früh von seinem Vater Mordechai C. verwaist und in einem Amsterdamer Waisenhaus aufgewachsen, wird als Neunzehnjähriger am 20. Okt. 1827 von der kleinen portugiesisch-jüdischen Gemeinde in Hamburg als Kantor und Lehrer angestellt, versieht auch als Chacham deren Rabbinatsaufgaben und ist zeitlebens Administrator ihres „Guemilut Hassadim“-Vereins. Er war dreimal verheiratet, zuerst mit Rahel de Rocamora (st. 1832), dann mit ihren Schwestern Sara (st. 1838) und Lea (st. 1883). Seinen Lebensunterhalt erwarb er vornehmlich als Sprachlehrer und Übersetzer
das von ihm gegründete Übersetzungsbüro geht auf seinen Sohn und seinem Enkel über und bestand bis 1933. Seine an spanisch-portugiesischen Judaica reiche Büchersammlung wird von seinem Sohn Isaac Cassuto (1848-1923) und von seinem nach Lissabon emigrierten Urenkel Alfonso Cassuto (1910-1990) fortgeführt
letzterer veräußerte die Sammlung an die „Bibliotheca Rosenthaliana“ der Universitätsbibliothek in Amsterdam.
Dokumente
StA Hamburg, Best. Jüd. Gemeinden, Nr. 993, fol. 91-93, vom 20. Okt. 1827, Dienstvertrag im Protokollbuch der portug. Gemeinde (Livro da Nação). Die Rettung dieses Protokollbuchs vor dem Hamburger Stadtbrand von 1842 ist C. zu verdanken.
Publikationen
Colmena Española (Bienenkorb) oder Spanisches Lesebuch. Eine Sammlung leichter Lesestücke, Anecdoten, Erzählungen, Bruchstücke aus der Naturgeschichte, Idiotismen etc., erschienen unter dem Pseudonym Leon Quiros, Hamburg 1854; 2. Aufl. unter dem Titel Praktische Grammatik der spanischen Sprache, wie solche jetzt gesprochen wird, nebst Lesebuch, 1858; siehe die Abb. bei Studemund-Halévy, A Jerusalem do Norte, S. 11.
Epigraphik
C. wurde auf dem portugiesischen Teil des ehem. Grindelfriedhofs beigesetzt; sein Stein und der seiner Frau 1937 auf den Jüdischen Friedhof Hamburg-Ohlsdorf gebracht. Grabinschrift in hebräischer und portugiesischer Sprache: „Und man wird dich vermissen, weil dein Sitz leer bleiben wird. Grab des seligen Jehuda, [Sohn] des Mordechai Cassuto, der den heiligen Dienst versah an der Heiligen Gemeinde Bet Israel 65 Jahre und 6 Monate. Verstorben am 23. Adar 5653 im Alter von 84 1/2 Jahren. Seine Seele erfreue sich des ewigen Friedens.“ Abbildung und Transkription bei M. Studemund-Halévy, „Portugiesische Grabinschriften vom Grindelfriedhof“, in: Ders., Der Neue Portugiesenfriedhof in Hamburg-Ohlsdorf (erscheint 2004).
Literatur
Schröder, Lexikon, Bd. VI (1873), S. 134
Bauche (Hrsg.), Vierhundert Jahre, S. 177, Abb. 84, zeigt das kostbare Schreibgerät aus Silber, das ihm seine Gemeinde zum 50jährigen Dienstjubiläum (19. September 1877) schenkte
M. Studemund-Halévy (Hrsg.), Die Sefarden in Hamburg, Hamburg 1994, Bd. I, S. 154, zitiert einen Bericht der AZJ 1838: „Dazu besitzen sie in der Person des Herrn Jehuda Cassuto einen vielseitig gebildeten Mann. Er unterrichtet außer in Religion u.s.w. in sechs lebenden Sprachen, und, obgleich Familienvater, für einen unbedeutenden Gehalt die weit mehr als bei uns mit Geschäften beladene Stelle des Chasan versieht, und zugleich Rabbinerstelle vertritt, so wie die Kinder der Armen unentgeltlich in der Religion“
Studemund- Halévy, Biographisches Lexikon, S. 348-352. (Der vorliegende Artikel wurde verfaßt von Michael Studemund-Halévy).