Sohn des Samuel Abraham und der Esther Baruch, Schüler der Jeschiwa in Fürth, Chawer-Diplom von Wolf Hamburger (1799), weitere aus Prag (1806) und Aschaffenburg (1808), betrieb auch Privatstudien in weltlichen Wissenschaften und Fremdsprachen. Nachdem sein Landsmann Steinhardt Oberrb. im Westphäl. Konsistorium geworden war, ging S. 1809 als Lehrer nach Kassel, am 17. Dez. 1810 machte ihn das Konsistorium zum Lehrer und „Rabbinats- Adjunkten“ in Reichensachsen bei Eschwege, 10. Jan. 1811 wurde er Lehrer und „Rabbinats-Adjunkt“ in Beverungen für den Sprengel Warburg
Heirat mit Rebekka Kulp (1793-1852) aus Wanfried a. d. Werra. 1813 Rb. in Warendorf für den Bezirk Rheda. 11. April 1814 erste deutsche Predigt zum Sieg der Verbündeten, doch weigert er sich gegen regelmäßige gottesdienstliche Vorträge. Von Steinhardt ordiniert, 19. Juli 1815 von Landesdirektor Graf Romberg bestätigt und am 3. Aug. 1815 in Warendorf zum Landesrb. eingesetzt für den Bez. Münster und die Gft. Mark, sowie für Dortmund mit Hohenlimburg und der Gft. Rheda
erhält von M. Steinhardt „die in jüdischer Sitte eingeführte Weihe der Gradation mit dem vorgeschriebenen Zeremoniell“ (Festgedicht von Simon Steinhardt gedruckt in Paderborn)
noch im selben Jahr Verlegung des Rabbinatssitzes nach Kamen bei Hamm, 1816 in die Stadt Münster. 1826 Mitbegründer des Marks-Haindorfschen Lehrerseminars in Münster. Seit 1828 auch für den ehem. Landesrts.-Bezirk Paderborn zuständig. Wird nach 1830 zum Verfechter einer strengen Orthodoxie
1835 Bewerber in Krefeld
unterzeichnet 1844 den Aufruf gegen die Rb.-Versammlung und im Kompert-Prozeß 1864 die Stellungnahme der ungar. Trennungsorthodoxie. Setzte sich in zahlreichen Petitionen für die Emanzipation der Juden ein. Zum 50jährigen Dienstjubiläum im Jan. 1861 wurde er als erster Rb. Preußens mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse ausgezeichnet.
Dokumente
StA Detmold, M1-IL Nr. 281-282, über seine Einsetzung für die Rabbinate Bielefeld und Paderborn
Ebd., M1-IL Nr. 287-288 Gehaltseinzug aus Ostwestfalen und Klage gegen die Gem. Gütersloh
StA Münster, Oberpräsidium, Nr. 2627, Bd. III, Bl. 135ff vom 13. Jan. 1847 Klage der jüd. Gem. Münster gegen seine neuerungsfeindliche Haltung
GStA Berlin, Rep. 89, Nr. 2015, fol. 139f, vom 6. Mai 1861 (frdl. Mittlg. von Manfred Jehle), Gutachten zur Ordensverleihung von Kultusminister Bethmann-Hollweg und Graf von Schwerin, unterstreicht S.s „in funfzigjähriger Wirksamkeit als Cultusbeamter bethätigten Ehrenhaftigkeit und Berufstreue“ mit der Bemerkung, dass seine „Wirksamkeit für den Staat von erheblichem Interesse ist“
StA Detmold, P 8, 10, isr. Sterberegister Münster.
Manuskripte
Nachlaß im LBI New York, AR-C. 666/1888, Loc. V 7/5, V (1-56) enthält empfangene Korrespondenz.
Publikationen
Predigt zum Sieg der Verbündeten in der Synagoge zu Beverungen, Höxter 1814
Der Geist des Rabbinismus aus Bibel und Talmud, 1823
Milh. amoth H[a-Šem], gegen die Reform, Heft I Hannover 1836, 162 S.; Heft II Frankfurt 1862, 58 S.; Heft III Hannover 1863, 34 S; Heft IV Halberstadt 1864, 66 S. [Expl. AIU Paris E 1666]
Hebr. Gutachten gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. VI, Bl. 9v-10v
„Vorstellung an hohes Königl. Ministerium des Innern, das neue preußische Judengesetz betreffend“, TZW 1848, S. 1f, 9-11; S. wünscht darin, „daß wenigstens in jeder Provinz ein Oberabbiner und zu Berlin ein Oberlandesrabbiner aufgestellt werde“
Halachische Beiträge zum Šomer S. iyyon na-Nä’äman: „‘Al devar ’im mutar limol bešabbath bän Yiœra’elith šä-nit‘abberah me-’eno Yiœra’el“, S. 55; „Be’ur ha-R. M. bedin h. atun“, S. 69; „Be‘inyan bechor lenah. alah, S. 81f; „Tešuvah ’odoth miflat. le‘inyan h. alis. ah“, S. 89f; „Tešuvah ve‘inyan ’im mutar lamul ‘[al] y[ede] šene mohlim bešabbath“, S. 99f; „Tešuvah ve‘inyan bene yevamah la-šuq“, S. 111; „Tešuvah vedin mi šä-naœa’ ’eth ’ah. oth ’iššeto“, S. 127; „Tešuvah beyabam šä-yibbem bez[äh] ha-z[eman]“, S. 137; „Bedin šahah ‘äœär šanim“, S. 145, 147; „Bedin ‘edim zumemim“, S. 163, 165; „Tešuvah ve‘inyan dag t. ame‘„, S. 182; „Tešuvah vedin ‘agunah“, S. 196; „Tešuvah be‘inyan ra’uy le‘inyan yeruššah“, S. 226f, 229; „Tešuvah vedin zequqah leyabbem“, S. 248, 250f; „Be‘ur pesaq ha-RaMBaM diqes. irath ha-‘omr doh. ah šabbath“, S. 258; „‘Od bedin ’im yeš limol ‘[al] y[ede] 2 mohalim bešabbath“, S. 262f; „Be‘inyan ba’u ‘edim šä-meth ba‘lah“, S. 274f, 277, 278; „Tešuvah bemah šä-h. iddešu ha-mithh. addešim be‘inyene beth ha-kenäsäth“, S. 287; „Tešuvah bide var beth ha-kenäsäth“, S. 305, 307; „Tešuvah vedin ‘edim qerovim la-dayyanim“, S. 337; „Tešuvah ve‘inyan niqqev bene me‘ayim“, S. 342f; „‘Od be‘inyan hithh. addešuth bev[eth] ha-ken[äsäth]“, S. 348f; „Tešuvah ve’[äššäth] ’[iš] šä-yas. a’ ‘aleha šem ra‘„, S. 361; „Tešuvah ve‘inyan qeduššath bechor behemah“, S. 375; „Tešuvah ve‘inyan tena’e kethubbah“, S. 389; „Be’ur ma’amar biMegillah daf 31“, S. 405; „Tešuvah ve‘inyan šillum kethubbah“, S. 407; „Tešuvah vedin nothänäth ’amtala’“, S. 413; „‘Od be‘inyan sefinah šä-’avdah ba-yam“, S. 418f.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis)
R. Schlankmann-Overmeyer, „A. S.“, in Jüdische Porträts, hrsg. Stadtmuseum Münster, Hamm 1993, Nr. 52; mit Reproduktion einer Porträtfotographie ca. 1862/65 aus Privatbesitz.
Literatur
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 65
Spinoza jun. (Hrsg.), Die Judenfrage im Preußischen Volkshause. Abdruck der Verhandlung des Hauses der Abgeordneten über die Petition des Rabbiner Sutro zu Münster aus dem stenographischen Bericht der 25sten Sitzung vom 23. März 1859, Berlin 1859
Israelit 1861, S. 22, 95, 340, sein Jubiläum
UI 19 (1863/64), S. 436, seine Verteidigung der Frauengalerien in den Synagogen
Israelit 1869, S. 829-831; UI 25 (1869/70), S. 169, Nachrufe
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 413
JE XI 604, Geburtstag hiernach 5. Juli
A. H. Heymann, Lebenserinnerungen, 1909, S. 402 (über Ordensverleihung)
F. Lazarus, in MGWJ 58 (1914), S. 550ff
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 4
JL IV2 786
Wininger VI 70f
Eliav, Jüdische Erziehung, S. 323, 346, 380
EJ eng. XV 536f
Bernhard Brilling, „Beiträge zur Biographie des letzten Landrabbiners von Münster, A. S. (1784- 1869)“, Udim 3 (1972), S. 31-64
Brilling, „A. S. Ein Beitrag zum Leben und Wirken des letzten münsterischen Landrabbiners“, Westfalen 123 (1973), S. 51-64
Brilling, „Briefe des Königlich Westfälischen Konsistoriums der Israeliten in Kassel an die Rabbiner A. S. und Marcus Baer Adler“, Udim 4 (1974), S. 39-57
Brilling, „Die jüdischen Gemeinden Westfalens“, in Eduard Hegel u. a., Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Provinz Westfalen, Münster 1978, S. 107ff
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 66, Nr. 1347, „einer der größten Rabbiner Deutschlands“
Naarmann, Paderborner Juden, S. 127f
DBE IX 637
Zimmermann (Hrsg.), Rheinland und Westfalen, S. 164f
Susanne Freund, Jüdische Bildungsgeschichte zwischen Emanzipation und Ausgrenzung: Das Beispiel der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster (1825- 1942), Paderborn 1997
Kollatz, „Westfälisches Judentum“, S. 105f.; S. 108 Abb. eines Kidduschbechers aus seinem Besitz
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 79, 96, 132, 164f, 167