Gest. 19. Jan. 1888 in Mikulov (Nikolsburg), Mähren
Sohn des Handelsmanns Maier F. und der Jütle, Schüler von Wolf Hamburger in Fürth. 1834 Abitur in Würzburg
29. Okt. 1834 imm. als cand. phil. an der Univ. Würzburg, acht Semester das., SS 1838 Studium in Göttingen als Schüler Herbarts. Neuorthodox und dem westl. Chassidismus nahestehend. Privatlehrer an verschiedenen Orten, darunter mehrere Jahre in Kassel als Schüler und Freund des Landesrb. Romann, Talmudstudium bei Oberrb. Jakob Ettlinger in Altona, Bewerber um die Predigerämter in Berlin und Prag gleichzeitig mit Sachs und Kämpf, 1845 Bewerber in Bremervörde, Kassel und Welbhausen. 9. Juni 1846 ordiniert von Abraham Wechsler in Schwabach, 31. Nov. 1846 separate Staatsprüfung in Augsburg mit Note „vorzüglich“
1846 Rb. in Öttingen im Ries, am 26. Mai 1847 Heirat mit Jette Henlein Kohn (geb. 1829) aus Wassertrüdingen. Betreibt eine Jeschiwa. Die Gemeinde erreichte 1852 ihre höchste Mitgliederzahl von 396, entließ den Rb. aber schon 1856 wegen Abwanderung (AZJ 1884, S. 538), 1858 Rb. in Nitra (Neutra), Slowakei. Bewerber in Brünn (1860), 1. Aug. 1861 Rb. in Mikulov. Sein Sohn Dr. David Feuchtwang wird sein Nachfolger in Mikulov und starb 1936 als Wiener Oberrabbiner.
Dissertation
Summa Platonicae philosophiae imprimis ethicae, Phil. Diss. Göttingen 1838, 59 S.
StA Augsburg, Reg. 11.867, vom 29. Juni 1846, Bewerbung in Öttingen
StA Augsburg, Regierung 11827 enthält das Prüfungsgesuch aus Ingolstadt, 27. Juli 1846 und das Prüfungsprotokoll mit biographischen Angaben. Sein Vortrag sei „natürlich und anstandsvoll, die Stimme wohltönend“
StA Augsburg, Isr. Standesregister Schwaben, Nr. 31, Trauungsregister Öttingen
CAHJP Jerusalem, AHW 543b, Fasc. II, S. 93f, Bewerbung in Hamburg 1851
CJA Berlin, 75 A Mo 2 Nr. 4 fol. 6, Ankündigung seines Wechsels von Öttingen nach Nitra, 14. Juli 1857; ebd., fol. 8 Protokoll über einstimmige Wahl in Mönchsroth, 27. Juni 1846
Ebd., 75 A Ste 3 Nr. 66, fol. 10f, Bewerbung in Stettin, 1859.
Epigraphik
Grabinschrift in Mikulov bei Feuchtwang, „Epitaphien“, S. 383-384.
Literatur
Ein Korrespondent der AZJ 1845, S. 477, 709; 1846, S. 7, 481, verdächtigt ihn wiederholt des Wahlbetrugs durch Bestechung
AZJ 1850, S. 427, über seine ultraorthodoxe Jeschiwa
AZJ 1850, S. 607, schreibt ihm ein „seltenes Rednertalent“ zu
Erfolge in Nitra; AZJ 1861, S. 52
Begrüßung in Mikulov; Neuzeit 1861, S. 5
Er war für das Amsterdamer Oberrt. im Gespräch, laut Neuzeit 1865, S. 244, wobei er aber im eigenen orth. Lager „das Unglück hat, trotz seiner anerkannt exemplarischen Frömmigkeit durch einige unverzeihliche Neigungen zu gemäßigten Fortschrittstendenzen bei jenen Herren nicht in sonderlich hoher Gnade zu stehen“
Nachruf Neuzeit 1888, S. 34f: „Der Verstorbene war ein Deutscher von Geburt und ist bis zu seinem Todestage deutsch in seinem Wesen und in seinen Gesinnungen geblieben [...] Sein Wissen und sein natürlicher Beruf wiesen ihn darauf an, in die Universitätsprofessur einzutreten. Durch den zwingenden Einfluß äußerer Verhältnisse wurde er dem theologischen Berufe zugeführt, der ihm innerlich nicht zusagte, dessen Bedingungen er aber mit soldatischem Pflichtgefühl erfüllte. So bewahrte er sich im Innern ein freies Denken, während er seiner äußeren Lebensstellung nach die geistliche Uniform tragen mußte. Er war ein Mensch von idealer Sittlichkeit“
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 440
Adolf Eckstein, „Zur Geschichte der israelitischen Kirchenverfassung in Bayern. Unbekannte Gutachten von Dr. M. F. und Samson Raphael Hirsch“, ZGJD 3 (1931), S. 110-116; darin S. 112f Gutachten vom 23. Dez. 1861 mit Plädoyer für maßvolle Kultusreformen, für wissenschaftliche Ausbildung der Rb. und gegen kirchliche Oberbehörden
David Feuchtwang bei Wininger, II 242: Herbart „wollte durchaus, daß er sich der exakten Philosophie widme, um sich zu habilitieren. Er entwickelte sich zum tiefen Denker, beherrschte die philosophischen Systeme der Antike und Moderne; er war ein guter Kenner des Aristoteles [...] Seine philosophische Beschaulichkeit und verschlossene Gelehrtennatur ließen ihn nicht hervortreten. Ein wahrhaft großer Mensch, glänzender Kanzelredner und universeller Gelehrter. Gleichwohl hat er außer seiner Dissertation (über Plato) nie eine Zeile publiziert“. Geburtsdatum hier 1813- PK Bavaria, S. 9, 597
Richarz, Jüd. Leben, S. 142, über seine Ehe in Öttingen; er „ist, obzwar hochgebildet und aus der Philosophenschule Herbarts hervorgegangen und ein Schüler von Schleiden und Gauß, doch streng orthodox“
Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 121, Nr. 2104
Bárkány und Dojč, Slovensko, S. 186
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 39
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 211, 422, 523, 544.