Rb. in Vlachovo Březí (Wällischbirken), Südböhmen, auf Empfehlung des Prager Oberjuristen Samuel Landau 1830 Rb. in Hohenems, Vorarlberg, 2. März 1833 Ernennung zum Prachiner Kreisrb. mit Sitz in Březnice (Bresnitz), Westböhmen, 22. Jan. 1835 Pilsen-Klattauer Kreisrb. mit Sitz in Švihov (Schwihau). Er bemüht sich im Interesse seiner zwölf Kinder seit 1836 um eine Verlegung des Rabbinatssitzes in die Stadt Pilsen, was ihm aber erst nach einigen Jahren gelingt. Teilnehmer der böhmischen Synode (1851). Am 8. April 1859 weiht er die erste Synagoge der im selben Jahr gegründeten Pilsner Kultusgemeinde ein, die am Ende seiner Amtszeit bereits 1.200 Mitglieder zählt. Galt als talentierter Prediger.
Dokumente
ÖStA/AVAWien, Alter Kultus, Israelitischer Kultus, Karton 4, vom 28. Nov. 1838: „Uebersicht der [...] in Böhmen angestellten Kreis-Rabiner“
SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1841, svazek 46/2/9, mit Petition an den Kaiser vom 10. Sept. 1840 wegen Umzugs nach Pilsen
Ebd., ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/3/4, vom 23. Mai 1841 enthält K.s „Entwurf zu einer Jnstrukzion über die gesetzlichen Verpflichtungen und Amtsverrichtungen der Kreisrabbiner“. K. hält den Kreisrb. für „verpflichtet, alle dieser Konfession anklebenden, veralteten, außerwesentlichen Gebräuche zu sichten, sie zweckgemäß dem Zeitgeiste zu adaptiren, und alle Mißbräuche, alten Aberglauben und Intoleranz mit Nachdruck und mit eindringlicher überzeugender Ueberredung abzustellen“. Das zuständige Kreisamt warnt: „Die Eingabe des pilsner Kreisrabbiners ist mehr Denunciation als geregelter Entwurf zu einer Instruktion“; K. wolle „die Einführung einer jüdischen Hierarchie und strebt nach einer inquisitorischen Gewalt“. Mit der gewünschten Vorschrift zur Domizilierung in Gymnasialstädten habe er nur im Auge, „sich sein Domicil in Pilsen zu sichern“
Ebd., ČG Vš., oddìlení 1841-1855, svazek 18/1, mit Wortbeiträgen bei der „Berathung über die Reglung der jüdischen Kultusgemeinde-Ordnung im Kronlande Böhmen“, 14. Jan. 1851
ÖStA/AVAWien, Neuer Kultus, Israelitischer Kultus, D 5, vom 19. Sept. 1865, nennt ihn unter den 27 böhm. Vorbereitungsdozenten für die Preßburger Landesrabbinerschule.
Publikationen
Rede zur Feier des Geburtsfestes Seiner k. k. Majestät Franz I., Innsbruck 1831
Orient 1846, S 195f, aus Pilsen: „Dieser Rabbi - weil doch nicht der alten, gewiß aber der neuen Schule hold - der in weiser, patriarchalischer Zurückgezogenheit sich und seiner Familie lebt, besitzt die seltene Tugend, sich vor dem Fehler des Zuvielregierens zu bewahren [...] Auf diese Art werden die guten Gemeinden nur bei Sportelangelegenheiten daran erinnert, daß sie ein geistliches Haupt besitzen, und in allen andern der freien Entwickelung überlassen“
Roubík, „Kultus- und Schulverhältnisse“, S. 336f, über seine Eingabe von Anfang 1850, welche zur Einberufung der beiden böhmisch-jüdischen Synoden führte
Steinschneider, Bodleiana, Bd. II, Sp. 1570
Gold (Hrsg.), Judengemeinden Böhmens, 1934, S. 346, 484, 486.