BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KAUDER, Samuel Löw

  • Geb. 1766 in Prag,
  • Gest. 6. Mai 1838 das
  • Lernt in Bre‘zi (Vlachovo Březí in Südböhmen?) bei Moses Čkyn, einem Schüler der Großen Prager Jeschiwa des Meier Fischels, mit 10 J. nach Prag ans Lehrhaus von Michael Bachrach, mit 13 J. Schüler von Eleasar Fleckeles und Freund von Bezalel Ronsburg. Weitere Studien in Kolín an der Jeschiwa von El. Kalir, seit der Verehelichung mit Judith (1770-1851) war er Kaufmann in Prag. Leitet eine Jeschiwa, ist Prediger an der Altschul, Stiftsrb. und Talmudlehrer an der Prager Klaus, nach Beibringung der gesetzlich geforderten Zeugnisse über Studien des Naturrechts und der Ethik wird er am 2. Okt. 1817 ernannt zum Kreisrb. des Taborer und Budweiser Kreises mit Sitz in dem Dorf Kolodìje nad Lužnicí (Kalladey), 1824-1827 auch für den Prachiner Kreis zuständig, Dez. 1835 „erster Oberjurist“ im Prager Rabbinatskollegium und erneut Leiter einer Jeschiwa.

Dokumente

  • SÚA Prag, ČG Camerale, oddìlení 1826-1835, svazek 13/9 [= Karton 1344], vom 24. Juni 1835 Bewerbung um eine Oberjuristenstelle in Prag, wo er seinen Lebensabend verbringen wolle
  • Ebd., ČG Vš., oddìlení 1836-1841, svazek 46/2/31 [= Karton 710], vom 1. Aug. 1837 Beschwerde von Juden aus Teplice (Teplitz) gegen die „Einmengung“ K.s in ihren Kultus, da er ihnen die Orgel im Gottesdienst verbieten wolle
  • ÖStA/AVA Wien, Alter Kultus, Israelitischer Kultus, Karton 4, vom 28. Nov. 1838: „Uebersicht der [...] in Böhmen angestellten Kreis-Rabiner“
  • Israel Weiss beschreibt den Zustand seiner Prager Jeschiwa um 1835 in seinen Memoiren
  • SÚA Prag, ČG Vš., oddìlení 1836-1840, svazek 47/2/1: Mit seinem Rabbinatsassessor lebte er in Unfrieden; nach Eindruck der Stadtbehörde stehe Kauder „hartnäckig und man kann sagen leidenschaftlich wider Samuel Freund“
  • ŽM Prag, Nr. 128402, S. 922-949, Personalakte. Wie der Gemeindevorstand am 11. Juli 1838 zugibt, wurde mit K. „ein ehrwürdiger Greis [...] berufen, weil sein versöhnliches Gemüth keine Hindernisse in dem Fortschreiten der Synagogalverbesserungen befürchten ließ“ (ebd., S. 385)
  • SÚA Prag, HBMa 2762, Sterbeeintrag seiner Frau.

Manuskripte

  • JNUL Jerusalem, ms. 4o 892 Däräch ’Ämunah zum Talmudtraktat ‘Avodah Zarah
  • Ms. des ‘Olath Šemu’el Teil I in JNUL Jerusalem, ms. 4o 893
  • New York, Sammlung M. R. Lehmann 284 ‘Olath Šemu’el Teil II mit 124 Responsen zu YD, 72 Bl. [IMHM 24.629]
  • Ebd. 286 Teil III, mit 24 Responsen zu EE, 24 Bl. [IMHM 24.631]
  • ŽM Prag, ms. 31 Handschrift des Zikkaron ba-Sefär
  • Ferner wird ein Werk Miqra’e Qodäš erwähnt.

Publikationen

  • ‘Olath Šemu’el, Teil I, mit 138 Responsen zu OH, Prag 1823, 73 Bl., mit autobiographischem Vorwort; Teil II/III zu den übrigen Ordnungen wurden nicht gedruckt
  • ’Ahavath ’Ämäth achtzehn Homilien moralisierenden Inhalts, Prag 1828, 74 Bl
  • Pe‘ulath ’Ämäth kolel šiv‘ah ma’amarim šema‘t, halach. Erörterungen und eine Homilie, Bd. II, Prag 1828, 18 + 50 Bl
  • Zikkaron ba-Sefär, zu Megillah, hrsg. mit einer Einleitung von Sal. Zwi Lieben, Szölles 1937, 20 Bl.; danach lagen weitere Werke handschriftlich in der Bibliothek der Prager Jüd. Gemeinde vor
  • Anfrage an Sam. Landau in dessen Šivath S. iyyon, Nr. 99.

Epigraphik

  • Lieben, „Erster Wolschaner Friedhof“, S. 22, mit Geburtsdatum 1768. „Er war ein bedeutender Kanzelredner und verstand, die sittlichen Ideen des Judenthums in schönen, ergreifenden Bildern darzustellen“.

Bildmaterialien

  • Bildnis bei Gold, Böhmen (1934), S. 243; er wird hier fälschlich „Abraham Kauder“ genannt.

Literatur

  • AZJ 1838, S. 111, 291
  • Steinschneider, Bodleiana, col. 2433
  • Kurzbiographie bei Leopold Löw, „Abraham und Josef Flesch“, Ben-Chananja 1858, S. 546 Anm. (auch in Ges. Schr., Bd. II, S. 244-245)
  • Kayserling, „Jüdische Literatur“, S. 759
  • JE VII 456 (gibt als als Geburtsjahr an „um 1762“)
  • Boas Cohen, „Qunt. res ha-tešuvoth“, Ha-S. ofäh 14 (1930), Nr. 939
  • Wininger III 425, mit Geburtsdatum 1762
  • EJ dt. IX 1090, mit Geburtsdatum 1768
  • Als „Samuel Kauders“ bei F. Roubík, „Revision“, JGGJČSR 5 (1933), S. 417
  • Klemperer, „Rabbis of Prague“, S. 81
  • EJ eng. X 840, Geburtsort sei „Bechyne“
  • Menasche Refael Lehmann, „Letholedoth ha-ga’on Rabbi Šemu’el Qoyde‘r weh. ibburaw“, Moriyyah 13,5/6 (1983/84), S. 21-24
  • Wlaschek, Bohemia, S. 102, danach geb. 1768 in Bechin
  • HÖAAJH, Bd. II, Nr. 5016
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 121f, 227, 271, 457, 554.