Geb. 10. Juni 1818 in Treuchtlingen, Mittelfranken,
Gest. 25. Sept. 1886 in Bad Buchau, Württ
Talmudstudium in Kriegshaber bei Rb. Aron Gugenheim mit Besuch des Gymnasiums im nahen Augsburg
1838 Abitur das., sodann an die Univ. München, 1841 Staatsprüfung in Augsburg und rb. Ordination von Gugenheim, Skutsch (Treuchtlingen) und Hirsch Aub (München), Promotion in Würzburg mit weiteren Studien bei Rb. S. B. Bamberger, um 1844 wieder in Treuchtlingen, Tätigkeit als Privatlehrer in Büdingen (Nassau) und in Fulda, 1847 Distriktsrb. in Welbhausen b. Uffenheim, Bayern, mit nur 350 fl. Gehalt
von dem Ansbacher Rabbiner A. B. Grünbaum am 10. Aug. 1848 getraut mit der Kaufmannswaise Hanna- Chaie Weinschenk. 3. Aug. 1861 Bezirksrb. in Lehrensteinsfeld, Württ., versucht den Amtssitz vergeblich aus der „Einöde“ nach Heilbronn zu verlegen. 1862 Bezirksrb. in Bad Buchau
1863 prom. Tübingen. Mit den 170 Familien seines Sprengels herrscht kein gutes Einvernehmen, so daß er 1869 vergeblich nach „anderweitiger Bedienung“ sucht. Seit dieser Zeit beeinträchtigt ein rheumatisches Leiden seine Gesundheit
am 30. Juni 1883 erlitt er bei der Predigt einen Schlaganfall
sein Amt wird seit dem 1. Februar 1884 von dem Rabbinatskandidaten Straßburger versehen. W. ist bettlägerig und wird erst 1886 einer Pension gewürdigt.
Dokumente
StA Nürnberg RA 1932 Judensachen 164, 152-155, vom 17. Juni 1844 über Korruption und Stimmenkauf bei Rabbinerwahlen
StA Marburg, 100/3725, vom 16. Okt. 1853 erwähnt Bewerbung in Fulda
CAHJP Jerusalem, D/Ba28/21, Bewerbung in Bayreuth, 1857; er verdiente damals 550 fl. zuzüglich 150 fl. Emolumente
HStA Stuttgart E 201c, Büschel 41 Oberdorf vom 21. März 1861 und Lehrensteinsfeld vom 15. April 1861, Vorstellung durch die württ. Oberkirchenbehörde: Seine Gaben als Prediger werden auch vom christlichen Pfarrer gerühmt, „die theologischen Kenntnisse betreffend lauten dagegen die Zeugnisse, nach der Versicherung unseres theologischen Mitgliedes, ziemlich mittelmäßig“. Laut Maier rede er „äußerst monoton und auf die Dauer ermüdend“
StA Ludwigsburg E 212/125 Lehrensteinsfeld, Akten über dortige Bewerbung und Einsetzung; 20. Apr. 1861 Anstellungsbescheid; 26. Mai 1861 Gesuch um Verlegung des Rabbinatssitzes: „Kann ich es nun als eine Verbesserung ansehen, ein Dorf mit einer Einöde zu vertauschen, wo ich einer geistigen oder sonst höhern geselligen Erholung mich gar nie erfreuen kann?“ Er müsse „in einem solchen Weiler“ sein halbes Gehalt für die Internate der Kinder ausgeben und selbst „geistig ganz verkommen“
CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37 vom 12. Jan. 1863 Bewerbung in Bamberg. J. Aub gibt zu bedenken, daß W.s Probepredigt in Bayreuth seinerzeit durchfiel (26. März 1863)
HStA Stuttgart, Bestand E 201c, Büschel 45, über seine Krankheiten und Kuren.
Publikationen
Mit welchen Gedanken und Gesinnungen müssen wir die Schwellen des Heiligthums betreten? Predigt, gehalten bei der Einweihung der renovierten Synagoge zu Pappenheim am [...] 26. August 1842, Pappenheim 1842
Antrittsrede in Welbhausen, 1847
Meine Zeit steht in deiner Hand. Predigt zum 81. Geburtsfeste Sr. Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg in der Synagoge zu Buchau, 1862
Heiligt das fünfzigste Jahr, 1863
Der treue Lehrer. Rede bei der Beerdigung des Leopold Hochheimer, Schulmeister und Vorsänger in Kappel, 1865
Vertrauen auf Gott und den König. Predigt zum Geburtsfeste Sr. Majestät des Königs Carl von Württemberg, 1865
Fünf Zeitpredigten in der Synagoge zu Buchau, 1866 (Expl. im HStA Stuttgart, Best. E 201c, Büschel 72). Enthält: „Sünden unserer Zeit“, „Trost unserer Zeit“, „Das Heil unserer Zeit“, „Das Zählen unserer Zeit“, „Die Versöhnung unserer Zeit“; siehe AZJ 1866, S. 741
Jacob’s Heimreise. Rede am Grabe des sel. Jacob Bernheim in Buchau, Esslingen 1867
Das Herz Joseph’s. Rede bei der Beerdigung des Kirchenvorstehers Joseph Neuburger, Ulm 1867
„Predigt bei der deutschen Siegesfeier“, in Kayserling, Kanzelredner, Bd. II, S. 264ff
Rede zum Abschiede aus der Synagoge Kappel, bei der Vereinigung der dortigen isr. Gemeinde mit der zu Buchau am 10. Mai 1873 und Chronik der Geschichte der isr. Gemeinde Kappel, München 1873
Blätter zum ehrenden Andenken an den sel. Abr. Wälder, Stadt- und Bezirksrabbiner für Laupheim-Ulm, Ulm 1876, 18 S
Rede am Grabe der sel. Jungfrau Mathilde Josef Moos in Buchau, 1878
Rede am Grabe der sel. Witwe Frau Babette Einstein geb. Kohn, 1879
Rede am Grabe des sel. L. A. Erlanger in Buchau, 1879.-Erinnerungen an den jüdischen Friedhof zu Buchau, 1879
Reden und Schweigen. Abschiedsworte an seine Gemeinde in Buchau, 1886 (4 S., Expl. im HStA Stuttgart, Best. E 201c, Büschel 55).
Literatur
Israelit 1860, S. 25, Protest gegen Philippson-Bibel
AZJ 1862, S. 242, Amtsantritt in Bad Buchau
AZJ 1866, S. 148, Verabschiedung eines Lehrers der jüd. Volksschule
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 263-269
Lippe 1879/81, S. 521
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805: „Predigten ohne besondern Werth“