Geb. 1811 in Wieleñ (Filehne) in der späteren Prov. Posen,
Gest. 11. Mai 1885 in Hamburg
Lernt bei Sal. Mich. Struck in seiner Heimatstadt, dann bei einem auswärtigen Onkel. Wirkt als Lehrer der neuorthodoxen Richtung in der Prov. Posen, in Süddeutschland und seit Anfang der 1840er Jahre in Frankfurt/M., wo er auch sabbatliche Predigten vor den Orthodoxen in der Klaus hält, jedoch von dem reformnahen Vorstand ausgewiesen wird. 10. Mai 1842 bis WS 1844 stud. Bonn, zugleich von der Kölner Gemeinde als monatlicher Prediger angestellt, Bewerber in Krefeld (1844)
5. Aug. 1845 (Wahl) als Nachfolger von Sam. Holdheim Rb. in Frankfurt/O.
1848 Vertreter am Landesrt. in Emden, das seit dem Weggang S. R. Hirschs vakant ist, 1850 Oberrb. in Rotterdam, wird Jakob Ettlingers Schwiegersohn. Legt das Amt 1871 nieder und zieht sich ins Privatleben zurück. Kurzzeitig übernimmt er das ihm angebotene Rabbinat in Wieleñ (Filehne), geht dann nach Hamburg (Eimsbüttlerstr. 12). Auf Wunsch der Orthodoxen predigt er in der Betstube im Convent-Garten, dann in der eigens für ihn gegründeten Privatsynagoge „Nwé Scholaum“ auf dem Jungfernstieg. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde ernennt ihn zum „Ehrenrabbiner“, jedoch die Beziehungen zum Gemeinderb. Anschel Stern waren nicht ungetrübt. Sein Leichnam wurde auf seinen Wunsch nach Wieleñ überführt.
Dokumente
CJA Berlin, 75 A Fr 5 Nr. 18, fol. 23, Anstellung in Frankfurt/Oder
StA Aurich, Rep. 21a, Nr. 8562, Anstellung in Emden.
Publikationen
Artikel gezeichnet „Dr. J.“ im Treuen Zionswächter, z. B. „Über die gegenwärtige Stellung der Parteien im Judenthum“, TZW 1845, Anfg.; „Die Orthodoxie und die projectirte ’Theologen- Versammlung’„, TZW 1846, S. 245f., 249f.; „Communismus und Socialismus, die ärgsten Feinde des Judenthums“, TZW 1847, S. 17-20; „Auch der jüdische Communismus hat sein Gutes, oder: Unsere ärgsten Feinde, unsere besten Freunde und Rathgeber“, TZW 1847, S. 51f.; „Was thut in der Gegenwart vor Allem unsern Gemeinden, unsern Vorständen, unsern Rabbinern Noth?“, TZW 1847, S. 193-195; usw.
Literatur
AZJ 1841, S. 715 über seine Predigten in Fft./M
Orient 1843, S. 282, über Predigt in Köln zur Tausendjahrfeier Deutschlands
INJ 1845, S. 212, über sein Wirken in Köln: „Die Predigten des Herrn J. hatten mit Orakeln das Zweideutige und Dunkle gemein, und waren dermaßen mit Stellen aus dem Sohar versehen, als seien seine Zuhörer eitel Kabbalisten, während in der That ein großer Theil derselben kaum hebräisch lesen kann“
AZJ 1845, S. 537; Orient 1845, S. 362, Anstellg. in Frankfurt/Oder
AZJ 1847, S. 757, Interesse an Berufung nach Emden
Orient 1849, S. 4, Vertretung in Emden
Orient 1850, S. 17, Wechsel nach Rotterdam
Jeschurun II, 7 (1. April 1856), S. 207, Vorträge über jüd. Religionsphilosophie in Rotterdam
Lippe 1879/81, S. 197
AZJ 1880, S. 41, nennt ihn als Haupt einer neuen „hyperorthodoxen“ Partei, gegen die die orthodoxen „Sternianer“ sogar mit den liberalen „Tempelianern“ paktieren
Schwarzschild, IRG, S. 6
Duckesz, H. achme ’AHU, Nr. 122, hebr. S. 127, dt. S. 44
Heppner und Herzberg, S. 383-386
Asaria, Niedersachsen, S. 227, 256f
Meir Hershkowitz, „R. Y. Y.“, Ha-Ma‘yan 35,4 (1995), S. 64-69