Sohn des Abraham F. und Neffe des Berliner Reformers David F., Talmudstudium an den Jeschiwot in Prag (Ezechiel Landau) und Preßburg. Soll schon 1771 ein Rabbinatsdiplom erhalten haben
als Schächter kommt er in jungen Jahren nach Padberg, Westfalen, wird 1783 Sekretär (Landschreiber) und Beirat im „theologischen Fach“ für die Landjudenschaft. 1815 Übersiedlung nach Brilon, dort am 11. Aug. 1817 nach vorheriger Prüfung als Lehrer angestellt, wirkt unter Rb. Hirsch Cohen nach eigener Aussage auch „in anderen Fällen, die ich ex officio nicht zu leisten bedürfte, z. B. das theologische Fach, zu welchem ich auch authorisirt bin, besonders hinsichtlich der Beschneidung, wozu sich der Vizerabbiner gar nicht qualificirt“ (Hesse, S. 79). Wird nach dessen Tod zum Nachfolger gewählt und am 26. Apr. 1833 feierlich eingeführt als Landesrb. des Fsms. Westfalen durch Hellwitz aus Soest, Rb. Dr. Levi aus Gießen und Rb. Gosen aus Marburg. Führt im Sinne der Reform die dt. Predigt und Choralgesang ein, schafft den 2. Feiertag ab und versorgt verschiedene Reformer mit Rabbinatsdiplomen (die in orthodoxen Kreisen sprichwörtliche „Briloner Morenu“). Sein Sohn Abraham F. ist 1823-1847 Vorsteher der Judenschaft, dessen Sohn Salomon F. starb als Rb. progressiver Richtung in den USA.
Dokumente
StA Detmold, P 5, 118, isr. Sterberegister Brilon.
Publikationen
Šoräš Yosef, Responsen über die Abschaffung der zweiten Festtage, Hannover und Brilon 1833, 86 Bl.; 2. Aufl. erweitert durch einen Briefwechsel mit A. Chorin, Hannover 1835, 76 Bl.; eine Gegenschrift von Rb. Löb Carlburg (Krefeld) erschien 1833
Predigt zur Huldigungsfeier, 1840
Gutachten zugunsten des Gebetbuchs des Hamburger Tempels, AZJ 1842, S. 60-63
Gutachten zugunsten Geigers, 1842; vgl. J. M. Jost, S. 369
Grußadresse an die Rb.-Versammlung, 1845.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
AZJ 1839, S. 485, Streit mit Rb. Hirsch
AZJ 1841, S. 33, Belobigung durch die Regierung
Orient 1843, S. 130f Satire gegen F., der „die Religion mit Füßen tritt, Feier- und Festtage entweiht, verderbliche Lehren ausstreut und durch eigenes Beispiel zum Abfall verleitet“. Dessen Enkel behaupte, „daß sein Großvater schon vor 71 Jahren ein morenu [ordinierter Rb.] gewesen, und wenn er auch seit 71 Jahren so wohl das Metzgerhandwerk als das Judenthum vergessen, so verdient er doch schon als zeqan ’ašmai [in der Sünde Ergrauter] einige Ehre [...] Die beschränkten Orthodoxen würden freilich sagen, was beweist das für einen Abtrünnigen? Elischa ben Abuja hat gewiß auch die morenu gehabt, er war sogar der Lehrer von R. Me’ir, und doch ist aus ihm ein ’Ah. er geworden. Allein keiner von diesen Orthodoxen weiß es zu schätzen, was das heißt, den Y[om] T. [ov] Šeni [Zweiten Feiertag] zu entweihen und das große Opfer zu bringen, von Soest nach Werl zu fahren“
AZJ 1845, S. 473, Zuschrift an die Rabbinerversammlung
AZJ 1846, S. 705
AZJ 1848, S. 621, zum 94. Geburtstag
AZJ 1852, S. 607f Nachruf (und S. 608f Gedicht aus dem Sauerländischen Anzeiger). Der Reformer habe letztwillig verfügt, „alle Trauergebräuche zu unterlassen und Alles so zu halten, wie er es theils in der Geigerschen Zeitschrift, theils in einer besondern Broschüre niedergelegt habe. So besiegelte er in einer Lebensgefahr mit Konsequenz seine Grundsätze“
L. Stein, Jüdischer Volkslehrer II 295ff
AZJ 1857, S. 366
Kayserling, Jüdische Kanzelredner II 308
JE V 516
JL II 827
Wininger II 335
EJ dt. IV 1187
Brilling, „Westfalen“, 108ff
Herzig, Westfalen, S. 46
Ursula Hesse, Jüdisches Leben in Alme, Altenbüren, Brilon, Madfeld, Messinghausen, Rösenbeck, Thülen. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Brilon 1991, S. 79, 93 (über seinen Sohn Abrah. F.), 96-98 (Amtseinsetzung als Oberrb.; Konflikte mit Orthodoxen und Sutro wegen Neuerungen), 116
Jüdisches Leben im Hochsauerland, Fredeburg 1994, S. 53, 69
Wlaschek, Bohemia, S. 58
Sabine Omland, Zur Geschichte der Juden in Drensteinfurt 1811-1941, Warendorf 1997, S. 334-37
HÖAAJH, Bd. I, S. 376, Nr. 2881
Zittartz-Weber, Rheinprovinz, S. 304; der Krefelder Rb. Löb Carlburg zieht in einer persönlichen Polemik 1833 in Zweifel, daß F. ordiniert sei