachische und private Korrespondenz mit seinem Nachbarrb. Jakob Ettlinger in Altona, erwähnt von Dukkesz, ’Iwah leMošav, S. 127.
Publikationen
Die Zschr. Univers israélite 1866/67, S. 246-248 druckt von „S.“ („éminent grand rabbin d’Allemagne“) das orthodox gefärbte Schreiben „Lettre au vénérable M. Isidor, Grand-rabbin du Consistoire central israélite, à Paris“, 20. Dez. 1866, mit dem Vorschlag eines neuen Pariser Sanhedrin, der die Befugnisse und Pflichten der Rabbiner und Prediger festlegen solle
Gutachten gegen die halachische Zulässigkeit des Ohlsdorfer Friedhofs in Der Ohlsdorfer Begräbnisplatz in seinem Verhältniß zu den Israelitischen Gemeinden zu Hamburg, 1879, S. 24.
Epigraphik
Grabschrift auf dem Friedhof in Hamburg-Langenfelde mitgeteilt von Duckesz, ’Iwah le- Mošav, S. 128f.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); reprod. Duckesz, ’Iwah leMošav, S. 126; Wolfsberg-Aviad, Drei-Gemeinde, gegenüber von S. 72.
Literatur
AZJ 1851, S. 300, er habe in Würzburg studiert, „ohne indeß von der jetzt dort einheimischen finstern Richtung ergriffen worden zu sein“
Jeschurun I, 7 (April 1855), S. 390-400, insbes. 396-398: der junge Oberrabbiner, sicherlich der Fähigste unter den Bewerbern, ist ein Provinzler, der den Hamburger Intrigen und Anfeindungen nicht gewachsen ist, auch nicht einmal gut predigen kann
C. Cohen, Oberaufsichts- und Schutzrecht des Staates über die israelitischen Gemeinden, Hbg. 1879, klagt über seine zu weit reichenden Vollmachten; cf. MGWJ 1879, S. 380-384
Lippe 1879/81, S. 481
Haarbleicher, Hamburg, S. 401-404
Gedenkrede von M. Horovitz, Zichron Mošäh, Nr. 5; siehe Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 11
Duckesz, ’Iwah leMošav, S. xxxii, 125-130
Salomon Goldschmidt, Geschichte des Verein Mekor Chajim. Festschrift zur Fünfzigjahrfeier, Hamburg 1912
Wolfsberg-Aviad, Die Drei-Gemeinde, S. 72f, „dessen ganze Persönlichkeit anders war als alle Rabbiner vor und nach ihm ... obwohl er auch ein großer Gelehrter war, so erwarb er doch seine hauptsächliche Popularität auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und der Erziehung“
Arnsberg, Hessen, Bd. I, S. 230
Sophoni-Herz, Erinnerung an Bad Homburg, S. 152
Wegweiser zu den ehem. Stätten jüd. Lebens, Bd. I, S. 65
Erika Hirsch, Jüdisches Vereinsleben in Hamburg bis zum ersten Weltkrieg: Jüdisches Selbstverständnis zwischen Antisemitismus und Assimilation, Frankfurt/M. 1996, S. 45-48 über den Verein Mekor Chajim
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 125, bezeichnet seine Stellung gegenüber dem Vorstand als „ungünstig“
Brämer, Der Hamburger Israelitische Tempel, S. 70, 88, 267