Ausgebildet an den Jeschiwot von Mannheim und Frankfurt/M., dort mit einer wohlhabenden Frau verheiratet und im Handelsberuf tätig
ordiniert am 15. Feb. 1801 von Gumprecht Mehler in Bingen und am 15. Okt. 1802 von Tia Weil in Karlsruhe, Hauslehrer in Obermoschel, 1804 Rb. in Hottenbach (im späteren preuß. Reg.-Bez. Trier, Landkreis Bernkastel), ehem. Landesrt. der Gft. Sponheim, zuständig auch für die Juden der ehem. Fürstentümer Birkenfeld und Lichtenberg, am 9. Juni 1809 dort auf die Beschlüsse des Sanhedrin vereidigt und (bis 1814) dem Oberrb. in Trier unterstellt. Nov. 1822 Rb. in Landau. Im Juli 1827 wird seine Qualifikation von Aron Merz (Rb. in Pirmasens) und vom Staatsprokurator in Landau bestätigt
Dez. 1827 besteht er die Staatsprüfung in Speyer mit der Note „hinlänglich“. Jan. 1828 Einsetzung als Bezirksrb. für Landau mit 450 fl. Gehalt. Als Zugeständnis an die jüdische Gemeinde in Edenkoben sollte er dort seinen Sitz nehmen, scheint sich aber, wenn überhaupt, nicht lange an die Vereinbarung gehalten zu haben.
Dokumente
AN Paris, F 19, Nr. 11.052 „Tableau des Déclarations faites par les Rabbins & Docteurs de la Loi“, Paris, 30. Sep. 1813
LHA Koblenz, 393/295, S. 12, 47 über den Umfang seines Sprengels in Hottenbach und seinen Wegzug wegen Verarmung der Gemeinden
StadtA Landau A I 203 mit Einsetzungsbescheid des Landkommissariats Landau vom 30. Jan. 1828
LA Speyer, Best. H3, Nr. 8133, f. 7-10, Prüfungsakten. „Hirz Kann steht zwar in der deutschen Sprache und in der eigentlich wissenschaftlichen Bildung gegen die beiden anderen Candidaten bedeutend zurück, besitzt aber in dem Fache der jüdischen Theologie recht gründliche Kenntnisse und hat außerdem alle Vortheile einer langen und gut benüzten Erfahrung“.
Epigraphik
Grabstein Nr. 511 auf dem jüd. Friedhof von Essingen bei Landau (Mitteilg. F. G. Hüttenmeister aus seiner unveröff. Dokumentation). Die Inschrift nennt K. „Gaon“ und „Kadosch“ und liefert ein Wortspiel auf seinem Namen „Naftali Kann“: N a f t u l e ’älodim [Gen. 30,8] niftal le’aviw šä-ba-šamayim / q i n n e ’ qin’ah leH[a-Šem; cf. 1 Kön. 19,10] bigevurah wa‘oz; man rühmt seine Tätigkeit als Talmudlehrer und als Spendenverwalter für die Palästinahilfe.
Literatur
Landauer Wochenblatt, 3. Okt. 1832, berichtet von der ersten dt. Predigt K.s (Arnold, Landau, S. 11)
Verschiedene Schmähungen gegen die angebliche Rückständigkeit von K.s Amtsführung erschienen in Der Eil-Bote für den Bezirk, 3. Okt. und 8. Dez. 1832, 4. Mai 1833; K.s Gegendarstellung wird am 25. Mai 1833 gedruckt, aber mit feindseligen Fußnoten annotiert (Nachdruck als „Anhang I: Die Kampagne gegen den Landauer Rabbiner Hirz Kann“, in: Arnold, Landau, S. 27-33)
Hess, Die Landauer Judengemeinde, S. 39-42
Seligmann, Erinnerungen, S. 36; danach unterrichtete K. Talmudschüler