BHR Biographisches Portal der Rabbiner

FRÄNKEL, Jacob, Dr.

  • Geb. 21. Juli 1814 in Karlino (Körlin) bei Koszalin (Köslin) in Pommern,
  • Gest. 1882 in Zwolle, Niederlande
  • Ältestes Kind des Handelsmanns Aron Meyer F. aus Wałcz (Deutsch-Krone) und der Chaja Joseph. Ausgebildet von polnischen Hauslehrern und an Jeschiwot der Provinz Posen, 1830 zum Gymnasium in Koszalin für eineinhalb Jahre, sodann kurzzeitig Schüler von Rb. G. Z. Asche in Prenzlau, 1833 nach Glogau, dort Besuch des Gymnasiums und Talmudstudium, 1837 Abitur in Glogau und Rückkehr zu den Eltern, 7. Nov. 1837 imm. Berlin. 1840 rb. Ordinationen von Sam. Holdheim in Frankfurt/Oder, Dov Philippsthal in Miêdzychód (Birnbaum), Jakob Littauer in Wągrowiec (Wongrowitz) und J. J. Öttinger in Berlin. Um 1840 lebt er in Słupsk (Stolp), Hinterpommern, 1841 prom. in Greifswald
  • Frühjahr 1841 Leiter der isr. Schule in Schwerin, Mecklenburg, Okt. 1842 Rb. in Mirosławiec (Märkisch-Friedland), Bewerber in Swarzêdz (Schwersenz, 1842), Krefeld (1844) und Krotoszyn (Krotoschin, 1847), Anhänger der konservativen „Theologen-Versammlung“ (1846) Z. Frankels. Sein zum 1. Okt. 1847 ablaufender Vertrag wird nicht verlängert
  • F. kehrt als Privatgelehrter in seinen Geburtsort zurück. Um 1849 ist er in Zwolle, Niederlande, wo Vorstand und Gemeinde ihn mit großer Mehrheit zum Provinzialrb. für von Drente-Overijssel bestimmen. Das ndl. Rabbinerkommitee aus J. Ferares (Den Haag), Jos. Isaacsohn (Rotterdam) und Leib B. Schaap (Amersfoort) lehnt ihn als reformverdächtig und das Ministerium als Ausländer ab
  • erst nach längerer Polemik wird er am 30. Dez. 1852 in sein Amt eingesetzt
  • seit 1854 auch als Mitglied der „Algemene Commissie van Examinatoren voor Israëlietische Godsdienstonderwijzers“. Er war verheiratet mit Dorothea Baer, Tochter des Itzig B. in ¯nin, Prov. Posen.

Dissertation

  • De uxore Ebraica, I: De sponsa ebraica, Diss. Greifswald 1841; dt. Zusammenfassung „Über das Prinzip der jüd. Ehe“ (gegen Abr. Geiger), LdO 1840, S. 308-313, 325-330, 337-343.

Dokumente

  • AHU Berlin, Abgangszeugnisse, Bd. 211, fol. 242-243, verzeichnet Veranstaltungen insbesondere bei dem Philologen Aug. Boeckh, bei dem Arabisten Petermann und bei dem Theologen Hengstenberg
  • New York, Yeshiva University Archives Collection MS 412, vom 28. Feb. 1841 und 9. Apr. 1841 Korrespondenz zwischen Landesrb. Holdheim und dem Schweriner Vorstand über seiner Anstellung
  • CJA Berlin, 75 A Ma 1 Nr. 101, fol. 25, mit Erwähnung von 1847
  • CJA Berlin, 75 A Ma 1 Nr. 17, fol. 71, Bewerbung in Mirosławiec
  • Ebd., 75 A Ma 1, Nr. 10, konfliktreicher Schriftverkehr; fol. 17 Bitte um Gehaltserhöhung, 3. Juni 1845; fol. 19, Konfirmation einiger Knaben und Mädchen; fol. 20, Ablehnung des Antrags auf Gehaltserhöhung, 22. Juli 1845; fol. 23f, 27 Differenzen mit dem Vorstand wegen Kultusreformen, 9. Sept. 1845; fol. 33f undatierter Kontrakt (1. Okt. 1842 bis 1. Okt. 1847); fol. 40 Einigung im Konflikt, 6. März 1846; Kündigungsschreiben, 9. März 1847; fol. 47 (Abschrift) und 70 (Original), Vertrag vom 16. Okt. 1842, vollzogen am 2. Jan. 1843 zum 1. Oktober 1847; fol. 71, Fränkel will schon zu Johannis die Stadt verlassen, 29. März 1847.

Manuskripte

  • Nachlaßkatalog siehe Ludy Giebels, Inventaris van de archieven van Jacob Fränkel, opperrabbijn van Zwolle en de Joodse Gemeenschap van Oldenzaal, Amsterdam 1986, mit lithogr. Bildnis und S. 4-15 Biographie. Der Nachlaß enthält Urkunden, Studienmitschriften, Manuskripte, Korrespondenzen u. a. mit den Rb. N. M. Adler in London, B. Z. Auerbach in Darmstadt, B. S. Berenstein in Den Haag, Leib Blaschke in Trzcianka (Schönlanke), L. Bodenheimer in Krefeld, Gabriel Cohn in Szamatuły (Samter), Sal. Cohn in Maastricht, Bendit Dusnus in Leeuwarden, Sal. Eger in Posen, Zacharias Frankel in Dresden, J. Gebhardt in Bydgoszcz (Bromberg), Jeremia Hillesum in Meppel, Isaacsohn in Rotterdam, Ben Israel in Koblenz, Jacob Lehmans in Nimwegen, Jakob Littauer in Wągrowiec (Wongrowitz), J. J. Öttinger in Berlin, Dov Philippsthal in Miêdzychód (Birnbaum), S. L. Rapoport in Prag, Jakob Rosenberg in Groningen.

Publikationen

  • Mitarbeiter am Orient (1841-50), veröffentlicht u. a. „Zur Geschichte der Homiletik. Beurtheilung der Predigten des Dr. Holdheim, oder Sammlung homiletischer Regeln“, LdO 1840, S. 556-560, 574-576, 589-592, 622-624, 729-736, 761-768, 780-784
  • I. Das Jüd. Recht erlaubt nicht nur, sondern fordert sogar den Zeugeneid; II. Unsere Religion erlaubt uns im Dienste des Königs und des Vaterlands das Ceremonialgesetz ausser Acht zu lassen“, LdO 1842, 4 Nr. 21
  • Die Kultusordnung der Juden in Preußen, vorgeschlagen in Uebereinstimmung mit andern jüdischen Theologen, Fft./O. 1842; dazu Orient 1842, S. 163: Dr. F. sei „ein junger Theologe, der jetzt untreu seiner frühern Meinung die Vorsteher zu vertheidigen sucht“, er führe mit seinen Bekannten Verhandlungen beim preuß. Kultusminister („Wozu solche Heimlichthuerei?“)
  • „Biographische Skizzen. Lebensbilder berühmter Rabbinen der letzten Jahrhunderte“ LdO 1846-1848
  • „Der Theologen-Verein“, Orient 1846, S. 273-275
  • Zwei Predigten: „Die sittliche Weltordnung“ und „Die Andacht im Gotteshause“, Zwolle 1851
  • Offenes Sendschreiben an seine Glaubensgenossen in den Niederlanden, zur Rechtfertigung und Einigung, Zwolle 1852
  • Kritik am 3. Bd. von Josts Geschichte, in AZJ 1859, S. 709ff
  • „Refael Immanuel Chei Reki“, AZJ 1860, S. 53f
  • „Simon, Sohn des berühmten Zemach Duran“, AZJ 1860, S. 417ff
  • „Die geistliche Amtsbefähigung im Judenthume“, in Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums, Bd. I, Leipzig 1860, S. 139-165
  • Die wahrhafte Rettung. Predigt, gehalten in Zwolle, am 17. Februar 1861 an dem von Sr. Majestät dem Könige anberaumten Landsbettage, Zwolle 1861
  • Bericht vom Tod des Amsterdamer Rb. Abraham Susan, AZJ 1861, S. 651
  • Geloofs- en pligtleer, ten dienste der Israël. godsdienstscholen, Kampen 1864
  • „Ansichten der Rabbinen über samaritanische Schrift“, AZJ 1867, S. 758-760, 819-822.

Bildmaterialien

  • JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).

Literatur

  • IA 1841, S. 55, Anstellung in Mecklenburg
  • Orient 1846, S. 72, Ruhm seiner Predigt- und Schulaktivitäten in Mirosławiec
  • AZJ 1852, S. 86f über seine Einsetzung in Zwolle und den „Verfolgungskampf“ gegen ihn, „diesen mittelalterlichen Kreuzzug gegen einen frommen und unbescholtenen Rabbi“
  • AZJ 1852, S. 343f, Kritik von Ad. Wiener an seinen Predigten
  • A. Jacobs, De rabbijn dr. J. F. en de oppositie, Zwolle 1852, Schrift des Gemeindevorstands zu seiner Verteidigung gegen die ndl. Rb
  • AZJ 1862, S. 108, Teilnahme an Kommission zur Reform der ndl. Rabbinerprüfung
  • AZJ 1863, S. 289, Einsetzung zum Inspektor der Religionsschulen
  • AZJ 1878, S. 91, Feier des 25jährigen Amtsjubiläums in Zwolle
  • Lippe 1879/81, S. 108, nennt ihn mit Sitz in Deventer
  • D. S. van Zuiden, „De benoeming van Dr. J. F. tot Opperrabbijn van Zwolle“, De Vrijdagavond VI, no. 33, S. 104
  • Meijer, Erfenis, S. 55-57
  • Altmann, „Jewish Preaching“, S. 82
  • Erdtsieck, „The Appointment of Chief Rabbis in Overijssel“, S. 168-174. „A German intellectual stranded in a Dutch provincial town, [...] he was often hard to get along with personally. He refused to learn Dutch and he was at daggers drawn with many under his religious authority, even among the executives of Jewish congregations. Fränkel’s appointment had created considerable problems, his conduct as religious leader of the district was a similar story“ (S. 174)
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 118, 400, 575, 618.