Geb. 24. Dez. 1764 in Swarzêdz (Schwersenz), Großpolen,
Gest. 27. Dez. 1820 in Breslau
Sohn des Gedalja aus Tykocin bei Białystok, des „Dajan von Schwersenz“, und seiner Frau Freidel. Erziehung nach dem Tode des Vaters (1773) durch die Ehemänner seiner Schwestern Jitte und Eidel, den Rb. Isaak-Mordechai b. Baruch in Grodzisk (Grätz) und den Posener Dajan Jakob
nach seiner Heirat mit Esther Kuttner (Kutschinski), Tochter des Aron K., lebt er 12 Jahre lernend u. lehrend bei seinen Schwiegereltern in Swarzêdz, ernährt sich vom Handel, versieht seit 1797 kurzzeitig auch das örtliche Rabbinat. Später Rb. in £êczyca (Luntschütz) in Russ.-Großpolen, 1803 Oberrb. in Glogau, übt dort bis zum Gesetz von 1812 auch zivilrichterliche Funktionen aus
12. Okt. 1816 „Oberlandesrabbiner bei der Schlesischen Gemeinde“ mit Sitz in Breslau und 750 Tl. Gehalt
er galt bei seiner Anstellung als ein Mann, der „nicht bloß die erforderlichen rabbinischen Kenntnisse besitzt und als rechtschaffen bekannt ist, sondern zugleich auch befähigt ist, die erbaulichen Vorträge und Reden in der Landessprache gehörig zu halten und die erforderlichen Eigenschaften besitzt, der ihm anvertrauten Gemeinde ein liebevoller Führer und ein weiser Ratgeber zu sein“ (Lucas und Heitmann, S. 247f.). 1819 trägt er zu den ’Eläh divre ha-berith bei. Hatte kurz vor seinem Tode einen Ruf auf das Fürther Oberrt. angenommen. Seine Frau erhielt in Breslau eine Pension von 400 Tl.
Dokumente
¯IH Warschau 726d/1 [IMHM 30186]: Kassenbuch über seinen Meßhandel in Frankfurt/ Oder und Berlin 1789-93
Ebd., 15/4 Brief von Leiser Cohn an ihn [IMHM 11.857]
Anstellungsvertrag aus Glogau vom 19. Juli 1803, cf. Lucas und Heitmann, Glogau, S. 246
JM Frankfurt/ M., PSR A 0132, „Verzeichniß der am 24. März 1812 auf den Grund einer legalen Erlaubniß in Glogau wohnhaften Judenfamilien“, verzeichnet „Abraham Gedalge Titkin“ [!], seine Frau und vier Kinder
Empfangene amtliche Korrespondenz in CAHJP Jerusalem, „Glogau“ S 41/18. T. gibt sein Gutachten in einer Breslauer Stiftungssache ab (21. Juni 1814); die Regierung Liegnitz fordert jährliche Listen der vorgenommenen Ehescheidungen an (18. Dez. 1811); der Bürgermeister bekräftigt T.s Entscheidung, die Trauung zwischen einem Glogauer und einer Ausländerin zu verweigern (10. Okt. 1811); im Fall einer von einem Soldaten schwangeren Jüdin „wurden indessen die gesetzlichen Vorschriften wegen des Verhaltens außerehelich geschwängerter Weibs- Personen bekannt gemacht“ (31. Mai 1811), u. a. m. Die Namensform in deutschen Dokumenten ist „Abraham Gedelia“, „Abraham Gedalge“ o. ä
JNUL Jerusalem 8o 2303 Handschrift aus seinem Besitz mit Disputationen gegen das Christentum, Alpha-Beta de-Ben Sira u. a. Texten; gehörte ihm und später seinem Sohn Salman T.
Manuskripte
Fuenn erwähnt eine umfangreiche hss. Überlieferung. Heute befinden sich Hss. vor allem im ¯IH Warschau, dort Ms. 275 autographische Sammelhandschrift, 107 Bl. [IMHM 30.670]
Vgl. auch die Handschriften des Vaters ebd., Ms. 659, mit Talmudauslegungen, 82 Bl. geschr. 1746 [IMHM 30.834] und ebd., Ms. 227 mit Responsen, 84 Bl. [IMHM 30.462].
Publikationen
Hebr. Rede anläßlich des Einmarsches der Alliierten in Paris, gehalten am 23. Juli 1815, mit dt. Übs. von Meyer Isaak Neumark (Lucas und Heitmann, Glogau, S. 247)
Pätah. ha-Bayith [I], Talmudproblemata mit Gerichtsurteilen und Responsen, Brzeg Dolny (Dyhernfurth) 1820, 107 Bl
Penoth ha-Bayith, Responsen, nur OH, Warschau 1881, 17 Bl
Pätah. ha-Bayith [II] zu YD, Krakau 1891, 104 S. [Expl. AIU Paris, H 4257, ZKH 2638]- Davar be‘Itto, zu den Pessachvorschriften, Warschau 1910, 209 S
Pätah. ha-Bayith [III], Homilien, Warschau 1916
Pätah. ha-Bayith [IV], zum Seder Mo‘ed nach Maimonides, Warschau 1926, 185 + 18 S
Ginnath Bethan; nach der Bibliographie bei Brann, „Landrabbinat“, S. 277
Halachische Korrespondenz mit Akiba Eger, in dessen Responsen, II, YD Nr. 7, 8, EE Nr. 3, 4, und mit Moses Sofer, siehe dessen Responsen, OH Nr. 122
Acht Approbationen, datiert Breslau 1805-1812 (Abr. b. Gedalja) und 1818-1820 (Abr. b. Gedalja Tiktin); Löwenstein, Index, S. 5, 198.
Epigraphik
Pinner, Grabschriften, S. 98.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis); bei Ziątkowski, Breslau, S. 71.
Literatur
Gedenkreden von Moses Sofer (Derašoth Nr. 321), Jakob Lorbeerbaum, M. H. Miro, Mos. Kroniker (’Eväl Yah. id, in Yemin Mošäh, 1824), Sal. Plessner