BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KALISCHER, Hirsch (hebr. Zwi-H.)

  • Geb. 28. März 1795 in Leszno (Lissa),
  • Gest. 16. Okt. 1874 in Toruñ (Thorn), Prov. Westpreußen
  • Schüler von Jakob Lorbeerbaum in Leszno und Akiba Eger in Mirosławiec (Märkisch-Friedland). Von seiner Heirat 1822 bis zu seinem Tod ununterbrochen in Toruñ ansässig, vom Kleinhandelsgeschäft seiner Frau ernährt, amtiert dort über vierzig Jahre lang als unbesoldeter „Rabbinatsverweser“. Schon 1836 versucht er Anschel Rothschild für ein Programm zu einem jüdisch-religiösen Gemeinwesen in Palästina zu gewinnen
  • beruft 1860 eine Rabbinerversammlung zugunsten der Palästinakolonisation nach Toruñ ein
  • die Initiative führt im Verein mit der Alliance Israélite zur Gründung der ersten jüd. Landwirtschaftssiedlung Mikwe Yisrael bei Jaffa (1870). L. Lewin und A. Heppner bezeichnen K. als „Vater des Zionismus“. Sein Enkel war Professor und Präsident des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. Der Kibbutz Tirat Zvi wurde zu seinen Ehren benannt.

Dokumente

  • Jehle, Enquêten, Bd. II, S. 770, belegt im Mai 1844 einen Rb. für die 379 Juden in Thorn.

Manuskripte

  • Bar-Ilan University Ramat Ran, cod. 613 ’Ämunah Yešarah, wie in der Druckausgabe gefolgt von Be’ur Ma‘alath Ya‘aqov und Ma’amar Pälä’ be‘inyan ha-Liwyathan, 102 u. 32 Bl. [IMHM 37.048]
  • JNUL Jerusalem, ms. 8º 5747 Anmerkungen zum Šulh. an ‘Aruch OH
  • Municipal Library Tel Aviv, cod. 22 Responsum in Nahum Manasse T. ov-Yomi [IMHM 39.764]
  • Gutachten an das Kultusministerium; GStA Berlin, Rep. 76-III, Sekt. 1, Abt. XIIIa, Gen., Nr. 1, Bd. 9, fol. 154-159v, vom 16. Feb. 1844, gez. „Hirsch Kalischer, Rabbinatsassessor in Thorn“ (frdl. Mittlg. von Manfred Jehle). Spricht sowohl gegen die Neuerungssucht als auch gegen die starre Orthodoxie: Jede bedeutendere Gemeinde müsse zur Anstellung eines eigenen Rabbiners verpflichtet werden; durch dessen Predigten und Belehrung würden sich bald alle Probleme von selbst lösen.

Publikationen

  • Der Patriot. Eine Ermunterung zu Liebe, Achtung und Ehrfurcht für den König. In einem Gespräche zwischen einem Rabbi und seinem Schüler, Toruñ 1831; dort S. 31: „Regentschaften der Erde sind die Regentschaft des Himmels“
  • „Maimonides und seine neuern Gegner“, dt. Übs. aus dem Hebräischen in IA 1840, S. 5-7 (mit „H. K. in Thorn“ gezeichnet)
  • ’Ävän Boh. an [Jes. 28,16] zu HM § 89 (Teil des Kommentars Mo’znayim la-Mišpat. zu HM), Krotoszyn 1842, 32 S
  • ’Ämunah Yešarah, Teil I: zur Religionsphilosophie und biblischen Hermeneutik, Krotoszyn 1843, 155 + 50 S
  • Mitarbeiter der Zschr. Der Orient (1843-50)
  • Mo’znayim la-Mišpat. , zu HM §§ 1- 42, 2 Bde. Krotoszyn und Königsberg 1855, 168 S. + 68 Bl
  • ’Ämunah Yešarah, Teil III: Derišath S. iyyon, über die jüd. Neubesiedlung des Landes Israel, Ełk 1862, 32 Bl, protozionistisches Werk, das die zeitgenössischen Pläne der Palästinakolonisation mit messianischen Utopien, Wiederherstellung des Tempelkultes u. a. verbindet; separat Derišath S. iyyon leH. ävrath Yiššuv Äräs. Nošäväth mit Sefär Ri’šon leS. iyyon, mit Anmerkungen von Nathan Friedland, Toruñ 1866, 45 Bl.; hrsg. Samuel Zwi Weltesmann, Warschau 1899, 90 S.; mit weiteren Texten, etwa Har S. iyyon über die Opfer von Zwi-Pessach Frank und Semichath Zeqenim über Erneuerung der Ordination hrsg. Jakob Josef Dimitrowsky, Jerusalem 1919, 69 Bl.; Ausg. von Israel Klausner, Jerusalem 1964, 279 S.; dt. Übs. von S. Popper, Drischat Zion, oder Zions Herstellung, Toruñ 1865; 2. Aufl. Berlin 1905
  • Frage an Jak. Ettlinger über das Tempelopfer in der Gegenwart (1862); in dessen Binyan S. iyyon, Altona 1868, Nr. 1
  • Yes. i’ath Mis. rayim zur Pessach-Haggada, Warschau 1864, 114 Bl
  • (Mit E. Guttmacher) Flugblätter Qol Qore’ und Kethav Gabba’uth leH. ävrath Yiššuv ‘Äräs. Yiœra’el, Cheschwan und Kislew 5627 (1866); Expl. CAHJP Inv. 1525
  • Šelom Yerušalayim, über das Tempelopfer in der Gegenwart, mit Responsum Qunt. res Šivath S. iyyon von E. Guttmacher, Toruñ 1867, 24 S
  • ’Ämunah Yešarah, Teil II: über Weltschöpfung, göttliches Allwissen, Willensfreiheit, Offenbarung und Gesetz, Toruñ 1870, 204 S
  • „Aufruf zur jüdischen Kolonisation in Palästina“, gezeichnet gemeinsam mit Guttmacher, Leipziger Tageblatt, 23. Sept. 1871
  • Sefär ha- Berith und Be’ur ha-Miloth zum Pentateuch, in der Pentateuchausgabe Warschau 1873-1875
  • Pätah. Da‘ath. Mäh. qarim, mit Komm. von Salomon Halperin, Warschau 1911, 32 S.; Warschau 1913
  • ’Iggaroth, Jerusalem 1937, 67 S. mit Porträt
  • Talmudauslegungen, Artikel in hebr. Zschrr. Werkausgaben. Mivh. ar Kethavim, mit Schriften von Juda Alkalai, 1943; 1945
  • Ha-ketavim has. iyyoniyyim, hrsg. Israel Klausner, Jerusalem 1947, 569 S.

Bildmaterialien

  • Bildnisphotographie; Gidal, Juden, S. 302
  • Porträtgemälde siehe Hintze, Schlesien, S. 120.

Literatur

  • Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars, VIII (1863), Anhang, S. 6, vermerkt Bücherspende K.s
  • Die radikalreformerische Neuzeit 1871, S. 568f, protestiert vehement gegen den „Aufruf“ der Orthodoxen: „Zur Wiedereinführung dieser gottgefälligen Opfer ist also die Neugründung eines jüdischen Staates, welche nur sich selbst Gesetze zu geben hat, unbedingt nothwendig. Darum auf, nach Palästina, gesetzestreue Heerde! - Dort wirst, dort kannst du opfern und dort - wirst du geopfert! Denn - kein Zweifel! - angenommen, es gelänge diesen gesetzestreuen Herren, das Unmögliche möglich zu machen und einen neujüdischen Staat zu gründen, so wäre dies der Anfang vom Ende des Judenthums. Sein bitterster Feind könnte nichts sehnlicher wünschen, als die Realisirung dieses Unternehmens“
  • Nachruf in AZJ 1874, S. 757
  • Jahresbericht des Vorstandes der Synagogengemeinde zu Thorn für das Jahr 1874, Toruñ 1875, S. 6-7
  • Fuenn, Kenäsäth Yiœra’el, S. 289
  • Brawermann, ’Anše Šem, S. 31a-b
  • Lewin, Lissa, S. 283-286
  • JE VII 421f, mit Bildnis; Geburtsdatum 24. März
  • Wreschner, „Eger“, II, S. 21: „Ungleich der bedeutendste, originellste und begabteste unter all diesen Schülern des Rabbi Akiba Eger“
  • Heppner und Herzberg, S. 610
  • Chones, Toledoth ha-Poseqim, S. 363
  • Wachstein, Mafteah. hahäspedim, I, S. 49
  • JL VII 421
  • Wininger III 379f, demzufolge geb. 24. März 1804 und gest. 16. Okt. 1874
  • EJ dt. IX 825-827, Geburtsdatum hier 1. April
  • Isaak Arigur, Ha-Rav S. evi Hirš Qališär, Einleitung von Y. L. Hakohen Fishman, Jerusalem 1928
  • Israel Klausner, Ha-Rav S. evi Hirš Qališär weyiššuv ’Äräs. Yiœra’el, Jerusalem 1947, 84 S
  • J. Katz in Leo Jung (Hrsg.), Guardians of Our Heritage, 1958, S. 207-228
  • Hallah. mi, H. achme Yiœra’el, S. 317f
  • Hertzberg, The Zionist Idea, 1960, S. 108-114
  • Abraham Isaak Bromberg, Mi-Gedole ha-H. asiduth, Bd. XVII: Ha-Ga’- on Rabbi S. evi Hirš Qališär, Jerusalem 1960, 136 S
  • EJ eng. X 708f
  • ’Äns. iqlopädyah ‘ivrith XXIX 760f
  • Halperin, ’At. las ‘Es. H. ayyim, Bd. XI (1983), S. 88, Nr. 1641
  • Jody Elizabeth Myers, Seeking Zion: The Messianic Ideology of Zevi Hirsch Kalischer, PhD Los Angeles 1985, 305 S
  • Hirschler, Sefär Me’oran šäl Yiœra’el, Bd. II, S. 47-63, 362
  • PK Poznañ-Pomerania, S. 52, 55, 74f, 105
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 231, 546.