BHR Biographisches Portal der Rabbiner

WASSERMANN, Moses [von], Dr.

  • Geb. 15. Juli 1811 in Gunzenhausen, Mittelfranken,
  • Gest. 18. Oktober 1892 in Stuttgart
  • Sohn des Ansbacher Kaufmanns und späteren Rb. Salomon W. und der Brunette Weißkopf, Talmudstudien in Ansbach mit privatem Lateinunterricht bei Ludwig Feuerbach. Zweijähriges Studium (nach eig. Angabe 1827-29) in Würzburg an der Jeschiwa von Oberrb. Abr. Bing mit philologischen Privatstudien. Besuch des Gymnasiums und Abitur in Ulm, 5. Nov. 1829 (nach eig. Angabe Okt. 1831) imm. (phil.) Würzburg, WS 1830 (nach eig. Angabe 1831/32) imm. Tübingen, studiert dort bei Ludwig Uhland, 31. Mai 1832 prom. Tübingen, sodann zu den Eltern nach Laupheim, Nov. 1832 Meldung zur württ. Staatsprüfung, April 1834 geprüft und zum Rabbinatsverweser in Bad Mergentheim eingesetzt. 1835 Rabbinatsverweser in Mühringen bei Horb für den mit 1576 Seelen größten württ. Sprengel
  • dort am 3. März 1835 Heirat mit Helene Oberdorfer (geb. 1810), Tochter des begüterten Salomon O. aus Kriegshaber bei Augsburg. 1837 Beförderung zum Bezirksrb. in Mühringen. Nov. 1873 Bezirksrabbiner in Stuttgart, Kirchenrat
  • von den Orthodoxen als „der Romanschriftsteller“ verhöhnt, vom württ. König geadelt.

Dissertation

  • Über die Kategorien und die Art, wie dieselben aufgefaßt werden müssen. Eine philosophische Abhandlung, Diss. Tübingen 1832 (auch im Druck erschienen).

Dokumente

  • Matrikeleintrag bei Merkle, Würzburg, S. 1007
  • CAHJP Jerusalem, D/Wu1/2, Bd. II, S. 37, auf der Liste von Bings Talmudstudenten im Nov. 1827
  • UA Tübingen, 55/8b und 56/2 Nr. 2, Promotionsakten mit Gesuch und Vita vom 10. Mai 1832. Darin Erklärung des Geburtsortes; W.s Mutter, „apud parentes suos, qui Gunzenhauseni habitaverunt, commorans, me Idibus Iuliis anni millesimi octingentesimo undecimi peperit“. Die Chronologie der Vita widerspricht den Aufschlüssen der Matrikeln. Prof. Sigwart lobt an der Diss. „das unabhängige u. selbstständige Denken“ sowie den „einfachen u. klaren deutschen Ausdruck“, 30. Mai 1832
  • StA Ludwigsburg E 212 Nr. 132, Doktordiplom
  • StA Ludwigsburg E 212 Nr. 127 vom 14. Okt. 1834, Petition an den König mit Darstellung der traurigen Familienverhältnisse und Bitte um Heiratserlaubnis
  • HStA Stuttgart J 386/413 Blatt 144, jüd. Familienbuch Mühringen
  • CJA Berlin, 75 A Dr 1, fol. 60-61v Kandidatenliste für das Rt. in Dresden 1835
  • UA Tübingen, 131/32b, Nr. 43, Schriftverkehr wegen feierlicher Erneuerung des Doktordiploms 1882.

Publikationen

  • Ein Wort zu seiner Zeit, Stuttgart 1828
  • Predigt bei Einweihung der Synagoge zu Rexingen am 17. Ab 5597 (18. August 1837), Tübingen 1837
  • Gutachten zugunsten Abr. Geigers, 1. Sept. 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. I, S. 190- 203
  • Beitrag zu den Rabbinischen Gutachten gegen den Frankfurter Reformverein, 1844
  • Mitarbeiter der Zschr. der Orient (1847-50)
  • Das Mädchen von Chaibar. Roman aus dem Leben Muhameds, Stuttgart 1859 (unter dem Pseudonym: „Orientalis“)
  • Wahre Liebe. Drei Erzählungen, Stuttgart 1863, 168 S.; Neudruck Erfurt 1883 unter dem Titel: Drei Erzählungen für die reifere Jugend. Enthält: „Paule, der Sackzeichner“, „Der wackere Vetter“, „Hilfe zur rechten Zeit“
  • „Achtet die Kinder der Armen. Erzählung“, Achawa-Jahrbuch 1866
  • Gutachten ausländischer Rabbinen, S. 38-40, gegen die ungarische Trennungsorthodoxie
  • Juda Touro. Ein Gentleman semitischer Abstammung. Biographischer Roman, 2 Bde. Stuttgart 1875-1877, 224 + 129 S.; hebr. Übs. St. Petersburg 1896
  • Rede am Grabe der Frau Rebekka Adler, geb. Ulmer, 1882
  • Zum Andenken an den verewigten Herrn Privatier Eduard Pfeiffer, 1883
  • Rede am Sarge des verewigten Herrn Privatier Max Bach, 1886.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • Israelit 1861, S. 232, W., „der im Geruche der Neologie steht“, sei für das schweizerische Landesrt. gewählt worden
  • Lippe 1879/81, S. 517
  • AZJ 1892
  • Zum Andenken an den verewigten Herrn Kirchenrat Dr. von Wassermann, Reden, Stuttgart 1892
  • Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 270
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 889, danach geb. in Ansbach am 14. Juli
  • Wininger VI 217, mit derselben Angabe zum Geburtsort
  • Tänzer, Württemberg, S. 47, 75
  • DBE X 343f.