Sohn des Frankfurter Dajan Abraham Simon T. und der Ruchme Stiebel, 17. Mai 1785 Heirat mit Sara Spiro (st. 1811). Handelsmann in der Judengasse im Haus „Zum weißen Widder“. 1794 folgt er dem Vater im Amt, gehörte zur Frankfurter Delegation zum Sanhedrin, die allerdings erst zur letzten Sitzung am 8. März 1807 in Paris eintrifft. Lehnt aus Verbundenheit zu seiner Vaterstadt die ihm angetragenen Stellen in London, Preßburg und im Kasseler Konsistorium ab, 1817 Rabbinatspräses in Frankfurt/M. und Verweser des vakanten Oberrts., steht gegen den seit 1839 reformdominierten Gemeindevorstand zusehends mehr auf verlorenem Posten
tritt am 22. Apr. 1844 aus Protest gegen die Wahl von Leopold Stein zum „zweiten Rabbiner“ zurück. Unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung und nimmt Partei für Frankel gegen jene von 1845.
Dokumente
StadtA Frankfurt/M., Juden wider Fremde Ugb D 95, Nr. 22, Wechselforderung von April 1797, die seine Tätigkeit im Bankwesen dokumentiert
StadtA Frankfurt/M., Israelitisches Bürgerbuch 1812, S. 1: Bei der Emanzipation 1812 leistet er als Witwer den Bürgereid
StuUB Frankfurt/M. heb. 8° 228 Originale der an ihn gesendeten Gutachten gegen den Reformverein, 30 Bl
HStAWiesbaden, 365/247, fol. 503, Sterbeeintrag.
Manuskripte
Nach frdl. Mitteilung von Rabbiner Joseph Buchsbaum (Jerusalem) im September 1998 befinden sich hebr. Handschriften T.s in seinem Besitz
GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 1, Abt. XIIIa, Gen., Nr. 7, Bd. I, fol. 199, vom 18. Febr. 1844, Brief an den preuß. Außenminister in der Beschneidungsfrage (über frdl. Mittlg. von Manfred Jehle). T., „dem in seinem hohen Greisenalter noch der Schmerz auferlegt war, den Verfall des altehrwürdigen Gebäudes der geoffenbarten Religion erleben zu müssen“, zählt sich hier zu „den schwachen Anbetern des Allerhöchsten, gegen dessen heiliges Wort Abfall und Empörung aufzukommen und wuchernd um sich zu greifen droht“.
Publikationen
(Hrsg.) Rabbinische Gutachten über die Beschneidung, Frankfurt/M. 1844, mit seinen Beisitzern B. Adler und A. Fuld
Vier Approbationen, datiert Frankfurt 1822-1841; Löwenstein, Index, S. 200.
Literatur
Das Subskribentenverzeichnis der Fürther Talmudausgabe (1832) betitelt ihn als Rabbinatspräses und „Gaon“
Orient 1843, S. 285, postuliert in einem Schreiben den Beschneidungszwang für jüd. Knaben
S. Bloch, „Les réformateurs de Francfort et le synode“, Archives israélites 1844, S. 5-9, 39-44, 121-128
Orient 1844, S. 90f., will sich in der Beschneidungsfrage an den nächsten Bundestag wenden
Niederlegung seines Amtes; AZJ 1844, S. 260; Orient 1844, S. 145, 169
Nachruf AZJ 1846, S. 715: „Mit ihm ging der letzte Sprößling der alten Schule zu Grabe“
[Isaak Hirsch,] Heimleuchtung des Herrn Rabbiner Süskind, Fft./M. 1876, S. 8f: „Und wahrlich, wenn man durch einen Namen die Trostlosigkeit und den ganzen Jammer jener Zeit bezeichnen will, wenn man mit einem Worte kennzeichnen will, wie das gesetzestreue Judenthum in der alten Frankfurter Gemeinde in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts verfolgt und verrathen war - : man hat nur den Namen dieses im Gram über die damaligen Zustände dahingegangenen Mannes zu nennen“
Horovitz, Frankfurter Rabbinen, S. 330f
Dietz, S. 308
Erich Klibansky, „Les juifs de Francfort et le Grand Sanhédrin“, REJ 84 (1927), S. 96-99
Seligmann, Erinnerungen, S. 36f
Arnsberg, Neunhundert Jahre, S. 59, 73-77
Arnsberg, Frankfurter Juden III (1983), S. 504-506
Meyer, Response to Modernity, S. 123
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 92, 176, 192
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 81, 107, 148, 214, 276f, 403, 479, 515.