BHR Biographisches Portal der Rabbiner

DEUTSCHMANN, Joachim

  • Geb. 24. Feb. 1760 in Rychnov nad Knìžnou (Reichenau), Ostböhmen,
  • Gest. 1837 in Kolín, Zentralböhmen
  • Sohn des armen Kleinhändlers Moses D. und der Edel, als Zehnjähriger von beiden Eltern verwaist, Frühjahr 1774 zur Jeschiwa von Ezechiel Landau in Prag, kam dort ins Haus des Arztes Jona Jeitteles, wo er mit dessen Sohn Benedikt J. die deutsche Sprache und jüd. Philosophie studiert. 1780 nach Boskovice (Boskowitz) in Mähren zur Jeschiwa des Samuel Kolin
  • 1784 verheiratet mit Rösel Rosenbaum (geb. 1766), Tochter des vermögenden Kaufmanns Löb R. in Jindřichùv Hradec (Neuhaus), Südböhmen. Da das gemeinsame Geschäft nicht genug abwirft, finanziert ihm sein Schwiegervater zwei weitere Jahre Studium bei dem aus Frankfurt nach Boskowitz berufenen Nathan Adler, von dem er verschiedene kabbalistische Gebräuche übernimmt. Sein dortiger Studienfreund Moses Sofer versucht ihn für das Rt. in Nitra (Neutra), Slowakei, vorzuschlagen. 1794 Kreisrb. in Hořice (Horitz), Ostböhmen, die Verlegung des Sitzes nach Rychnov wird ihm nicht gestattet. Wegen Kontakten zu Krypto- Sabbatianern verleumdet, Sept. 1812 Rb. in Jevíčko (Gewitsch), Mähren. Lehnt 1819 die Teilnahme an den ’Eläh divre ha-berith ab. März 1820 Rb. in Třebíč (Trebitsch), auf Chanukka 1828 Rb. in Kolín, Leiter bedeutender Jeschiwot.

Manuskripte

  • HUC Cincinnati, cod. 104, Talmudauslegungen
  • Mosad ha-Rav Kook, Jerusalem, ms. 100, Homilien und Talmudauslegungen [IMHM 20098]
  • Ebd., ms. 413, Homilien [IMHM 20883]
  • Stolyn-Karliner Yeshiva Jerusalem ms. 324, Brief von Sam. Landau, 1827 [IMHM 49.263]. Schüler. Rb. Baruch Kojeteiner in Hõgyész, Löb Schwab, Hirsch Fassel, Bernhard Illowy, Sal. Lengsfelder, Leopold Löw, Nascher in Baja, Ungarn, Abraham Sofer in Marchitz, Wiesner in Náchod.

Publikationen

  • Halachische Korrespondenz mit Sam. Landau in Noda‘ bIhudah, II, YD 147 (aus Hořice)
  • Dgl. mit Moses Sofer in dessen Responsen, OH Nr. 120
  • Drei Approbationen, datiert Hořice 1794, 1802 und Třebíč 1821; Löwenstein, Index, S. 49.

Epigraphik

  • Hamáčková, „Cimétičre juif à Kolín“, S. 116, 119.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • IA 1840, S. 128, bot das „Muster einer schönen Rede (freilich nach alter Art) in den Deraschoth“
  • Josef Tomler, „R. Joachim Deutschmann“, BCh 1862, S. 101-108, nach den Aufzeichnungen seiner Tochter. Siehe dort S. 105: „D.s Derascha’s waren streng orthodox, und wie wohl er die Ausdrücke ’a priori’ und ’a posteriori’ und andere der Philosophie entnommene Termen in seinen Vorträgen gebrauchte, so verschmähte er es doch andererseits nicht, sich auch einiger kabbalistischer Marotten zu bedienen“
  • Walden, Šem ha-Gedolim hä-h. adaš, S. 50
  • Feitel, Reminiszenzen aus meinem Umgang mit Leopold Löw, S. 5ff
  • Weiß, Zichronothai, S. 18
  • Schwarz, Däräch ha-Näšär, S. 57f
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 529
  • Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 291, mit Bildnis S. 297
  • Kinstlicher, Hä-“H. atham Sofer“ uvene doro, S. 136f; mit hebr. Schriftprobe
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 124, 141, 153, 164, 593.