Gest. 16. Nov. 1874 in Strakonice (Strakonitz), Südwestböhmen
Schüler seines Onkels Lazar Fürth in Písečné (Piesling), Mähren, dann 1820- 24 bei Mordechai Benet in Mikulov (Nikolsburg), ordiniert durch das Prager Bet-Din unter Vorsitz von Samuel Landau. Seit ca. 1830 Lehrer in Kolodìje nad Lužnicí (Kalladey) in Südböhmen, dann in Kosová Hora (Amschelberg), Zentralböhmen, wo er 1832 zum Lokalrb. gewählt wird. Nachdem er an der Prager Universität die Ethik und das Naturrecht als Gasthörer studierte, legte er am 22./24 Feb. 1834 die vorgeschriebene Prüfung darüber ab. Noch im selben Jahr verlangt ein neues Gesetz die Ableistung regulärer akademischer Studien
F.s Dispensgesuch wird 1836 abgelehnt. Am 7. Okt. 1842 bestätigt als Religionsweiser in der Judenvorstadt Bezdìkov (Benzdiekau) bei Strakonice. Als Vater von 7 Kindern erhält er erst am 21. Apr. 1848 aus Wien den zur Bekleidung des Ortsrts. nötigen Dispens, später auch eine Ordination von S. L. Rapoport. Er predigt in deutscher Sprache und gibt Religionsunterricht am Gymnasium in Písek (Še’erith Yiœra’el, S. 34).
Dokumente
SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1841, svazek 46/2/19, vom 10. Sept. 1835 Dispensgesuch zur Bestätigung seiner Wahl als Rb. in Kosová Hora
ÖStA/AVA Wien, Alter Kultus, Isr. Kultus, Karton 4, vom 10. Sept. 1835; und ebd., Wien, Studien-Hofkommission 14 A, Rabbiner, vom 18. Apr. 1836 Ablehnung des Gesuchs
ŽM Prag, Nr. 67.967, Bewerbung in Velké Meziříčí (Groß-Meseritsch), Mähren; hebräisches Schreiben datiert aus Strakonice, 24. Aug. 1852, mit Abschrift des auf denselben Tag datierten Rabbinatsdiploms von S. L. Rapoport und einer deutschen Empfehlung des Wiener Predigers I. N. Mannheimer (12. Mai 1847). Dieser rühmt bei F. „eine würdige und aufs praktische Leben gerichtete geläuterte Vor- und Darstellungsweise“, auch seine bekannten „Leistungen im Fache der hebräischen Poesie und Stylistik“.
Publikationen
„Über den Selbstmord“, Abendland 1864, S. 61f
Še’erith Yiœra’el, „Scheëris Iisroël. Sammlung ebräischer Poesien und Gedichte, Epigramme und Exegesen über dunkle Stellen im Pentateuche, Talmud und Midraschim“, Prag 1872, 56 S. Autobiographische Einleitung (S. 5-6).
Literatur
Gutmann Klemperer, Rabbi Jonathan Eibenschütz, 1858, S. 150, über die Gelehrtenfam. Fürth in Strakonice
Schematismus, S. 90
Zeitlin, Bibliotheca, S. 107
Schwab, Répertoire, S. 145
EJ dt. VI 1214f
Wachstein, Hebr. Publizistik, S. 61f
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 614