Sohn des vermögenden Issaschar-Bär F., Schüler von Bezalel Ronsburg in Prag, von Eleasar Löw in Třeš (Triesch), Mähren, und von Baruch Teomim-Fränkel in Lipník (Leipnik). Wird ordiniert 1826 von El. Fleckeles und Sam. Landau, heiratet eine Tochter des Josef Kellner in Lovosice (Lobositz) in Nordböhmen, wo er sich niederläßt und auch Rabbinatsfunktionen wahrnimmt
1831 bewirbt er sich um die Kreirabbinerstelle im nahen Teplice (Teplitz). Mit Dekret vom 16. Aug. 1832 als „Appellant“ und „Oberjurist“ in Prag eingesetzt
unterrichtet auch Talmudschüler. Opponiert scharf gegen die Berufung S. L. Rapoports nach Prag
mit einer polemischen Predigt gegen diesen am 15. Dez. 1838 sorgt er für einen Skandal. Unterzeichnet 1844 den Aufruf gegen die Rb.-Versammlung. Seit dem Tod von E.-L. Teweles (1849) ist er mit 120 fl. Gehalt einziger Beisitzer im Prager rb. Gerichtshof
nach Rapoports Tod 1864 wird er Vorsitzender, legt aber sein Amt zum 16. Jan. 1870 nieder.
Dokumente
ŽM Prag, Nr. 128.402, S. 712-921 (=Mic CAHJP Jerusalem HM 2/7301b-c), mit Personalakte, 1832-1866
Der Gemeindevorstand äußert sich gegen den Magistrat verschiedentlich sehr negativ über ihn; SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1840, svazek 47/2/1, am 24. Dez. 1835; und ŽM Prag, Inv. 12840, S. 373f, am 21. Mz. 1839: Freund „hat aber während seiner Amtswirksamkeit sowohl in wissenschaftlicher Beziehung [gestrichen: als in moralisch-sittlicher Beziehung] als in der Behauptung seiner religiösen Würde überhaupt Blößen gegeben, daß er weder bei der rohen Masse noch bei dem intelligenten Theil der Gemeinde in Achtung steht und durch seinen vehementen Charakter selbst seine Stellung herabsetzt“; ähnlich ebd., S. 381 vom 11. Juli 1838; und S. 972, 977 vom 24. Juli 1839; seine „pharisäischen Intriguen“ fänden Unterstützung „theils bei indifferenten Gemeindegliedern, die den Statum quo aus Bequemlichkeit erhalten wollen, theils bei geistesschwachen Obscuranten, die die Mißbräuche der Religion höher als die Religion stellen“
F. verteidigt seine Aggressivität im Schreiben vom 16. Okt. 1839; „obgleich ich vorhergesehen habe, daß ich die Zahl meiner sich nach und nach mehrenden Feinde durch meine unerschrockene Rüge der allgemeinen Fehler in dem öffentlichen Bethhause mehren würde, habe ich dennoch fest darauf beharrt“; SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1840, svazek 47/2/1
Ebd., ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/1, mit Wortbeiträgen bei der „Berathung über die Reglung der jüdischen Kultusgemeinde-Ordnung im Kronlande Böhmen“, 14. Jan. 1851
ÖStA/AVA Wien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 19. Sept. 1865, nennt ihn unter den 27 böhm. Vorbereitungsdozenten für die Preßburger Landesrabbinerschule
Sterberegister SÚA Prag, HBMa 2762 mit Eintrag vom 20. Juli 1855 für seine Frau Clara, 69 J.
Manuskripte
SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/4, Entwurf einer „Instruktion für die Kreisrabbiner“, vom 7. Jan. 1842. Der Prediger habe nicht „durch prunkvolle Ausdrücke seine Zuhörer zu überraschen oder ihre Phantasie zu erhitzen, als vielmehr dieselben mit den Hauptgrundsätzen der Religion bekannt zu machen“.
Publikationen
(Schriftenverzeichnis bei Zedner, S. 258) Zära‘ Qodeš [Jes 6,13], zur Mischna-Ordnung Zera‘im, Prag 1827, 54 Bl
Frage von 1837 an Moses Sofer in dessen HM Nr. 118
Musar ’Av [Prov 4,1] zu den Proverbien in der Bibelausgabe Wien 1839
Qärän Šemu’el, Responsum gegen den Verzehr von Hülsenfrüchten auf Pessach, Prag 1841, 11 Bl
Hebr. Gutachten gegen die Rb.-Vers. in Torath ha-Qena’uth, Amsterdam 1845, Nr. XXXV, Bl. 32v-33r
Häsped, Gedenkrede auf den Tod von Josef Lieben, Prag 1857
Pathšägän ha-’Iggäräth, Brief an Efraim Wehli über Zach. Frankels Darche ha-Mišnah, Prag 1861
’Imroth Tehoroth zur Mischna-Ordnung Tehoroth, Prag 1862
‘Ir ha-S. ädäq Zusammenfassung des Sefär Mis. woth Gadol des Rabbi Moses von Coucy mit Erklärungen, Prag 1863, 54 + 31 Bl
Kätäm Paz [Cant 5,11] zu Avoth, Prag 1870, 18 Bl
Drei Approbationen, datiert Prag 1832-39; Löwenstein, Index, S. 63.
Epigraphik
Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 34.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
AZJ 1838, S. 111: „obzwar noch jung und Mann von Kopf, doch ganz den Orthodoxen angehörend“
IA 1841, S. 95, verkündet: „selbst sein [d. i. Rapoports] Hauptgegner, der Rabbiner S. Fr., ist jetzt mit ihm, wenigstens äußerlich, völlig ausgesöhnt“
Orient 1847, S. 301; 1849, S. 5
Neuzeit 1862, S. 39: „Ein bekannter Rabbinatsassessor, der nicht eben durch liebenswürdige Gefügigkeit zu einer Art von Berühmtheit gelangt ist“
Abendland 1864, S. 70, zum 70. Geburtstag
AZJ 1869, S. 578 über seine Predigten
Lippe 1879/81, S. 113, „quiesc. Oberjurist“
Israelit 1881, S. 609ff, 636ff
Neuzeit 1881, S. 201: „Sein cholerisch-melancholisches Temperament, sein Feuereifer in der Ueberwachung des observanzmäßigen religiösen Lebens, und seine Rücksichtslosigkeit in der Bekämpfung der Meinungsgegner, die zuweilen an Rechthaberei und Zanksucht streifte, machte ihn eigenthümlicher Weise populär. Seine Zornmüthigkeit und die caustische Weise, auf welche er sie in Erscheinung treten ließ, der schlagfertige und oft sehr witzige Sarkasmus, den er seinen Widersachern reichlich angedeihen ließ, erschien vielen mehr drollig als verletzend. Da man überdieß seiner stupenden talmudischen Gelehrsamkeit alle Anerkennung zollen mußte, so nahm man ihm das polternde Wesen nicht übel, obgleich er es nie dahin brachte, Rabbinatspräsident und nicht deren geringeren talmudischen Capazitäten nachgesetzt zu werden“
Rešimath ha-Sefarim. Verzeichniss der jüdischen Werke aus der von der Verlagsbuchhandlung Jakob B. Brandeis in Prag aufgekauften Bibliothek des verstorbenen weltberühmten Talmudgelehrten R. Samuel Freund, Oberjuristen zu Prag, Prag 1883
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 760
JE V 509, nennt als Geburtsort Mìsto Touškov (Tuschkau), ebenso Wininger II 318 und die EJ dt. VI 1169
Roubík, „Kultus- und Schulverhältnisse“, S. 342, über die Situation des Bet-Din nach 1850
Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 80
EJ eng. VII 168
Kinstlicher, Hä- “H. atham Sofer“ uvene doro, S. 389f, mit hebr. Schriftprobe von 1877
Wlaschek, Bohemia, S. 57
HÖAAJH, Bd. I, S. 368, Nr. 2835
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 41, 121, 582, 593, 654.