Geb. 21. Mai 1807 in Soultz sous-Forêts (Sulz a. W.), Unterelsaß,
Gest. 3. April 1890 in Straßburg.
Sohn des Kaufmanns Lion (Léopold) A. und der Zerlé Alexandre (alias Charlotte Heymann), Bruder von Rb. Alexandre A.
Studium in Haguenau, Mannheim und Frankfurt a. M., Rabbinerdiplom an der Mannheimer Jeschiwa
22. April 1829 nominiert als Rb. in Hegenheim, Oberelsaß
amtierte dort 1830-1834
1833 gewählt in Straßburg. Seit 26. Mai 1834 bis 1889 OR in Straßburg
bei Amtsantritt benötigte er eine Ausnahmegenehmigung, da er das vom Gesetz vorgeschriebene Alter von 30 Jahren für dieses Amt noch nicht erreicht hatte. Im Konsistorium wandte er sich gegen die Bestrebungen der Laienmitglieder, den Ritus zu modifizieren
lehnte den Anspruch der obersten Autorität des Generalkonsistoriums ab. Positionierte sich gegen Versuche, die Funktion der Rabbiner jener der katholischen Priester anzunähern
erlaubte 1845 die Einführung einer Orgel anläßlich eines Ehrengottesdienstes für den Herzog von Orléans in Straßburg
1856 Teilnehmer einer Rabbinerversammlung, auf der offiziell die Einführung der Orgel in den Synagogen beschlossen wurde. Hrsg. eines französisch-sprachigen Gebetbuches. Sein Interesse an der Ausbildung der Jugend ließ ihn zahlreiche Schulen inspizieren
1842 Mitbegründer der israelitischen Handwerksschule in Straßburg zur Förderung handwerklicher und landwirtschaftlicher Berufe in der jüdischen Bevölkerung. Konsistorialpräsident in Straßburg
1868 zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. 1870 hißte er während der Belagerung von Straßburg gemeinsam mit dem Fürstbischof die weiße Flagge an der Kathedrale
in der Folgezeit Auszeichnung mit dem Kronorden durch Kaiser Wilhelm. Bekannt als eloquenter Prediger und unermüdlich in der Gemeindearbeit tätig
setzte sich öffentlich gegen den Antisemitismus zur Wehr und erreichte das offizielle Verbot eines antisemitischen Pamphlets. Verheiratet mit Caroline Franck
fünf Kinder.
Dokumente
NA Paris F19/11056.
Publikationen
« Rapport sur le projet d’ordonnance contenant organisation du culte israélite, présenté au consistoire israélite de Strasbourg », Archives israélites 1 (1840), S. 119-131
« Rapport » [sur les écoles primaires israélites du Bas-Rhin], ebd. 4 (1843), S. 279-290
« [lettre à] Monsieur le rédacteur [sur le costume des rabbins] », ebd., S. 619-622
Mit-Autor des ’Imre lev. Prières d'un coeur israélite, livre d'offices et recueil de prières et de méditations pour toutes les circonstances de la vie, 1848; 2. Aufl. Straßburg 1853; 3. Aufl. Paris 1861, u. a
Éloge funèbre de M. Marchand Ennery, grand rabbin du Consistoire central des Israélites de France, prononcé le 5 septembre 1852 au temple israélite de Strasbourg, Straßburg 1852
Circulaire (…) aux rabbins communaux et fidèles de sa circonscription pour recueillir la somme nécessaire à l’envoi en Crimée de deux rabbins. 4 décembre 1855, Straßburg 1855. Verfaßte ein Lehrbuch für den Religionsunterricht.
Epigraphik
Begraben auf dem Friedhof Straßburg-Koenigshoffen.
Bildmaterialien
A Guide to Jewish Monuments in France, eingeleitet von P. R. Roland-Marcel, Paris o. J. [1937?], S. 34