Sohn des Hirsch (oder Joel?) Levi, Rb. in mehreren polnischen Gemeinden, 20. Okt. 1798 Schutzbrief der preuß. Regierung in Posen zur Ansiedlung in der Prov. Südpreußen, amtiert dort als Rb. in RogoŸno (Rogasen)
auf Empfehlung des Altonaer Oberrb. Raphael Cohn wird er 1799 Unterrb. in Friedrichstadt im Hzm. Schleswig
sein Sohn Michael wird dort zugleich als Schächter angenommen. Die beiden erhalten 400 Mk. und die Schlachtabfälle
weil das nicht genügt, betreiben G., sein Sohn und seine beiden Töchter Likörbrennerei und Spitzenklöpplerei. Obgleich die Vorsteher ihn unterstützen, formiert sich gegen ihn eine Gemeindeopposition um den Judenältesten Selig Abraham, der ihm Mißbrauch des Bannes vorwirft. Er sei aus Polen gekommen, nachdem er „seines unruhigen Kopfes halber daselbst weggejagt seyn soll“ und bekleide das Rt. „auf Empfehlung des vorigen Ober-Rabbiners, der bekanntlich ein Polacke war“ (4. Jan. 1800). Nach Vermittlung des neuen Altonaer Oberrb. N. H. Z. Berlin und des Obergerichts Schleswig akzeptiert G. das neue Gemeinderegulativ vom 4. Mai 1802 und die Kündigung zum Herbst 1803 gegen eine Abfindung. Um 1806 bemüht er sich um das Friedrichstädter Bürgerrecht
als seine (zweite?) Frau wird Maria (geb. 1767) genannt. Er starb als Dajan in Wandsbek.
Dokumente
LA Schleswig, Abt. 65.2, Nr. 2561 und 2562 enthält Material über die Auseinandersetzungen von 1799-1803. Abschließend heißt es am 15. Juni 1803, daß der Rb. laut Accord noch drei Jahre bleiben dürfe
Ebd., Abt. 65.2, Nr. 439 II, fol. 263, vom 13. Aug. 1804, am Schluss des Verzeichnisses der Friedrichstädter Juden: „Joseph Jasmann Levy aus Pohlen, dimittirter Rabbiner hieselbst, hat eine Frau und 3 Kinder, nähret sich mit Aquavit“.
Epigraphik
Grabstele bei Bar-Giora Bamberger, Wandsbek, Nr. 165.
Literatur
K. Michelson, „Die Friedrichstädter Juden im Jahre 1803“, Studien und Materialien zur Geschichte der Juden in Friedrichstadt, 1, 1972, nennt nach Volkszählungsregister vom 13. Feb. 1803 Joseph Jasmann Levy (54) und seine Frau Maria Levy (35)
Marie-Elisabeth Rehn, Juden in Friedrichstadt: Die Vorstandsprotokolle einer Israelitischen Gemeinde im Herzogtum Schleswig 1802-1860, Konstanz 2001, S. 33-35, 39f, 109.