Geb. 2. Okt. 1837 in Babimost (Bomst), Prov. Posen,
Gest. 20. Sept. 1892 in Emden
1854 zum Jüdisch-theologischen Seminar nach Breslau, 25. Okt. 1860 imm. an der Universität das. als Hörer ohne Reifezeugnis, 27. Juni 1863 Rabbinatsdiplom nach vorgezogener Prüfung, im selben Jahr prom. Leipzig. Auf besondere Empfehlung Zach. Frankels 1863 Rb. in Mirosławiec (Märkisch-Friedland), 1867 Rb. in Stargard Szecziñski (Stargard in Pommern), am 19. Mai 1873 gewählt zum Landesrb. von Ostfriesland und Osnabrück mit Sitz in Emden, aber erst am 2. April 1875 in sein Amt eingeführt. Nach 1882 ist er auch für den Landesrt.- Bezirk Stade zuständig.
Dissertation
Über die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung nach mosaisch-talmudischer Lehre, Diss. Leipzig 1863; Druckausgabe Breslau 1867 (ursprünglich Preisarbeit des Jüd.-theol. Seminars).
Dokumente
AU Wrocław, F 437, S. 32: „Paulus Buchholz“
UA Leipzig, Pro-Cancellar-Buch der Philosophischen Fakultät, B 128a, S. 222, Promotionseintrag „Paulus Buchholz Bomstiensis“
CJA Berlin, 75 A Ma 1 Nr. 17, fol. 27, vom 23. Jan. und 8. Juli 1863, Bewerbung in Mirosławiec (Märkisch-Friedland); er wolle nach bestandener Rabbinerprüfung bis Anfang August „in ein Bad gehen“
CJA Berlin, 75 A Sta 2 Nr. 47, mit Bleibeverhandlungen in Stargard Szecziñski, Mai bis Juli 1873. Man biete ihm in Emden eine lebenslange Anstellung; und er wolle nur bei Bewilligung eines 10jährigen Kontraktes auf den Wechsel verzichten. Es sei nötig, „die Stellung des Rabbiners aus der unwürdigen Situation zu erheben, in kurzen Zwischenräumen stets wieder vor der Lebensfrage ’Sein oder Nichtsein’ zu stehen“. Er nimmt schließlich einen Fünfjahreskontrakt an; nach Streitigkeiten mit dem Kantor wegen des Religionsunterichts kündigt er aber zum 1. April 1875
StA Aurich, Rep. 15, Nr. 12520-12521 Wahl, Anstellung, Amtsverhältnisse in Emden, 1874-1893
Ebd., Rep. 16/2 Nr. 1602 Inspektionsreisen ab 1885
Ebd., Nr. 1641 Beschwerde von Jacob Pels gegen B. und Erklärung des letzteren über die „erbitterte Feindschaft“ zwischen den beiden, 1889
Ebd., Nr. 1650 Auseinandersetzung mit Synagogenvorstand in Emden, 1890
StA Osnabrück, Rep. 335, Nr. 9388 Berichte über Inspektionsreisen, 1876.
Publikationen
„Historischer Überblick über die mannigfachen Codificationen des Halachastoffes“, MGWJ 13 (1864), S. 201-217; 241-259
„Die modernen Romanciers und die Juden“, AZJ 1865-66
„Ma’amar Mårdechai“, Ha-Maggid 15 Nr. 11
Bericht über die Religionsschule zu Stargard in Pommern
„Zur Charakteristik der Debatten über die confessionslose Schule im preussischen Abgeordnetenhaus“, AZJ 1869, S. 25
Reden, gehalten bei Einweihung der neuen Synagoge zu Pyritz, Berlin 1870
„Das moderne Risches“, IWS 1870, S. 129
„Das deutsche Volk und die Juden“, IWS 1871, Nr. 29ff
Rede, gehalten bei der Einweihung der neuen Synagoge zu Bomst, Glogau 1871
„Ein alter bibliographischer Irrtum betr. Verwandtschaft des Mordechai b. Hillel mit R. Elieser b. Nathan“, MGWJ 20 (1871), S. 424-427
„R. Asarja Figo und seine Predigtsammlung ’Bina le-Ittim’„, Lbl. 1 (1872), S. 13, 18, 22, 24, 29, 32
„Die beiden Isaac aus Dampierre“, MGWJ 21 (1872), S. 417-421
Über häusliche Erziehung, Vortrag, 1874
Streitschrift gegen Pastor Hafermann, Emden 1876
„Bemerkungen zu Hausraths ’Neutestamentliche Zeitgeschichte’„, Lbl. 1878, Nr. 28-31
„Zur antisemitischen Pseudowissenschaft“, ebd. 11, S. 181, 185, 189, 193
„Der Antisemitismus in der Kritik“, ebd. 13, S. 25
„Die Tossafisten als Methodologen. Beitrag zur Einleitung in den Talmud“, hrsg. Joel Müller, MGWJ 38 (1894), S. 342-359, 398-404, 450-462, 549-556
Gelegenheitsreden, Jahresberichte der Religionsschule, sowie Abhandlungen und Rezensionen in IWS, Lbl, AZJ.
Literatur
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 42, nennt Wolff Buchholz (B.s Vater?) als Rabbinatsverweser in Babimost
Lippe 1879/81, S. 58
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 769, mit Todesdatum 26. Sept. 1892
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 148f
JE III 414
Heppner und Herzberg, S. 315
Wininger I 475 (hier: Paul B.)
Asaria, Juden in Niedersachsen, S. 185, 227f, 257f.