BHR Biographisches Portal der Rabbiner

ZIRNDORF, Heinrich

  • Geb. 7. Mai 1829 in Fürth,
  • Gest. 17. Dez. 1893 in Cincinnati
  • Knabenpensionat in Fürth, mit 14 Jahren Handlungsgehilfe
  • bricht aus der Kaufmannslaufbahn aus und betreibt betreibt Privatstudien der deutschen, französischen und englischen Literatur, Sommer 1848 nach Nürnberg zur Vorbereitung für das Gymnasium, Okt. 1848 zum Obergymnasium nach München, das er bis zur Sekunda besucht
  • Herbst 1852 Gasthörer in klass. Altertumswissenschaft und Philologie an der Universität München, Privatstudien in der jüdischen Literatur. Mai 1855 Assistent und Bibliothekar an der Religionsschule in Wien, Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1859, S. 330, Nr. 532)
  • 17. Okt. 1857 Prediger, Religions- und Oberlehrer in Liptovský Mikuláš (Liptau-St.-Nikolaus), Slowakei, nach einem halben Jahr als unqualifiziert entlassen
  • 1858 Bewerber in Strelitz und Ablehnung, da er keinerlei rb. Qualifikation habe, geht 1859 nach Frankfurt/M.
  • 1860 als Erzieher nach England. 1873 Rektor des hebr. Töchterinstituts in München, Bewerber in Pleszew (Pleschen), Prov. Posen (1875). 11. Feb. 1875 Niederlassung in Fürth, Seminardirektor in Münster. Mit seiner Frau, Emma Gustorf aus Kassel (geb. 1846), verläßt erMünster am 13. Juli 1876 zur Auswanderung in die USA
  • 1876 Rb. der Congregation „Beth El“ in Detroit, und 1884 Professor für Geschichte am HUC in Cincinnati.

Dokumente

  • CJA Berlin, 1, 75 A Str 3 Nr. 22, enthält Bl. 70-78 sein langes Bewerbungsschreiben nach Strelitz, 1. Aug. 1858; Bl. 178r das Gutachten des Vorstands in Liptovský Mikuláš, 23. Jan. 1859: „Bald nach Ankunft des Herrn Zirndorf bewies sich seine Kenntniß in der hebräischen Sprache als viel zu gering, um ihn zum Lehrer derselben zu befähigen. Sein Mangel an talmudischem Wissen störte in seiner Stelle als Lehrer nicht; dagegen mußte seine Unbekanntschaft mit jüdischen minhagim und seine öfteren Verstöße gegen dieselben und gegen allbekannte dinim trotz aller Toleranz und Freisinnigkeit unangenehm berühren. [...] Die Rücksicht aber auf die Würde der dem Herrn Zirndorf hier eingeräumten Titel, und die Achtung, die seine übrigen so bedeutenden Kenntnisse namentlich in der deutschen Sprache und Litteratur einflößten, ließen uns den Ausweg vorziehen, daß er durch eine ehrenwerte Mittelsperson veranlaßt wurde, selber seine Entlassung zu verlangen“
  • StadtA Fürth, Familienbogen „Dr. Zirndorfer, Heinrich, Seminar- Direktor“, Geburtsdatum hiernach 7. März 1829.

Manuskripte

  • Nachlaß in den American Jewish Archives in Cincinnati (Umfang 1,6 ft.), enthält Papiere aus den Jahren 1832-93, darunter Korrespondenz mit Sam. Kalisch, Kohler, Kohut, Lilienthal, Jos. Krauskopf, Sal. Sonneschein, I. M. Wise u. a.

Publikationen

  • Kassandra, Drama, 1856
  • Lehrberuf in Israel. Predigten gehalten in der Synagoge zu Alt- Strelitz, 1859
  • Gedichte, Leipzig 1860, xii + 308 S
  • Ueber jüdisch-religiöse Bildung im Seminare der Gegenwart, 1875
  • Mehr Licht! Predigt gehalten am Jom Hakippurim 5635 in der Synagoge zu Münster, Leipzig 1876
  • The Thanksgiving of the Patriot. A Sermon Delivered on the Public Thanksgiving Day, Cincinnati 1877
  • „Der ewige Kain“, Predigt, Jewish Times 9 (1877/78), Nr. 47, S. 6f
  • „Schrift und Siegelung“, Predigt zu Jom Kippur, Deborah 28 (1882/83), S. 173
  • „Leopold Stein. Denkrede, gehalten vor der Beth-El Gemeinde“, ebd., S. 236f
  • „Gedächtnisrede auf den General Ulysses S. Grant“, Deborah 31 (1885), Nr. 18, S. 5; Nr. 19, S. 5f
  • Isaak Markus Jost und seine Freunde. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Gegenwart, Cincinnati 1886; 2. Aufl. 1887
  • „Montagsplaudereien: Die Konstituirung einer jüdisch-amerikanischen Publikationsgesellschaft“, Deborah 31 (1888), Nr. 51, S. 4f; Nr. 52, S. 4f
  • „Matnat Jad, oder das Prinzip der Freiwilligkeit im heiligen Dienste“, Predigt, Deborah 35 (1889), Nr. 16, S. 5; Nr. 17, S. 5f
  • Some Jewish Women, engl. Übs., 1892
  • Dramen.

Literatur

  • Lippe 1879/81, S. 551
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 884, 887
  • JE XII 687
  • Wininger VI 364f
  • Brämer, Rabbinat und Vorstand, S. 106f.