Sohn des Hauptlehrers Löb E. und der Babette-Chaje König
Volksschule, Bürgerschule in Buchen, mit vierzehn Jahren auf das Lyzeum in Karlsruhe
Talmudunterricht bei Oberrat Josef Altmann. 1868 Abitur in Karlsruhe, Studium an JTS und Univ. Breslau
Mitbegründer der „Amicitia“
28. April 1873 Promotion in Halle, 1877 Rabbinatszeugnis. 1878-1900 Bezirksrb. in Bruchsal. Sein Lehrer, Prof. Jakob Levy, Breslau, empfahl ihn 1888 für das Beuthener Rt.: „H. Dr. Eschelbacher ist, soviel mir bekannt ist, wahrhaft religiös, charaktervoll, ein tüchtiger Redner und eine angenehme Erscheinung mit gewandten, herzgewinnenden Umgangsformen (...).“ 1887/88 Begründer des „Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden“. Am 24. April 1894 wird ihm durch den Großherzog das Ritterkreuz I. Klasse vom Orden der Zähringer Löwen verliehen, das 1900 mit Eichenlaub bekränzt wird. Ab April 1900 Rb. in Berlin
Vertreter der Gemäßigten
Leiter der Religionsschule Annenstraße 1b des Luisenstädtischen Brüdervereins Ahawas Reim, die 1901 als VII. Religionsschule von der Jüdischen Gemeinde übernommen wurde. 1918 Rb. in der Oranienburger Str. 68
wohnhaft Oranienburger Straße 22. Vorstandsmitglied im ADR und im Central-Verein
Mitbegründer der Mittelpartei
1904 Gründungs- und Vorstandsmitglied im Verband der deutschen Juden. Präsident der Montefiore- Loge, Berlin
Mitbegründer des Jaffaschen Fürsorge- und Waisenheims der Großloge, der Vereine zur Unterstützung der jüdischen Taubstummen und Blinden sowie der „Toynbee-Halle“, einer Volks-Bildungsstätte der Berliner Logen. Mitglied des Berliner Lokalkomités der Alliance israélite universelle. 1902 Mitbegründer des „Fürsorgevereins für hilflose jüdische Kinder“ in Berlin
Ausschußmitglied im Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland
Präsidiumsmitglied des „Deutschen Verein für Kinderasyle“. Mitglied im Berliner Talmud-Verein
Vorstandsmitglied des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin. Mitglied im Hebräischen Literaturverein Mekize Nirdamim. Seine Ehefrau Ernestine, geb. Benario (1858-1931), engagierte sich in der jüdischen Frauenarbeit
sie initiierte Schwesternlogen und baute die Fürsorge für verlassene Frauen sowie die Kinder- und Säuglingsfürsorge aus
sie führte auch die von ihrem Mann in die Wege geleitete Wohlfahrtspflege nach seinem Tod fort
tätig im Vorstand des Jüdischen Frauenbundes, in die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin gewählt, 1927 im Ehrenausschuß der Wohlfahrts-Lotterie der „Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden“. Der Sohn Max E. folgte seinem Vater ins Rabbineramt.
Dissertation
Versuch einer Geschichte der israelitischen Stämme, mit besonderer Berücksichtigung der im Segen Jakobs, im Segen Mosis und in dem Liede der Debora über dieselben enthaltenen Angaben, Diss. Halle 1873 (nur als Manuskript vorhanden).
Dokumente
Geburtenregister Hainstadt
GLA Karlsruhe 390/754, S. 225
CJA Berlin, 1, 75 A Be 4 Nr. 40, fol. 65
Ebd. Be 2 Nr. 274 (unfoliert)
Ebd. 75 B Ka 1 Nr. 22, fol. 204-205v
Ebd. 75 E Nr. 286, fol. 1.
Publikationen
Zwei Reden über den Talmud in der Synagoge in Bruchsal gehalten, Trier 1892 (rez. in JP 25.08.1892)
„Das Judentum und die Nichtjuden“, AZJ 03.06.1892 (Jg. 56, Nr. 23)
Der konservative Protestantismus und das Judenthum. Rede 1884, Berlin 1898
„Zur Gebetbuchfrage“, AZJ 02.09. 1898 (Jg. 62, Nr. 35)
Rede an der Bahre des verewigten Dr. Hillel Sondheimer Bezirks- und Conferenz-Rabbiners in Heidelberg am 19. Juni 1899, 1899, von den Hinterbliebenen in Druck gegeben
„Zacharias Frankel“, MGWJ 45 (1901), S. 227- 243
„Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christenthums“, MGWJ 46 (1902), S. 119-141, 229-239, 407-427, und MGWJ 47 (1903), S. 53-68, 136-149, 249-263, 434-446, 514-534
„Trauerrede für Theodor Herzl“, JR 22.07.1904 (Jg. 11, Nr. 29), S. 309- 312
Das Judentum und das Wesen des Christentums, Berlin 1905 (rez. u. a. von Dr. Beermann, IWB 10.03.1905; von Dr. Doctor, IFH 06.04.1905; von Arthur Kahn, Bericht der Grossloge U. O. B. B. 01/1906); 2. Aufl. 1908 (rez. u. a. in Israelit 23.01.1908 [Jg. 49, Nr. 4]; Bericht der Grossloge U. O. B. B. 02/1908)
Das Judentum im Urteil der modernen protestantischen Theologie, Leipzig 1907 (rez. von I.A. Rosenthal, JP [Jg. 38, Nr. 25] u. JP 28.06.1907 [Jg. 35, Nr. 26]); Übersetzungen ins Russische und Hebräische
„Zur Geschichte und Charakteristik der paulinischen Briefe“, MGWJ 51 (1907)
Michael Sachs, ein Lebensbild, 1908
Rezension von Michael Sachs, Vortrag. Festschrift zur Feier des 100. Geburtstages von Michael Sachs, Berlin 1908, in JLB 31 (1908/1909)
„Aufgaben einer jüdischen Apologetik“, Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden 3 (1908), S. 1-10
„Michael Sachs“, MGWJ 52 (1908), S. 385-425, 540-559
Unsere Tora, 1909
„Ueber den Satz ‚Aug’ um Auge, Zahn um Zahn“, Gemeindeblatt (Berlin) 08.09.1911 (Jg.1, Nr. 9)
ha- Yahadut u-mahut ha-nozriyut (u. a.), 1912
Rezension von J. Weigl, Eine neue Schrift über das Judentum, in IdR 18 (1912)
„Die Anfänge allgemeiner Bildung unter den deutschen Juden vor Mendelssohn“, FS Martin Philippson zum 70. Geburtstag, 1916
„David Friedländer, seine Zeit. Der Vorläufer Moses Mendelssohns“, Ort/Jahr ? Mehrere Predigten und Reden (u. a. „Rede auf der Rabbinerversammlung in Frankfurt“, 1902; „Zwei Reden über den Talmud“, 1902; „Das Wesen des Deutschtums nach jüdischer Auffassung“, 1907 [ediert in Micha’el. Me’asef le-toledot ha-yehudim bi-tefus. ot (On the History of the Jews in the Diaspora) 2 (1973), S. 178-190.]; „Die modernen jüdischen Bestrebungen zur Kolonisation Palästinas”, 1911).
Epigraphik
Bestattet am 5. Dez. 1916 in der Ehrenreihe des Friedhofs Berlin-Weissensee; Etzold u. a., Jüdische Friedhöfe in Berlin, 1988, S. 95.
Bildmaterialien
Ost und West 4 (1904), S. 761
Ost und West 12 (1912), S. 1000
Ost und West 17 (1917), S. 31
Elmar Weiss, Der Gerechte lebt durch seine Treue, 1996, mehrfach
Heuberger u. Backhaus, Leo Baeck, 2001, S. 152.
Literatur
Israelit 16.05.1894 (Jg. 35, Nr. 38/39), S. 711
Israelit 09.04.1900 (Jg. 41, Nr. 29), S. 610
Israelit 13.09.1900 (Jg. 41, Nr. 74), S. 1520
Brann, Geschichte JTS, 1904, S. 156
GB 03.03.1911 (Jg. 75, Nr. 9), S. 2
Handbuch 1913, S. 17
Israelit 07.12.1916 (Jg. 57, Nr. 49), S. 5
GB 08.12.1916 (Jg. 80, Nr. 49), S. 1
I. Elbogen, AZJ 15.12.1916 (Jg. 80, Nr. 50), S. 593f
Ost und West 17 (1917), S. 31f
Israelitisches Familienblatt 25.11.1926
JL II, S. 510
Wininger II, S. 194f
CVZ 23.09.1927 (Jg. 6, Nr. 38), S. 540
EJ dt. VI, S. 771f
UOBB, S. 45
„Ernestine Eschelbacher gestorben”, Gemeindeblatt (Duisburg), 18.07.1931 (Jg. 4, Nr. 11), S. 4
W. Suchier (Hrsg.), Bibliographie der Universitätsschriften von Halle-Wittenberg 1817-1885, Berlin 1953, S. 504 (Nr. 3636)
EJ engl. VI, S. 886
Curt Wilk, „Eine Zierde der jüdischen Wissenschaft. Zum 50. Todestag von Rabbiner Josef Eschelbacher“, AW Nr. ?, 1966
Hundsnurscher und Taddey, Baden, 1968, S. 21, 119
Lowenthal, Preußen, 1982, S. 57
PK Baden-Württemberg, S. 185, 275, 321
Fehrs, Jüdische Schulen, 1993, S. 92
Krüger, 1993, S. 220
Neue Synagoge Berlin, 1995, S. 100, 142
Ingrid Littmann-Hotopp, ‚Bei Dir findet das verlassene Kind Erbarmen’. Zur Geschichte des ersten jüdischen Säuglings- und Kleinkinderheims in Deutschland (1907- 1942), Berlin 1996, S. 25
Elmar Weiss, Der Gerechte lebt durch seine Treue, 1996
Barbara Schäfer, Berliner Zionistenkreise. Eine vereinsgeschichtliche Studie, Berlin 2003 [minima judaica 3], S. 89