Sohn des Bettzeug- und Ellenwarenhändlers David Hänlein W., Schüler und einer der engsten Vertrauten von Wolf Hamburger an der Fürther Jeschiwa
lernt auch bei Moses Hechheimer in Ansbach. Der wohlhabende Zacharias Brüll in Schwabach wählt ihn zum Schwiegersohn und läßt ihn als Ortsrabbiner fungieren, 26. Jan. 1820 als „Brödling“ der Gemeinde aufgenommen in die Schwabacher Judenmatrikel
9. Febr. 1820 Heirat mit Caja-Freinle Brüll (1798-1825), die nervenkrank war und jung starb. Neben der Unterstützung durch den Schwiegervater erhält W. nur 150 fl. aus der ehem. ansbachischen Judenschaftskasse
offiziell wird er als Rabbinatsverweser geführt (in hebr. Quellen „Dajan“, d. h. subalternes Mitglied des Fürther Bet-Din). Seine zweite Ehe schloß er mit Jette (st. 1855). Seit 1825 verwaltet er einen der mittelfränk. Rabbinatsdistrikte. Seine Kandidatur um das Fürther Rabbinat wird 1830 von der Regierung unterbunden
als Bewerber in Hanau 1832 hat er keinen Erfolg. Agiert nach 1833 gegen die neuen Richtlinien in der Rabbinerausbildung und nach 1836 autoritär gegen die Reform der Synagogenordnung. Sein extrem orthodoxer Lehrplan von 1840, der nicht weniger als 22 Wochenstunden religiösen Unterricht vorsieht, sorgte für Kontroversen. Unterzeichnet 1844 gegen die Rb.-Versammlung, von Hamburger und den Fürther Orthodoxen 1846 als Gegenkandidat zu Löwi aufgestellt. In seinen letzten Lebensjahren leitete er eine Jeschiwa von durchschnittlich acht bis zehn Schülern.
Dokumente
StadtA Schwabach Verz. III, Nr. 155, isr. Standesregister (Fotokopie)
StA Nürnberg, RA 1932, Titel „Judensachen“, Nr. 87b Rabbiner zu Schwabach, 1815
Ebd., Tit. 13, Nr. 651, Bd. III, von 1825 enthält Abschrift seines Bestätigungsdekrets
CAHJP Jerusalem, S 302 Nr. 3 Rabbinatssachen, vor allem Gehalt, 1822-24
StadtA Schwabach, Israelitische Kultussachen IV.4, Nr. 16 Judensachen, namentlich die dem Rabbinatsverweser Wechsler zu bewilligende Zulage und den Lohn des Schächter Elsaßer, 1827
Nr. 42 Die Anstellung des Abrahem David Wechsler aus der Altersklasse 1796 als Verweser der Rabbinatsstelle dahier, 1820
Nr. 50 Die Führung eines besonderen Siegels durch die Rabbiner, 1840
Nr. 54 Das Gesuch des Rabbinatsverwesers Abraham Wechsler dahier um definitive Anstellung, 1839-40
Von ihm ausgestellte Rabbinatsdiplome für S. B. Bamberger, datiert 22. Feb. 1839 (StA Würzburg, RA 7161, unter dem 19. Apr. 1839) und für Meyer Feuchtwang, datiert 9. Juni 1846, im StA Augsburg, Regierung 11827, unter dem 27. Juli 1846.
Manuskripte
Gutachten und Anfrage über Schächterlizenzen; CJA Berlin, Responsensammlung von Rb. Moses Hechheimer, unnummerierte Stücke, ca. 1822
Zahlreiche Gutachten über Ritualbäder infolge des bayerischen Erlasses vom 24. Feb. 1829.
Publikationen
Korrespondenz mit Wolf Hamburger in dessen Œimlath Binyamin, Bd. I, fol. 10r, 25v (über einen Gürtler, dessen nichtjüd. Gesellen am Sabbat arbeiten), 28v, 41r, 93v, 150r, 156v, 162r
Polemik gegen Dav. Einhorn; AZJ 1846, S. 343f
„Sendschreiben des Distrikts-Rabbiners Abraham Wechsler zu Schwabach an den Herrn Rabbiner J. Pollak zu Trebitsch“, TZW 1846, S. 166f
Beiträge zu Ettlingers Šomer S. iyyon ha-Nä’äman: „Še’elah ‘al ‘inyan ta‘arovoth“ (S. 16), „Še’elah ve‘inyan h. ames. befäsah. “ (S. 18), „‘Od ‘al ‘inyan šetiyyath mayim lirefu’ah we‘al ‘inyan ši‘ur h. iyyuv ha-dam“ (S. 79-80), „Bedin ’aninuth ‘al meth befah. oth mi-šelošim“ (S. 109-110), „Tešuvah ve‘inyan ‘eduth qiddušin“ (S. 118), „Pe[ruš] divre ha-Tosef. be‘inyan mat. bea‘„ (S. 147)
Eine Approbation, datiert Schwabach 1845; Löwenstein, Index, S. 202.
Literatur
WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
Sein besonderer Gegner war der Schullehrer Simon Krämer in Altenmuhr. In IA 1841, S. 188f, 198f veröffentlicht dieser W.s als zutiefst reaktionär eingestuften Schulplan; W. sei „ein junger, thatkräftiger, aber intriguanter Mann“. Dgl. AZJ 1842, S. 277; Achawa 1865, S. 137
Für Krämer in INJ 1846, S. 264, ist W. „der steifste Anhänger des grassen Stabilismus“, „Abgott aller ’Frommen’„, „Antipode aller und jeder Neuerung“, „er, dem ein deutsches Buch zu lesen als eine der sieben Todsünden gilt“
AZJ 1848, S. 127, über Agitation mit S. B. Bamberger gegen die Emanzipation
Todesmeldung AZJ 1850, S. 608
Israelit 1866, S. 383, über seine Jeschiwa
L. Lamm, Isak Bernhard Lamm, Berlin 1915, S. 7, über seine Jeschiwa
Wachstein, Mafteah. ha-häspedim, I, S. 4
Weinberg, Memorbücher, S. 89, 221, 223
PK Bavaria, S. 364f, mit Porträt
Breuer, Orthodoxie, S. 398
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 50, Nr. 1114
Lowenstein, „The 1840s“, S. 282
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 390, 414, 521, 626.