Sohn des Handwerkers Josef L. und der Maria, geb. Infelder
Schwiegersohn des Großhändlers Leopold Hirsch in Leipzig. Vier Jahre auf dem Gymnasium in Sillein (Žilina), Besuch der Jeschiwot in Waitzen (Vác) b. Budapest und Preßburg (Bratislava), Herbst 1871 Abitur am Lyzeum in Preßburg, 1871-1874 Univ. Wien (phil. Absolutorium am 17. Juli 1874) und Bet ha-Midrasch in Wien
Schüler von Adolf Jellinek und Meir Friedmann, 1874 Rabbinatsexamen. 1875 liberaler Rb., Prediger und Religionslehrer in Nordhausen, Sachsen, und zugleich ab Nov. 1875 Rb. im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, Thüringen. In seiner Amtszeit wurde in der Synagoge ein Harmonium installiert
Anfang der achtziger Jahre initiierte er in Nordhausen die Gründung eines Altersheims für Bedürftige aller Konfessionen
1880 publizierte er eine Liturgie für Beerdigungen in der Gemeinde Nordhausen. 1879 Bewerber in Stettin. Sein Promotionsgesuch in Tübingen 1884 mit der Abhandlung Der pädagogische Begriff der Concentration scheiterte an der mündlichen Prüfung, 18. Dez. 1891 Promotionsprüfung in Erlangen. Seit 1883/84 bis zu seinem Tod erster Prediger (1907 wurde der Titel „Rabbiner“ eingeführt und ihm und Paul Rieger verliehen) und Religionslehrer am Israelitischen Tempelverein in Hamburg, amtierte seit 1917 außerdem an der Neuen Dammtor-Synagoge, wurde anlässlich seines 70. Geburtstags und 40jährigen Dienstjubiläums zum Oberrabbiner des Tempelvereins ernannt. Salomon Rülf schrieb in seinen Erinnerungen über ihn: „Dr. Leimdörfer hatte durch seinen Kollegen [gemeint ist hier Jakob Sonderling] viel gelitten. Denn dieser hatte ihn mit seiner glänzenden Rednergabe und seinem weltmännischen Auftreten in den Schatten gestellt.“ 1878 Mitbegründer der „Vereinigung der Rabbiner, Prediger, israel. Lehrer und Vorbeter in Thüringen“
Leiter der „Gabriel Riesser-Vereinigung“. Gründete mit Cäsar Seligmann eine Religionsschule
Gründer von zwei jüdisch-wissenschaftlichen Vereinen. Vorstandsmitglied im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Hamburg (1913), außerordentliches Mitglied beim DIGB.
Dissertation
Das Heilige Schriftwerk Koheleth im Lichte der Geschichte, Diss. Erlangen 1891 (Neustrelitz).
Dokumente
UA Wien Phil. Fak. Nationalien Sign. 56, 1871/72 L-Z; Protokoll f. Absolutorien R 49.6, Nr. 602
UA Tübingen 131/34b, 34
UA Erlangen C4/3 b Nr. 1521
CJA Berlin, 1, 75 C Ra 1 Nr. 4, fol. 66
Ebd. 76 A Ste 3 Nr. 67, fol. 80-80v.
Publikationen
Trauungs-Rede zur Vermählungsfeier des Herrn Hof-Agenten Felix Bör mit Fräulein Pauline Bach, gehalten in der Synagoge zu Nordhausen am 2. Sept. 1877, 1877
Die milden Gaben der geoffenbarten Lehre. Festpredigt gehalten am Offenbarungsfeste 5638 (7. Juni 1878) nebst einem Anhang Gebete für Se. Majestät der Kaiser, 1878
Worte der Trauer gesprochen am Grabe des am 11. Juni verstorbenen Isaak Schlesinger, Nordhausen 1878
Grabrede an der Bahre der Frau Johanne Warenheim geb. Schlesinger; gehalten am 10. April 1879, 1879
Dem Manne lichten Geistes und großen Herzen dem edelsinnigen Stifter der Altersversorgungs-Anstalt zu Nordhausen Herrn Jacob Plaut, 1880
Eine Lection für den Redacteur des „Ilfelder Wochenblatt“ am 26. Februar 1880, dem Denktage der Vernichtung Hamans, 1880
Gotthold und Moses: Ein Männer-Bildungsverein; zugleich eine zeitgemäße Antwort auf die unzeitgemäße Judenfrage, 1880
Liturgie bei Beerdigungen in der Synagogengemeinde Nordhausen, Nordhausen 5640 (1880)
Rede, gehalten am Grabe der am 17. April 1880 entschlummerten Frau Betty Oppenheimer geb. Rosenbach, 1880
Unter Debora's Palme. Rede bei der Bestattung der Frau Jeanette Meyersberg geb. Paderstein; gehalten am 22. Jan. 1880, 1880
Die Altarsflammen. Trau-Predigt am Tage der Vermählung des Herrn Simon Kahn mit Fräulein Berta Grunsfeld, 1881
Die Hochziele des Gotteshauses. Festrede zur Einweihung der neuen Synagoge zu Bleicherode am 1. Juni 1882, 1882
Moses’ erste Predigt. Rede gehalten im israelitischen Tempel zu Nordhausen am 1. Schewat 5642/21. Januar 1882, 1882
Zwei Reden: 1. Die Religion der Liebe; 2. Das Priesterthum Israels, gehalten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg am 11. und 12. Nov. 1882, 1882
Der Gottesruf am Neujahrsfeste. Festpredigt gehalten am 2. Neujahrstage 5644 im israelitischen Tempel zu Hamburg, 1883
Ein Feststrauß dem Ewigen über Aboth 2,15.: fünf Festpredigten gehalten an den Herbstfeiertagen 5645 im israelitischen Tempel zu Hamburg, 1884
Religionslehre, 1884
Der Prediger Salomon oder das Gotteswort auf der Höhe. Ein Denkmal für den Vater der jüdischen Kanzelrede, Dr. Gotthold Salomon, weiland Prediger am Israelitischen Tempel zu Hamburg, am Schlusstage des 100. Jahres nach seiner Geburt auf desselben Kanzel errichtet in einem homiletischen Vortrage, Hamburg 1885
Der Familie hohe Zeiten. Fest-Rede zur goldenen Hochzeits-Feier des Herrn Josef Liebermann und seiner Ehegattin Frau Emilie geb. Zender; am Sabbat 31. December 1887 nebst einem Gebete, 1887
Gedächtnisrede anläßlich der Gedenkfeier und Enthüllung einer Erinnerungstafel im israelitischen Tempel zu Hlinik für den seligen Freiherrn von Popper de Podhragy, 1887
Schema Jisrael, Israels Bekenntnis in Vorträgen gehalten im Winter 5648/1888 im israelitischen Tempel zu Hamburg, Hamburg 1888
Der Hamburger Tempel zum 70jährigen Denktage seiner Begründung: zwei Kanzelreden gehalten im israelitischen Tempel zu Hamburg am 20. Oct. und 3. Nov. 1888, 1889
Die Zelte der Frommen. Festrede zur goldenen Hochzeit des Herrn Rabbiner, Professor Phillip Heidenheim und seiner Ehegattin, Frau Lina geb. Leser, Sondershausen 1889
Olive und Weinstock. Gottesdienstlicher Vortrag gehalten am Sabbat P. Noah 5651, 18. Oct. 1890 im Israelitischen Tempel zu Hamburg, 1891
Zwei Festpredigten: I. Das Leben ein Traum, der Traum ein Leben; II. Die Pforten der Hölle und der Versöhnungstag, 1891
„Die Philosophie in der Rhetorik Jellineks. Zum 70. Geburtstage des Herrn Dr. Adolf Jellinek“, JLB 20 (1891)
Der „Prediger Salomonis“ in historischer Beleuchtung, 2. Aufl. 1892
In schwerer Trübsalzeit. Worte der Andacht und Erbauung an den hohen Feiertagen 5653, 1892 während der Cholera-Epidemie gesprochen im Israelitischen Tempel zu Hamburg, 1892
Ruinen-Blüten. Gedenkfest-Rede zu der vom hohen Senate angeordneten 50jährigen Gedenkfeier an den grossen Hamburger Brand vom 5. bis 8. Mai 1842, gehalten im Israelitischen Tempel zu Hamburg am 8. Mai 1892, 1892
Mein Erlöser lebt. Zwei Passah-Festpredigten, gehalten am 1. und 7. Passahtage 5654/1894, im Israelitischen Tempel zu Hamburg, 1894
Psalterklänge. Homiletische Einleitung in die Psalmen, 1894
„Das schwarze und das blaue Buch“, AZJ 20.04.1894 (Jg. 58, Nr. 16)
Die Messias Apokalypse, 1895
Ein Sifre-Rätsel. An Dr. Jellineks erstem Jahreszeittage, Wien 1895
Nachbiblische Geschichte für die israelitische Jugend, 1896
Das Psalter Ego in den Ich-Psalmen, 1898
Der alte Gott und die neue Zeit: eine Zeitstimme; als Festpredigt gehalten am Versöhnungstage 5659, 26. Sept. 1898 im israel. Tempel zu Hamburg, 1898
Zur Kritik des Buches Esther, 1899
Der altbiblische Priestersegen, 1900
Die Lösung des Koheleträtsels durch den Philosophen Baruch Ibn Baruch, 1900
Der JHWH-Fund von Babel in der Bibel, 1903 (rez. in AZJ 12.06.1903 [Jg. 67, Nr. 24])
„Hamans Charakterbild“, IFH 26.02.1904 u. 16.03.1905
„Das Wesen des Judentums“, IWB 06/1905
„Die Lehrbuchfrage“, AZJ 30.06.1905 (Jg. 69, Nr. 26)
‚Die Himmel rühmen’, eine Studie zur Psalmenforschung, 1906
„Die Religion, ein Naturgesetz der Seele“, JJGL 11 (1908), S. 73-87
Aus meinem Jugendleben. Meine Lehrer: Israel I., Josef II., Moses III., Friedrich IV., 1910
Talmudische Ethik des Alphabets, 1912
„Ein Reis vom alten Stamm“, AZJ 01.11.1912 (Jg. 76, Nr. 44), S. 522f
„Hamburg in seinem Einfluß auf die neuzeitliche Judenheit“, AZJ 31.10.1913 (Jg. 77, Nr. 44), S. 524f
Kriegspredigt 1914. Deutschlands u. Israels Lied gehalten am Neujahrsfeste (22. September) 5675, 1914
Unsere Gottesheiligung (Keduschah), Preßburg 1914
„Biblisches Drama eines Vierverbandes. Kriegsbetrachtung“, AZJ 02.07.1915 (Jg. 79, Nr. 27)
Der Kaiser – in der Bibel. Kriegspredigt 1916. Zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. 27.01.1916, Hamburg 1916
Ein Priesterpädagoge. Erinnerungsworte zur zweiten Gedächtnisfeier des Todestages weiland Pastors Clemens Schultz s. A. gesprochen im St. Pauli- Gemeinde-Verein am 13. Jan. 1916, 1916
„Erziehung zur Einheit“, AZJ 18.05.1917 (Jg. 81, Nr. 20), S. 229f
Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg, 1818-1918 (Hrsg.), 1918
„Der Hamburger Tempel und seine ersten Prediger“, Liberales Judentum 10 (1918), S. 73-76.
Bildmaterialien
Wolfsberg-Aviad u. a. (Hrsg.), Drei-Gemeinde,1960, S. 37
Josef Zolinski, „Dr. Leimdörfer 40 Jahre im geistlichen Amt“, AZJ 19.11.1915 (Jg. 79, Nr. 47), S. 556f
JLZ 30.09.1921 (Jg. 1, Nr. 43), S. 3, zum 70. Geburtstag
IFH (Jg. 24, Nr. 45)
IFH 1922 (Nr. 45)
Israelit 09.11.1922 (Jg. 63, Nr. 45), S. 7, Nachruf
Stern, Nordhausen, 1927, S. 71
JL III, S. 1035
EJ dt. X, S. 756
JLZ 19.08.1931
EJ engl. X, S. 1590
Krohn, Hamburg, 1974, S. 137ff., 168, 170, 210
Walk, Kurzbiographien, S. 220
Wamser u. Weinke, Grindel, 1991, S. 28, 75f
Brämer, Hamburger Tempelverein, S. 74, 78f, 88, 229, 248
Meir Hildesheimer, „Der Modernisierungsprozess und seine Auswirkungen auf Religion und Tradition am Beispiel der kleinstädtischen Gemeinde Nordhausen im Deutschland des 19. Jahrhunderts“, FJB 28 (2001), S. 149-169, hier S. 163, 166f