Sohn des Rb. Moses F., von 9-12 J. bei einem Talmudlehrer in Kleinerdlingen, 1822 Talmud- und Elementarunterricht bei Rb. Gugenheimer in Kriegshaber bei Augsburg, Ende 1823 zum Gymnasium Ellwangen bei Besuch der rb. Schule von Is. Heß
bezieht für sein Studium der mosaischen Theol. über acht Jahre ein Staatsstipendium des württ. Schulrats. 1828 Gymn. Stuttgart, dort im Febr. 1830 Abiturprüfung, 26. April 1830 imm. Heidelberg mit Unterricht bei Rb. Sal. Fürst, SS 1832 imm. Tübingen, 14. März 1833 prom. das.
Hauslehrer in Stuttgart, April 1834 württ. Staatsprüfung, mit Ordination von Ascher-Anschel Schöpflich in Haguenau (Hagenau, Unterelsaß) und von Gabriel Adler in Mühringen, Schwarzwald, am 6. Sept. 1834 Rabbinatsverweser in Lehrensteinsfeld bei Heilbronn, erhält schon am 6. Nov. 1834 die Erlaubnis zur Familiengründung, weil „bei dem gegenwärtigen Mangel gesetzlich geprüfter Rabbinen“ seine Festanstellung gewiß sei. Wird auf Anordnung vom 21. Nov. 1834 vom Ministerium versetzt ungeachtet der Proteste seiner Gemeinde. 1836 Bezirksrb. in Braunsbach. Auf Empfehlung Gabriel Riessers zum 15. Sept. 1840 zweiter Prediger beim Tempelverein in Hamburg, 1844 Teilnehmer der 1. Rb.-Versammlung.
Dissertation
Dogma de rebus post mortem futuris e scriptis V. T. tam canonicis quam apocryphicis (dt. Ueber die Unsterblichkeitslehre in den canonischen Schriften des alten Testaments), Diss. Tübingen 1833.
Dokumente
UATübingen, 56/2, Nr. 26, Promotionsakten mit Vita vom 5. März 1833; Geburtsdatum ist hier der 13. Feb. 1810. Diss. nicht beigefügt. In seinem Gutachten schreibt Prof. Jäger, er habe „aus einer mehrstündigen Unterredung mit dem Verf. die Ueberzeugung gewonnen, [...] daß überhaupt derselbe ein unbefangener, strebsamer u. verständiger junger Mann ist, welcher eine genaue Kenntniß des A. T. u. eine große Fertigkeit in der Erklärung hat“ (ebd., 14. März 1833)
StA Ludwigsburg E 212 Nr. 135 vom 11. Nov. 1832, Staatsprüfungsgesuch mit ausführlichem Lebenslauf und Abschriften der Zeugnisse
Ebd., E 212 Nr. 125 über seine Tätigkeit in Lehrensteinsfeld; 21. Nov. 1834 Beteuerung der Gemeinde, F. habe „durch seinen sanften und liebevollen Charakter, wie durch seinen frommen Ernst und Eifer in seinem Berufe die Herzen der Erwachsenen wie der Kinder bereits gewonnen“.
Publikationen
Gallerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte, 1838
Die isr. Religion im Lichte unserer Zeit, Vorträge im Logensaal Nov. 1840 bis Feb. 1841, dazu M. Fränkel, „Der Tempel zu Hamburg und Dr. Frankfurter’s Vorlesungen über Religion“, IA 1841, S. 97-100, 105- 108
Mitarbeiter am Orient (1841-45)
Die göttliche Erziehung in unserm Leben, Predigt zur Grundsteinlegung des von Sal. Heine gestifteten isr. Hospitals, 1841
Gottes Segen über Volk und Land, Predigt, 1841
Stillstand und Fortschritt. Zur Würdigung der Partheien im heutigen Judenthume. Mit bes. Rücksicht auf das Gebetbuch nach dem Gebrauche des neuen isr. Tempels, 1841 [Expl. GJ Köln, Bm4-Fra]
Predigten, gehalten im Neuen Isr. Tempel zu Hamburg, Hamburg 1842 [Expl. GJ Köln, Bla-Fra]
Gott mit uns! Worte der Beruhigung nach dem grossen Brande, welcher Hamburg vom 5. bis 8. Mai heimgesucht hat, Predigt, 1842, 16 S. [Expl. JNUL 23-V-7256]
Die letzte und die erste Predigt, beim Scheiden aus dem alten Tempel, und bei der Einweihung des neuerbauten Gotteshauses, mit Gotthold Salomon, 1844
Die Verantwortlichkeit des Volkslehrers im jetzigen Israel. Eine Predigt über 4. Mos. 18,1, Hamburg 1844, über den „Priesterberuf“ des Rb
Ebnet den Weg des Volkes. Ein ernstes Wort an die Abgeordneten und an das Volk, gesprochen am 10. December 1848 bei dem zur Vorfeier der Eröffnung der constituirenden Versammlung angeordneten Gottesdienste, Hamburg 1848 [Expl. JNUL 63-B-1720]
Weitere Predigten.
Literatur
Berufung nach Hamburg; AZJ 1840, S. 285, 495; Orient 1840, S. 175, 304
Gotthold Salomon, Kurzgefaßte Geschichte des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg während der ersten 25 Jahre seines Bestehens, Hamburg 1844, S. 33ff
Sal. Fürst in INJ 1845, S. 48, nennt ihn seinen Schüler
J. Fürst, Bibliotheca, Bd. I, S. 296
Volkskalender und Jahrbuch für Israeliten 18 (1860), S. 80f
Reden beim Leichenbegängniß des sel. Herrn Dr. N. Frankfurter, Hamburg 1866
Kayserling, Jüdische Kanzelredner I 278-284
Kayserling, Gedenkblätter, S. 20f
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 805
JE V 493-494
Bettelheim, Berthold Auerbach, S. 83 über die Freunde A.s 1834: „Naphtali Frankfurter und dessen Schatz, einem Judenmädchen aus Leimen, das habgierige Verwandte um ihr Heiratsgut bringen wollen, redet er feurig zu, der Geldfragen nicht achtend, den Herzensbund durch rasche Heirat zu besiegeln“
JE V 493f
JL II 751
EJ dt. VI 1119
Tänzer, Württemberg, S. 72, Geburtsdatum danach 21. Feb
Franke, Heilbronn, S. 68, 75
Sauer, Württemberg, S. 53, 120
PK Baden-Württemberg, S. 32, nennt ihn zwischen 1822 und 1830 als Rb. in Oberdorf (wohl Verwechslung mit dem Vater)
Schorsch, „Rabbinate“, S. 245
Lowenstein, „The 1840s“, S. 276
DBE III 407
Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 107, 112
Heuer (Hrsg.), Lexikon VII 303ff, gibt als Geburtsdatum fälschlich den 13. März
Brämer, Tempel, S. 36f: F. sah „die Begeisterung der Frühzeit als ein Strohfeuer, das schon bald nach Etablierung des Tempels verloschen war ... Die Berufung Frankfurters verlangte den Vereinsmitgliedern erhebliche finanzielle Opfer ab, doch garantierten auch allwöchentliche Predigten kein volles Gotteshaus. Polemische Stimmen behaupteten, daß sich am Freitagabend kaum zwanzig Besucher in das Gotteshaus der Reformer verirrten und auch am Morgen des Sonnabend nur eine kleine Schar meist weiblicher Besucher dem synagogalen Vortrag lausche“
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 110, 408, 434, 438, 618.