Sohn des Kaufmanns Lazar Löb H. und der Rickel geb. Horowitz, Schulbesuch in seiner Heimatstadt, 1857 nach Breslau zum Jüdisch-theologischen Seminar, 28. August 1860 Externenabitur in Krakau, 18. Okt. 1860 imm. Breslau, 24. Mai 1864 prom. Halle, 1865 Diplom des Seminars, 1867 Rb. in Mirosławiec (Märkisch-Friedland), 1869 Oberrb. in Krefeld
22. Nov. 1869 Heirat mit Cölestine Heymann (geb. 1850), Tochter des praktischen Arztes Dr. Ludwig H. aus Breslau. 1904 in den Ruhestand. Großvater des Religionsphilosophen Hans Jonas.
Dissertation
Meletemata in librum apocryphum, qui Sapientia Iesu Siracidae vulgo appellatur, Diss. Halle 1864; Druckausgabe „Das Buch Jesus Sirach“, MGWJ 1865, S. 101ff., auch Separatdruck Breslau 1865, 46 S.
Dokumente
ÖStA/AVAWien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 6. Feb. 1859: Lazar Horowitz wünscht Militärbefreiung für seinen in Breslau studierenden Sohn
AU Wrocław, F 434, S. 125, Matrikeleintrag
Promotionsakten UA Halle, Rep. 21 II, Bd. 100, fol. 273-283, dort fol. 276 Vita; fol. 277 Krakauer Matura vom 28. August 1860 (danach geb. 17. März 1837), H. wurde in poln. Sprache nicht geprüft, „weil er seine Studien an einer Lehranstalt zurückgelegt hat, wo die polnische Sprache nicht gelehrt wurde“
PSA Brühl, Krefeld H 1869 Nr. 526, Heiratsregister
LBI New York, AR 4884, Korrespondenz mit Zach. Frankel wegen seiner unzureichenden Einkommensverhältnisse, 1872; siehe Brämer, Rabbiner und Vorstand, S. 131.
Publikationen
(MGWJ-Artikel bei Kreutzberger, S. 29) Mafteah. leDarche ha-Mišnah. Ausführliches Sach- und Namen-Register zu Frankels Hodegetica in Mischnam, Leipzig 1867; 1878
„Chassidäische Silhouetten“, Jahrbuch der Israeliten, hrsg. Wertheimer-Kompert, 1865/66
„Ein Blick auf die Juden in Galizien“, MGWJ 16 (1867), S. 41-53, 81-93, 125-142
„Die Predigt der Gegenwart, ein Volksbildungselement“, Israelitisches Predigtmagazin, hrsg. Rahmer, 1 (Okt. 1874), S. 1-8, verteidigt eine modernistische, weltlicher Wissenschaft und Glückseligkeit zugewandte Frömmigkeit. „Alle Errungenschaften, Fortschritte und Erfolge der neuen Forschung, die ja doch zumeist nur die Natur, das Irdische, die Materie angehen, weit entfernt davon, das Wesen des Göttlichen zu beeinträchtigen, lassen sich vielmehr ... in den Dienst der Religion nehmen und für sie verwerthen; und indem sie mit vollem Bürgerrecht an heiliger Stätte erscheinen und so gleichsam kirchen- und kanzelfähig werden, erlangen sie für das Volk eine höhere, bleibende Bedeutung ... Auch die Gottesgelahrtheit muß sich nun wohl mehr den Dingen der Wirklichkeit, der Natur zuwenden, von ihnen zum Unsichtbaren aufsteigen und jene alte rein aprioristische Lehrund Redeweise aufgeben“
„Die Aufgabe der isr. Predigt der Gegenwart“, ebd., S. 33ff
„Die Doppelbotschaft. Predigt zu Kol Nidre“, ebd., II, S. 23
„Das Zusammenleben und Zusammenstreben. Predigt am Hüttenfeste“, ebd., II, S. 41
Predigt am Geburtstagsfeste des Kaisers, 1875
Trauerworte, gesprochen an der Bahre des Frl. Fanny Nathan, Gründerin und Vorsteherin des jüd. Waisenhauses für Westphalen und Rheinland in Paderborn, Krefeld 1877
Predigt am Offenbarungsfeste. Dank- und Bittgebet für den Kaiser, 1878
„Die Peripetie im Buche Ester“, MGWJ 1882
„Über einige Namen der Rabbiner im Talmud und Midrasch“, MGWJ 32, S. 306-317
Predigt zum ersten Tage des Pessachfestes, 1882
Festschrift zum 125jährigen Jubiläum der Chewra Kadischa zu Krefeld, Krefeld 1889
Zahlreiche Rezensionen in der MGWJ (mit H. unterzeichnet).
Bildmaterialien
Bildnis in Ost und West 1904, Sp. 763.
Literatur
Jahresbericht JTS 10 (1865), Anhang S. II
Lippe 1879/81, S. 192f
Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 748, 822
Brann, Jüd.-theol. Seminar, S. 169
Eleonore Stockhausen, „Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Krefelds im 19. Jahrhundert“, in Krefelder Juden, Bonn 1981, S. 63-65
Brämer, Frankel, S. 382, 395, 399
Hans Jonas, Erinnerungen, Frankfurt/M, 2003, siehe Register; hier Überlieferung Leo Baecks vom Tod H.’ am Ende eines Vortrags in Düsseldorf. Bei den Worten „So meine Damen und Herren, wir kommen jetzt zum Schluß“ brach er zusammen und wurde von seinem Sohn Leo H., Arzt in Düsseldorf, aufgefangen, in dessen Armen er verschied