BHR Biographisches Portal der Rabbiner

HAMBURGER, Jacob, Dr.

  • Geb. 10. Nov. 1826 in Wodzisław Œląski (Loslau), Oberschles.,
  • Gest. 10. Nov. 1911 in Neustrelitz, Mecklenburg
  • Sohn eines Schankwirts, Schulbesuch in Racibórz (Ratibor), Jeschiwot in Osoblaha (Hotzenplotz), Preßburg und Mikulov (Nikolsburg). Hattarot aus Prostìjov (Proßnitz) von Fassel, aus Biała (Zülz) von Rb. Landsberg sowie von Aron Schwab aus Osoblaha
  • Morenu von S. R. Hirsch und vom Oberjuristenkollegium in Mikulov. Als Hörer ohne Reifezeugnis am 14. Okt. 1847 imm. Breslau extra ordinem
  • 20. Sept. 1850 Abitur am Gymn. in Lubañ (Lauban), Niederschlesien
  • 31. Okt. 1850 reguläre Immatrikulation
  • 7. Feb. 1851 Abgang von Breslau
  • 7. Mai 1851 imm. Berlin, Morenu von Mich. Sachs. 21. Jan. 1852 Rb. in Lwówek (Neustadt bei Pinne), 21. Okt. 1852 prom. Leipzig. 1855-57 auch für Pniewy (Pinne) zuständig. 1859 Landesrb. für Mecklenburg-Strelitz mit Sitz in Altstrelitz, den er später nach Neustrelitz verlegt. Liberal. Bewerbungen u. a. in Hamburg (1851), Brünn (1860), Leszno (Lissa
  • 1864), Emden (1874), Stettin (1879), Erfurt (1885), Prag (1889).

Dissertation

  • De Chaldaica versione, quam Onkelosianam vocamus, Diss. Leipzig 1852.

Dokumente

  • AU Wrocław, F 434, S. 97; F 437, S. 20, Matrikeleintrag; ebd., F 457, Studentenregister, danach geb. am 5. Mai 1823
  • UA Leipzig, Pro-Cancellar-Buch der Philosophischen Fakultät, B 128a, S. 180, Promotionseintrag
  • StA Marburg, 100/3725, vom 16. Okt. 1853 erwähnt Bewerbung in Fulda
  • CJA Berlin, 75 A Sta 2 Nr. 56, mit Bewerbung in Stargard Szecziñski (Stargard in Pommern) 18. Okt. 1857; seine Publikation sei der erste Teil eines Werkes „Wissenschaft des Talmud“; auch sei er von der jüdischen Literaturgesellschaft zum Mitarbeiter am geplanten „Conversationslexicon des Judenthums“ ernannt worden
  • LHA Schwerin, Bestand „Judenangelegenheiten Mecklenburg-Strelitz“, Paket 68, Nr. 71 Besetzung der Stelle des Landesrabbiners in Alt- Strelitz, 1858-1865; Paket 68, Nr. 72 Landesrabbinat in Alt-Strelitz, 1869-1911; Paket 69, Nr. 73 Landesrabbiner Dr. Hamburger, 1867-1915
  • CAHJP Jerusalem, D/Ba17a/37 vom 16. Feb. 1863 Bewerbung in Bamberg; als seine Hauptaufgabe sieht er „die Heranbildung der Jugend, wie die Erhaltung des Friedens und der geistigen Regsamkeit des Gemeindelebens durch Wort u. That“
  • CJA Berlin, 75 A Str 3 Nr. 23, infolge der 1865 ausgebrochenen Streitigkeiten mit dem Vorstand über sein Domizil (er habe nur ein einziges Zimmer in Altstrelitz!) zieht er mit seiner Familie nach Neustrelitz, wo seine ältesten drei Töchter 1878 ein Töchterpensionat eröffnen. Vorstand verweigert Gehaltsauszahlungen; 1881 ist H. in fünf Prozesse verwickelt. Dabei Gutachten von zwei Rb. über die Frage, ob ein Rb. und seine Frau eine halbe Meile voneinander entfernt wohnen dürfen
  • StadtA Emden, Dezimalregistratur, IV Dc Nr. 4, Bl. 22, mit Bewerbung in Emden, vom 16. und 23. März 1874, wo er betont, „daß ich zu den älteren Kandidaten gehöre, die ihr jüdisches Wissen nicht auf Seminaren, sondern an der Quelle selbst geschöpft haben“
  • CJA Berlin, 75 A Ste 3 Stettin Nr. 67, fol. 14-15, Bewerbung in Stettin vom 2. April 1879
  • Ebd., 75 A Er Nr. 29, fol. 1-2, Bewerbung in Erfurt, 15. Juli 1885
  • ŽM Prag, Nr. 128.402, S. 544-546, 640, 673-675, Bewerbungen um das Prager Oberrt., 1869 und 1879.

Publikationen

  • Geist der Agada. Sammlung hagadischer Aussprüche aus den Talmuden und Midraschim über biblische, dogmatische und moralische Gegenstände, in alphabetischer Ordnung, 1. (und einzige) Lieferung Leipzig 1857
  • „Die Lehre vom Bösen und Guten nach dem Talmud und den Midraschim“, AZJ 1858, S. 690ff, 708ff; 1859, S. 113ff, 419ff
  • Das Alte in dem Neuen! Jubel- Predigt zur Feier des 100jährigen Bestandes der Synagoge zu Altstrelitz, Neustrelitz 1863, S. 4: „Erst mußten die Schriften der Alten herausgesucht, gelesen und verstanden werden, ehe das Mittelalter zusammenbrechen konnte. Das Alte, so schließt sie [die isr. Religion], sei euch daher ein Heiligthum - nicht in ihm zu leben und zu weilen, sondern um aus dessen Quell zu schöpfen, in ihm sich zu sammeln und zu stärken und so gesammelt und gestärkt für die Gegenwart zu leben, zu wirken und zu schaffen“
  • Real-Enzyclopädie für Bibel und Talmud zum Handgebrauch für Bibelfreunde, Vorsteher, Rabbiner etc. jeder jüdischen Gemeinde, I. Abtheilung, enthaltend die biblischen Artikel, 4 Bde. Neustrelitz 1862-1869; II. Abtheilung, talmudische Artikel, Neustrelitz 1870-1874; vollständig unter dem Titel Real-Encyclopädie des Judenthums. Wörterbuch für Gemeinde, Schule und Haus, Neustrelitz 1874
  • Predigt über das 32. Capitel der Reden Jeremias am Bettage (27. Juli 1870) gehalten in de Synagoge zu Strehlitz, Neustrelitz 1870
  • Die Nichtjuden und die Sekten im talmudischen Schriftthum, Vortrag, 2. Aufl. Neustrelitz 1880
  • Jubelfest- Predigt zur Feier der goldenen Hochzeit Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz 1893.

Epigraphik

  • Sein Grabstein und der für Daniel Sanders ist einer der wenigen erhaltenen aus dem zerstörten jüd. Friedhof in Altstrelitz; Zeugnisse jüdischer Kultur, S. 42; Abb. bei Jürgen Borchert und Detlef Klose, Was blieb ... Jüdische Spuren in Mecklenburg, Berlin 1994, S. 73f mit der Bemerkung: „Es grenzt an ein Wunder, daß ausgerechnet diese beiden Denkmäler erhalten geblieben sind“; Diekmann (Hrsg.), Mecklenburg-Vorpommern, S. 58. Auf dem Stein erscheint der 23. Okt. 1911 als Todesdatum.

Bildmaterialien

  • Bildnis in JE, JL (loc. cit.)

Literatur

  • AZJ 1852, S. 41, 74, Amtsantritt in Lwówek
  • AZJ 1855, S. 410f, Tätigkeit dort
  • AZJ 1858, S. 371, Beifall Frankels und Philippsons für seine Aggada-Forschungen
  • AZJ 1858, S. 586, Eingabe in der Mortara-Affäre
  • „Verzeichniß der [...] Synagogen-Gemeinden“, 1858, S. 43, 51
  • AZJ 1859, S. 262, Wechsel nach Mecklenburg-Strelitz
  • AZJ 1863, S. 648f, Rede zum 100jährigen Bestehen der Synagoge in Neustrelitz
  • AZJ 1864, S. 516, Bewerbung in Leszno
  • Lippe 1879/81, S. 168
  • Sefer sikkaron, Warschau 1889
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 771
  • AZJ 1896, Nr. 47, Anhang S. 2, zum 70. Geburtstag
  • JL II 1381f
  • JE VI 194f
  • Wininger II 601f. (Geburtsort ist hier irrtümlich mit Breslau angegeben, ebenso Heppner und Herzberg, S. 655).EJ dt. VII 898f
  • EJ eng. VII 1230
  • Diekmann (Hrsg.), Mecklenburg-Vorpommern, S. 56-59
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 102
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 617, 689.