BHR Biographisches Portal der Rabbiner

JARACZEWSKY, Adolph, Dr.

  • Geb. 29. April 1829 in Borek, Prov. Posen,
  • Gest. 25. Juni 1911 in Mühringen bei Horb, Württemberg
  • Sohn des Ephraim J. und der Rosa Messner, Volksschulbesuch in seiner Heimatstadt, mit 13 J. zum Talmudstudium bei dem chassidischen Schulhaupt Elias Guttmacher in Grodzisk (Grätz), habe sich auf den theologischen Beruf „erst in vorgerückter Jugendzeit“ vorbereitet, in Breslau gefördert von Abraham Geiger und Wilhelm Freund, humanist. Privatstudien bei Prof. Schmidt. Abitur in Krotoszyn (Krotoschin), Prov. Posen
  • Studium an der Univ. Breslau, Hauslehrer in Dolsk (Dolzig), Prov. Posen, 1854 Oberlehrer in Stettin unter Rb. Meisel, der ihn auch diplomiert. 1858 Prediger in Kostrzyn nad Odrą (Küstrin a. d. Oder), Pommern, 13. April 1861 prom. Rostock
  • 11. Juni 1862 Heirat mit Friederike Pollak (1839-1894) aus Rawicz, 1. Juli 1862 Rb. in Erfurt
  • 28. Apr. 1866 Aufnahme in die Kgl. Preußische Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. Dez. 1869 ordiniert von dem Magdeburger Rb. Rahmer. Seit ca. 1875 bewirbt er sich um andere Stellen, u. a. in Pleszew (Pleschen) und Elbląg (Elbing), was Konflikte mit der Gemeinde schürt
  • wechselt zum 1. März 1879 als Seelsorger und Religionslehrer nach Sušice (Schüttenhofen), Böhmen, dort seit Mai 1880 auch Bezirksrb.
  • Okt. 1881 Rb. in Klatovy (Klattau), wird unter dem Druck der tschech. Nationalbewegung entlassen. 1884 Bezirksrb. in Mühringen, Württemberg. Mitglied im „Deutschen Reichsverband jüdischer Religionslehrer“ (gegr. Breslau 1894).

Dissertation

  • Die Ethik des Maimonides und ihr Einfluß auf die scholastische Philosophie des saec. XIII (lat. Nebentitel Ethice Maimonidis quam vim habuerit ad philosophiam XIII. saeculi, Diss. Rostock 1861.

Dokumente

  • HStA Stuttgart J 386/414 Blatt 4, jüd. Familienbuch Mühringen
  • UA Rostock, Phil. Fak., Dekanatsjahr 1860/61, Missive 18, Promotionsakten mit Diss. und Lebenslauf
  • CJA Berlin 75 A Pl 1 Nr. 57, Bewerbung in Pleszew
  • CJA Berlin, 75 A Er 1 Nr. 27, Personalakte aus Erfurt, enthält Untersuchung von 1878/79 wegen Amtsvergehen: J. wird beschuldigt, abends mit einem gemeinen Frauenzimmer gesehen worden zu sein. Klagt wegen Ehrenkränkung, wird vom Vorstand auf drei Monate suspendiert und legt dann, der Kämpfe müde, das Amt nieder
  • Ebd., 75 A Sta 2 Nr. 47, fol. 48, vom 12. März 1875, Bewerbung in Stargard Szecziñski (Stargard in Pommern)
  • Ebd., 75 A El 2, Nr. 16, fol. 261, vom 26. Okt. 1878, Bewerbung in Elbląg (Elbing)
  • StA Ludwigsburg, E 212 Nr. 128, Bewerbung in Mühringen mit Empfehlungen; die Zeugnisse seien ihm bei einer Bewerbung in Chicago verlorengegangen. Darin Rabbinatsdiplom von Rb. Moritz Rahmer, datiert aus Magdeburg, Chanukka 5630 (Dezember 1869), mit Hinweis auf Studien bei Guttmacher. Empfehlung des Erfurter Oberbürgermeisters (28. Feb. 1879). Drei Briefe aus Klatovy nach Stuttgart mit Bitte um Hilfe; „man will auch den Gottesdienst cechisiren“ (14. Jan. 1884), J. sieht sich als „ein Opfer des jüdisch-czechischen Phanatismus“ (27. März 1884); seine Lage als deutscher Rabbiner unter dem Fremdenhaß der Nationalbewegung sei, so versichert er, „herzerschütternd“ (24. Juni 1884). Desgleichen ein Empfehlungsbriefchen von Ludwig Philippson aus Bonn, 29. Mai 1884: „Der arme Mann wird also auch ein Opfer des Nationalitätenfanatismus, der jetzt die Welt durchtobt und so vieles Unheil anstiftet“
  • HStA Stuttgart, E 201c/41 Mühringen, vom 9. Okt. 1884 Bericht über Ernennung. Hiernach wurde er in Erfurt entlassen, weil „er um andere besser dotirte Stellen sich bemühte“. Von der Staatsprüfung wird er dispensiert bis auf „Probepredigt, Probekatechese und Abhaltung eines Colloquiums über die jüdisch-theologischen Disciplinen“ vor der Oberkirchenbehörde
  • Ebd., E 201c/45, Bewilligung verschiedener Kuren in Karlsbad seit 1895, eingedenk „der ungünstigen Verhältnisse des Bittstellers, welcher infolge unglücklicher Verheiratung zweier Töchter sein ganzes Vermögen verloren hat“ (1. Juni 1896).

Publikationen

  • „Die Ethik des Maimonides“, Zeitschrift für Philosophie und philos. Kritik hrsg. von Fichte u. a. Bd. 48/2
  • Geschichte der Juden in Erfurt, 1868.

Literatur

  • Lippe 1879/81, S. 201
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 850
  • Heppner und Herzberg, S. 318
  • Tänzer, Württemberg, S. 73
  • Sauer, Württemberg, S. 130
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 577, 587, 667.