BHR Biographisches Portal der Rabbiner

KAUFMANN, Jakob

  • Geb. 3. Mai 1783 in Berlichingen,
  • Gest. 27. Febr. 1853 in Laupheim bei Ulm
  • Sohn des Leopold K. aus Berlichingen und der Lea Kohn aus Warschau, Talmudunterricht beim Ortsrabbiner Jakob Bär, dann fünfjähriges Jeschiwastudium in Fürth bei Wolf Hamburger, Privatlehrer in Heidingsfeld (bei Würzburg) und in Sennfeld, Unterfranken. Dajan in Braunsbach, 1807 Vorsänger und Unterrb. (moreh s. ädäq) in Archshofen bei Bad Mergentheim
  • 1. Sept. 1807 Heirat mit Sophie Schnaittacher (1786-1857), Tochter des Maier S. aus Fürth. 1819 Rb. in Bad Buchau am Federsee. Gleich am 24. Juni 1832 meldet er sich zur Staatsprüfung und betreibt erfolgreiche Studien und Predigtübungen mit dem befreundeten Stadtpfarrer
  • so besteht er im April 1834 die Prüfung und wird zum 1. Jan. 1835 auf das Bezirksrt. nach Laupheim versetzt. 1. Jan. 1852 in den Ruhestand.

Dokumente

  • HStA Stuttgart J 386/352 Bl. 189, Jüd. Familienbuch Laupheim
  • HStA Stuttgart Best. E 201c Büschel 47 Stück 15, vom 7. Apr. 1834, Bericht der Württ. Oberkirchenbehörde über seine Person
  • StA Ludwigsburg, Best. E 212 Nr. 159, Prüfungsakten, schriftliche Arbeiten und Probepredigt von 1834
  • StA Ludwigsburg, Best. E 212 Nr. 124, von 1838ff, umfangreiche Beschwerden der Gemeinde Laupheim gegen ihn und seine Rechtfertigungen: Er predige konfus und „ohne Anstand“, sei nachlässig und schwerfällig im Unterricht der Kinder, berede während des Gottesdiensts Handelsgeschäfte u. a. m
  • HStA Stuttgart Best. E 201c, Büschel 39, über sein Pensionsgesuch im Alter von fast 68 Jahren. Die Gemeinde erklärt sich diesmal in einer Petition vom 15. Dez. 1850 mit seiner Amtsführung sehr zufrieden und will ihn noch nicht entbehren, Maier rügt jedoch unter dem 24. Feb. 1851 „die Würdelosigkeit der religiösen Vorträge des Rabbinen Kaufmann in Laupheim und die Mangelhaftigkeit seines Religionsunterrichtes“; man sagt ihm „eine vielfach sich kundgebende niedrige Geldgierde“ nach und allgemein einen undisziplinierten Lebenswandel, so daß in der Gemeinde „Zucht- und Zügellosigkeit“ um sich griffen.

Epigraphik

  • Hüttenmeister, Laupheim, S. 165, danach „geb. 24. Mai 1783, von 1808-1820 Rabbiner in Buch, von 1828-31 in Buchau und von 1835 bis 1851 in Laupheim“. Die Inschrift rühmt seine Tätigkeit als Gelehrter, Prediger, Beschneider, und Ritualgutachter: Tag und Nacht sannst du über der Lehre unseres Gottes, deine Stimme hörten wir abends und morgens im Hause Gottes, das Fleisch unserer Söhne hast du beschnitten und auch die Vorhaut des Herzens Israels, in Lebenswandel und Gericht hast du deine Gemeinde geleitet, Streit hast du ferngehalten und Frieden zwischen dem Mann und seinem Bruder gestiftet, deine Lebensjahre betrugen siebzig und die meisten Arbeit und Seufzen“.

Literatur

  • Nachruf in AZJ 1853, S. 233: „In den Grundsätzen der frühern strengen Asketik auferzogen, und der streng orthodoxen Richtung zugethan, hatte er vielseitige Kämpfe mit den Bestrebungen der etwas freiern Richtung, die in den diesseitigen Gemeinden auftauchten, zu bestehen. Doch war er tolerant genug, um zu erkennen, daß auch die entgegengesetzte Ansicht das Recht ihrer Existenz habe“ und „unserer Zeit diejenigen Konzessionen einzuräumen, die er für zweckmäßig und nothwendig hielt, und die nach seiner Ansicht das Gebiet der Orthodoxie nicht überschritten“
  • Tänzer, Württemberg, S. 73
  • PK Baden-Württemberg, S. 57, 102
  • Wilke, Den Talmud und den Kant, S. 486f.