Geb. 15. Jan. 1796 in Wągrowiec (Wongrowitz), Prov. Posen,
Gest. 22. Sept. 1869 in Glogau
Als Kind vom Vater verwaist, in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen, Talmudunterricht und Selbststudium der deutschen und humanistischen Fächer. Mit 20 J. nach dreijähriger Ehe verwitwet
Hauslehrer in Bojanowo, Fordon, Toruñ (Thorn), Berlin, Hamburg, „Penzlin“ und Neustrelitz, 1824 erste feste Anstellung an der Schule in Wschowa (Fraustadt), Prov. Posen, dann Juni 1827 an der neuen Gemeindeschule in Glogau, 1836 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“. Hält am 17. Apr. 1839 erstmals in Glogau eine deutsche Predigt (AZJ 1839, S. 321), 1840 Oberlehrer und deutscher Prediger an der Großen Synagoge von Glogau sowie Religionslehrer am Gymnasium, 1847 Prediger an der Stiftssynagoge des Isaac Zaller Cohn, 1849 Rb. desselben Stifts, 1851 Rabbinatsassessor der Glogauer Gemeinde und 1854 Rabbinatsverweser. Wegen Krankheit tritt A. zum 1. Okt. 1860 in den Ruhestand. Er war zuletzt verheiratet mit Sarah Cohn, Tochter des Salomon C., die 1872 starb.
Dokumente
JM Frankfurt/M. PSR A 139, Sterberegister Glogau.
Manuskripte
Me‘onoth ’Arayoth [Cant 4,8] zu HM; grammatikalische Schriften. Der Nachlaß wurde von Gerson Abraham in Wilna gekauft (Fuenn).
Publikationen
Leitfaden beim Unterricht in der mosaischen Religion zunächst für die Elementarschule in Glogau, Katechismus, Glogau 1829
Das Buch Job, übersetzt und vollständig kommentiert, Glogau 1836
Schreibt ab 1836 für die Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung
„Exegetische Skizzen“, WZJT 3, 1837, 349-354
Vollständiges Gebetbuch der Israeliten für alle Tage des Jahres, hebräisch und deutsch, Krotoszyn 1839
Worte der Erinnerung an den Einzug der vaterländischen Truppen 1814, Glogau 1839
Mitarbeit an der Zunz’schen Bibel Sefär Torath Mošäh. Die 24 Bücher der heiligen Schrift, 7 Bde., Glogau 1839-41, er übersetzte darin Gen, Ex, Lev, Num, Reg, Ez, Hos, Ob, Jon, Mi, Nah, Zach, Prov, Hiob, Ruth, Eccl, Esth und Neh, sowie Jer gemeinsam mit Sachs
Bochim beGilgal [Jud 2,1], Gottesdienst und Gedächtnisfeier zum Tode König Fried.-Wilh. III., Glogau 1840
Sedär ‘Avodah ba-Lev, dt. Übersetzung der Gebete, Glogau 1840
Sedär Yos. roth lechål šabethoth ha-šanah. Jozeroth für alle Sabbathe des Jahres, Piutim mit dt. Übersetzung und Kommentar, Glogau 1840; dazu LdO 1840, S. 190, „Es ist höchst erfreulich, daß Herr Arnheim mit seinem echt wissenschaftlichen Geiste sich dieser volksthümlichen Ritualliteratur zugewendet, wenn auch nur um der wuchernden Unwissenheit entgegenzuarbeiten“
Devarim ’ah. adim. Der kleine Präparant. Ein ausreichendes Hilfsmittel für Elementarschüler zur Vorbereitung auf die Leccionen in der heiligen Schrift. Nebst einem kurzen Anhang, die ersten Elemente der hebr. Grammatik enthaltend, Glogau 1840 (Rezension LdO 1840, S. 484- 486)
Mitarbeiter am Orient (1841-44, 1849-50)
Vortrag, am Sabbat Toledot 5602, Glogau 1841
Bibelverse und Aussprüche der Weisen, als Belegstellen zu dem Religionsleitfaden, Glogau 1845
Über Simultanschulen, Vortrag, Glogau 1848
Vollständigstes Gebetbuch für Israeliten auf das ganze Jahr, Glogau 1852 (AZJ 1852, S. 436)
Pentateuch nebst den Haftaroth mit deutscher Uebersetzung und erklärenden Anmerkungen von Heymann Arnheim, Prag 1855
Grammatik der hebr. Sprache, hrsg. v. David Cassel, Berlin 1872
Zeitschriftenartikel in den Hallischen Jahrbüchern und im Magazin für die Literatur des Auslands.
Literatur
IA 1839, S. 94; 1840, S. 112
AZJ 1850, S. 402, nennt ihn als „Oberlehrer“ an der Seite von Rb. M. Lisser
AZJ 1851, S. 366, Einsetzung zum Gemeinderb
AZJ 1852, S. 245, Ehrung für einen Lehrer
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, S. 746
Jeschurun 1855, S. 105f, scharfe Kritik an seiner mangelnden rb. Kompetenz
„Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 32, „Rabbiner und Prediger“ für die Gem. von 924 Seelen
AZJ 1860, S. 258, wegen Krankheit A.s sei die Stelle eines Rabbinatsassessors neu zu besetzen
Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 156
Kayserling, Gedenkblätter, S. 3
MGWJ 1894, S. 508
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 745f, 752, 825
JE II 129, mit Geburtsdatum 6. Febr. 1796 und Todesdatum 1865
Max Grunwald, „Eine Autobiographie H. A.s“, Festschrift zu Ehren Israel Levy’s siebzigsten Geburtstag, hrsg. Marcus Brann und Ismar Elbogen, Breslau 1911, S. 382-391