Geb. 2. Apr. 1812 in Krotoszyn (Krotoschin), Großpolen,
Gest. 5. Feb. 1889 in Leipzig
Sohn des Rb. Israel G. und der Rebekka Benas, aus armen Verhältnissen, erzogen von seinem Großvater mütterlicherseits, einem Mendelssohn-Schüler. 1826 zum Talmudstudium nach Breslau, 1829 zweiter Lehrer an der jüd. Volksschule in Krotoszyn, danach Rückkehr nach Breslau und Besuch des Elisabethengymn.
1835 imm. Breslau, 8. Mai 1839 imm. Berlin, 28. März 1840 prom. Jena. Arbeit als Hauslehrer bei Kaufmann Adler in Krakau, dann bei dem Zuckerfabrikanten Meyer Bersohn in Warschau
dort seit 1840 Prediger der Deutschen Synagoge in der Danilowiczowska-Straße. 1841 Heirat mit der Kaufmannstochter Pauline Sternfeld (st. 1846)
1843 erstmalige Feier der Konfirmation. 1851 stellt ihn seine „Deutsch-israelitische Gemeinde“ fest an. In zweiter Ehe heiratet er 1853 seine Kusine Henriette Benas (1825-1920). 1856 Rb. und Religionsschulleiter in Leipzig, Mitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (ZDMG 1859, S. 330, Nr. 531). Teilnehmer der liberalen Kasseler Rb.-Versammlung, 1887 in den Ruhestand. Henriette Goldschmidt war seit der Ankunft in Leipzig als Frauenrechtlerin aktiv, gründete 1858 den „Allgemeinen Deutschen Frauenverein“ und 1911 die erste Frauenhochschule in Deutschland.
Dissertation
De Mosis Maimonidis philosophia theologica, Diss. Jena 1840.
Dokumente
UA Jena, M 292, Bl. 244-256, 286-287, Promotionsakten, Geburtsdatum laut Vita 12. April 1813.
Publikationen
„Rede bei der Lessingfeier in Leipzig“, Freie Hefte des Leipziger Journals II: Die Erste Lessing-Feier, Leipzig 1860, S. 13-25
Festrede bei der vom Verein zur Förderung israelitischer Interessen in Leipzig veranstalteten Gedächtnisfeier Moses Mendelssohn’s, Leipzig 1861
Die Jubelfeier des geretteten Vaterlandes, zum Jahrestag der Völkerschlacht, Leipzig 1863 [Expl. JNUL S62-B-2523]
Abendland 1865, S. 50f, mit Verteidigung des Talmud; „einen großen Theil seiner geistigen Spannkraft und seiner sittlichen Reinheit hat der Jude dem Rabbinismus zu verdanken“
Vortrag zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig, gehalten im Handwerker-Fortbildungsverein zu Gera, Gera 1865
Begrüßungsworte bei Eröffnung der ersten israelitischen Synode zu Leipzig, 1869
“Durch Kampf zur Versöhnung!“, Predigt, Leipzig 1869
Predigt bei dem am allgemeinen Bettage (3. August 1870) im isr. Gemeinde-Tempel zu Leipzig stattgehabten Gottesdienste, 1870
“Gott hat seinem Volke den Sieg verliehen“. Zur Sieges- und Friedensfeier, Leipzig 1871
Gottesdienstlicher Vortrag zur Feier des 25jährigen Bestehens der isr. Religionsgemeinde zu Leipzig, Leipzig 1872
„Rede zur Weihe der Lessingbüste in Kamenz“, in Ernst Beck (Hrsg.), Das Lessingfest zu Kamenz, 1883, S. 25-30.
Epigraphik
Grabstätte für ihn und seine Frau in Leipzig; Zeugnisse jüdischer Kultur, S. 235f.
Bildmaterialien
JNUL Jerusalem, Schwadron Collection (Bildnis).
Literatur
IA 1839, S. 269
AZJ 1860, S. 39, Teilnahme mit seiner Frau an der Mendelssohn-Feier in Leipzig; Gründung eines „Vereins zur Förderung geistigen Fortschritts im Judenthum“
AZJ 1868, S. 46f, Festrede vor dem „Mendelsohnverein“
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Mährens, 1929, S. 162, erwähnt Verhandlungen um einen Wechsel nach Brünn (1860)
Lippe 1879/81, S. 143f
Gedenkblätter zur Erinnerung an A. M. G., Leipzig 1889, darin eine biographische Skizze von Henriette Goldschmidt
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 820, 826
Levy, Sachsen, S. 105
ADB 49 (1904), S. 435-438
Heppner und Herzberg, S. 580
Wininger II 352f
Shatzky, Yidn in Varshe, Bd. II, S. 117, 145-147, 275, 277, 284
Brigitta Kirsche, „Zur Geschichte der Juden an der Universität Jena“, in Juden in Jena. Eine Spurensuche, hrsg. Jenaer Arbeitskreis Judentum, Jena 1988, S. 114
Über Henriette Goldschmidt siehe Josephine Siebe und Johannes Prüfer, Henriette Goldschmidt, ihr Leben und ihr Schaffen, Leipzig 1922, und Irmgard Mayer Fassmann, Jüdinnen in der deutschen Frauenbewegung, Hildesheim 1996, S. 156-177
Frdl. Mitteilungen von Frau Annerose Kemp, Studiendirektorin i. R. in Wiederitzsch.