Gest. 1. Feb. 1862 in Redwitz a. d. Rodach, Oberfranken
Sohn des rb. Gelehrten Jontoph G. und der Sara in Baiersdorf, Schüler von Wolf Hamburger an der Fürther Jeschiwa, sodann Besuch des Gymnasiums und der Univ. in Erlangen, April 1827 Staatsprüfung mit der Note 2, 1827 Distriktsrb. für das Amt Lichtenfels mit Sitz in Redwitz als erster akademisch gebildeter Rb. in Bayern und einer der Anführer der reformistischen Tendenz. 2. Mai 1828 Heirat mit Jette Wittelshöfer (1801-1874), einer Tochter des Rabbiners Moses W. in Floß, welcher ihn auch ordinierte. Seit der konservativen Wende in der bay. Regierungspolitik 1836 betätigte er seine Reformneigung nur mehr in der theoretischen Erörterung
1839 Mitglied in Geigers „Verein jüd. Gelehrter“
Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843-50). Bewerber in Kassel (1844) und Breslau (1845).
Dokumente
StA Bamberg K3 C3 Nr. 190, Personalakte
CAHJP Jerusalem G4/46, Judenmatrikel Redwitz; Trauungen S. 1, Sterbefälle S. 40.
Manuskripte
Ausgabe des Buchs Koheleth; Übersetzung des Josephus mit lateinischem Kommentar.
Publikationen
„Ueber die Leviratsehe und die Ceremonie des Schuhausziehens“, WZJT 4, 1839, S. 61-87 u. a. Artikel in Geigers WZJT, im Orient und Steins IVL
Rb. Gutachten zugunsten der Reform, so zur Verteidigung Abr. Geigers, 25. Aug. 1842, in Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung ..., Bd. I, S. 163-189
„Offenes Antwortschreiben an die jüdischen Reformfreunde in Frankfurt a. M.“, LdO 1844, S. 1-6, 21-23; mit dem Bekenntnis S. 2: „Wiederholt habe ich mich bereits dahin ausgesprochen, daß, soll der Kern des Judenthums erhalten und vor gänzlicher Erstarrung bewahrt werden, die steinerne Hülle, welche sich immer dichter um denselben gelegt hat, wiederum abgelöst werden müsse, damit jener in seiner ursprünglichen Reinheit, in seinem ungetrübten Glanze durchschimmere und die Herzen der Gläubigen an sich ziehe“
Die Apokryphen des A. Testaments aufs Neue aus dem griechischen Text übersetzt, Altona 1841.
Epigraphik
Deutsche Grabinschrift bei Josef Motschmann und Siegfried Rudolph, “Guter Ort“ über dem Maintal: Der jüdische Friedhof von Burgkunstadt, Lichtenfels 1999, S. 62, mit Photographie des Grabsteins S. 63; dort S. 135f Polemik über seine Reform der Begräbnisriten.
Literatur
WZJT 3, 1837, S. 126, über seine Teilnahme an der Kreissynode von 1836
Orient 1845, S. 82 über seine Bewerbung in Breslau, wobei „sich seine kühne Chaliza-Reform auf steckbrieflichem Wege, die er einmal in den Flegeljahren seines Rabbinats versucht haben soll, insofern rächte, als er gerade wegen dieser unglücklichen Affaire von der Kandidatenliste gestrichen wurde“
Nachruf AZJ 1862, 149-151. „An diesen Namen knüpft sich ein Stück jüdischer Culturgeschichte [...] sein Eintritt in’s Amt bildet eine Epoche in dem Fortschritt der deutschen Judenheit [...] was der große jüdische Philosoph des 18. Jahrhunderts im Norden als Gedanken und Plan darstellte, dem hat Gutmann, der stets offen und frei seine Stirne trug, in der Praxis Leben und Gestaltung gegeben“
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 748, 863
JE VI 114
Wininger II 565
EJ dt. VII 741f
Schorsch, „Rabbinate“, S. 246
Klaus Guth (Hrsg.), Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800-1942), ein historisch-topographisches Handbuch, Bamberg 1988, S. 166
Wiesemann, „Rabbiner“, S. 280
Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 410, 419, 452, 485.